Plötzlich beschwerte sich mein schlechtes Gewissen – ich hatte schon ewig nichts mehr für Thymos geschrieben. Um diese nörgelnde Stimme zum Schweigen zu bringen, brauchte es einen Artikel. Doch – worüber?
Ich beschloss, die derzeit heißesten Themen im rechten Lager zu explorieren und hielt auch Introspektion; begab mich in die innere Einkehr: „Thunderbernd, womit kennst du dich eigentlich richtig gut aus? Welches Thema liegt dir wirklich und wahrhaftig am Herzen?“
Und dann, plötzlich, hatte ich meinen Heureka-Moment und es fiel mir wie Schuppen von den Augen: Endlich wusste ich das Thema, das von allerhöchster Brisanz ist und zu dem ich maximale Autorität besitze:
Grüne Süßmäuse.
Gut, „höchste Brisanz“ erklärt sich von selbst. Aber warum bin ausgerechnet ich dafür die maßgebliche Instanz?
Nun, erstens lebe ich inmitten eines der wichtigsten geografischen Zentren des grünen Süßmäusetums. Und zweitens bin ich ein derartiger Großmeister im Bedienen von Dating-Apps, dass ich mir anmaße zu behaupten, Bumble und Tinder ähnlich virtuos bedienen zu können wie, sagen wir, Edward Simoni seine Panflöte.
Wenn ich ehrlich bin, muss ich sogar zugeben, dass ich den Großteil meiner umfangreichen Menschenkenntnis aus irgendwelchen Rendez-Vous, Techtelmechteln und Affären gewonnen habe. Falls sich der geschätzte Leser nun fragt, ob dies von einer höheren philosophischen Warte aus betrachtet überhaupt ein optimales soziales Verhalten ist … dann fragt er zurecht. Aber sei Du erstmal ein Günstling der Damen in einer der größten Single-Oasen Deutschlands – und dann verhalte Dich grundlegend anders! Und außerdem hat es den Vorteil, dass es mich nun in die Lage versetzt, Euch intimes Fachwissen über grüne Süßmäuse zu vermitteln, jene begehrenswerte, aber nur schwer zugängliche Spezies, die derzeit so sehr unsere Gemüter erhitzt.
Ihr müsst euch vorstellen, dass ich hier quasi umringt bin von grünen Süßmäusen. Bei einer der letzten Wahlen erhielten die Grünen in meinem Bezirk 41 % der Stimmen, die Linke 27 % und die AfD nur 12 (12 Stimmen, nicht 12 Prozent). Die meisten meiner Nachbarinnen sind grüne Süßmäuse – sie sind über, unter und neben mir, sie sind einfach überall, egal, wohin ich gehe oder was ich tue. Ich bin ein bisschen wie Lot in Sodom, nur dass ich hoffe, dass Gott, wenn er dereinst mein Viertel für sein satanisches Linkstum niederbrennen wird, nicht nur mich, sondern auch die grünen Süßmäuse verschont, denn um sie wäre es schon sehr schade.
Eigentlich … bin ich ja der Meinung, dass man Außenstehenden grundsätzlich nichts über sein Liebesleben erzählen sollte. Denn ganz egal, was man sagt, es wirft nie ein gutes Licht auf einen: Hat man keinen Sex, ist man ein Incel, hat man viel Sex, ist man ein Fuckboy oder ein Angeber, und liegt man in der Mitte, ist man langweilig. Außerdem ist es eigentlich ziemlich plemplem, potenziellen Rivalen wertvolle Tipps an die Hand zu geben.
Aber was soll’s. Weil Ihr’s seid, will ich heute mal mit meinen Prinzipien brechen und Euch als erstmaliger Flirtcoach mitnehmen in die faszinierende Welt des Süßmaus-Datings. Lasst mich also noch schnell mein V-Ausschnitt-Shirt anziehen, mein Goldkettchen umlegen und mein Moschus-Parfüm auftragen und schon geht’s los.
Aber Moment. Solltet Ihr jetzt denken: „Wie öde, ein Flirtcoach, für so etwas folge ich doch bereits dem ‚deutsch-griechischen Pick-Up-Aktivisten‘ Maximilian Pütz!“, dann möchte ich Euch eine deutliche Warnung aussprechen: Pützens Lehre „Casanova Code“ hört sich nicht nur dem Namen nach komplett boomeresk und veraltet an – sie ist es auch wirklich. Wer mit dieser Legacy-Programmiersprache versucht, eine grüne Süßmaus zu hacken, wird unweigerlich auf einem Blue Screen of Death landen. Glaubt mir: Solltet Ihr eines Tages angefüllt mit Pützens Irrlehre eine grüne Süßmaus daten, in dem Glauben, dank Maximilian nun ein „Casanova“, „Verführer“ und „Eroberer“ zu sein (und „toxic masculinity“ sei eigentlich was Gutes), dann wird dieser Tag nicht Euer letzter als Single sein, sondern Euer erster als lupenreiner Incel. Vertraut also statt dem „Pick-Up-Aktivisten“ lieber Eurem Flirtcoach Thunderbernd. Ein weiterer Vorteil: Ich bin 100 % deutsch und kein Grieche.
Aber wer genau sind eigentlich diese grünen Süßmäuse?
Es sind – abgesehen von ihrer politischen Einstellung – eigentlich genau die Frauen, die uns interessieren: jung, überdurchschnittlich gebildet, aus gutbürgerlichen Verhältnissen mit einer glücklichen Kindheit und verhaftet in dem ständigen Streben, das Gute, Richtige und Vernünftige zu wollen. Nur dass dieses leider in Wirklichkeit das Schlechte und Falsche ist: das Linke.
Ist es nun möglich, als Rechter so eine Frau für sich zu gewinnen?
Dafür könnte ich jetzt Prämissen und Regeln definieren – stattdessen will ich aber ein cooler Coach sein und Euch nicht mit grauer grüner Theorie nerven. Vielmehr lasse ich Euch, wie ein wahrer Mentor, einfach über meine Schulter blicken. Im Folgenden also Praxisbeispiele von Dates mit zwei wirklich sehr linken Süßmäusen: das erste aus meiner Anfangszeit, das zeigen soll, wie man es nicht macht. Das zweite dann mit einem, wie Maximilian es nennen würde, „Pick-Up“. Im Anschluss wird es ein Resümee geben; danach referiere ich noch ein wenig über die scheinbare Alternative zu den grünen Süßmäusen, die rechten Süßmäuse. Zum krönenden Abschluss kommen wir dann in der Fortsetzung dieses Artikels, wo ich noch ein bisschen auf Maximilian Pütz herumhacken werde – einfach, weil es lustig und lehrreich ist. Und notwendig.
Bevor wir starten, noch ein kleiner Hinweis: Auch meine Tipps werden Euch wahrscheinlich nicht allzu viel bringen – aber immerhin sind sie im Gegensatz zum Casanova-Code wenigstens nicht schädlich. Was für mich funktioniert, muss nicht zwangsläufig für Euch funktionieren. Müßig einem Flirtcoach zu lauschen erspart Euch leider nicht, die eigene Heldenreise zu den Herzen der Damen anzutreten und mit viel Experimentierfreude herauszufinden, was geht, und was nicht. Aber – es kann ja nie schaden, zu gucken, wie andere es machen. Nun aber rein ins Vergnügen.
Date 1: Anja
„Ein Date mit mir wird dann gut, wenn du etwas mit zarten, empfindsamen und anspruchsvollen Menschen anfangen kannst?“ schrieb mir Anja noch am Tag zuvor, und ich bejahte. Also trafen wir uns am folgenden Abend in einer Bar in unserem linken Stadtviertel – allerdings mit einer Viertelstunde Verspätung, weil Anjas mit LGBTQ-Stickern beklebtes Hollandrad einen Platten hatte und sie schieben musste.
Anja war eine schlanke, langbeinige Frau mit Brille und blonder Kurzhaarfrisur – und nach objektiven Maßstäben überdurchschnittlich attraktiv. Zur Begrüßung gab es eine Umarmung und ein Küsschen, und hätte einer dieser dubiosen „Body-Language“-Experten von YouTube das folgende Stündchen Small Talk beobachtet, hätte er sicher so etwas konstatiert wie:
„Ihr Lächeln ist echt, nicht erzwungen. Ihre Körper sind einander zugewandt, sie spiegeln unbewusst die Gesten und Körperhaltungen des anderen. Es gibt gelegentliche, subtile Berührungen. Ein starkes Zeichen von Harmonie und Interesse!“
So weit, so gut. Doch da dies ja die Geschichte eines gescheiterten Dates ist, musste unser vielversprechender Flirt irgendwann zwangsläufig auf ein Gleis geraten, das direkt in den Abgrund führte. Und das begann, als sie mir erzählte, dass sie am „Max-Planck-Institut“ beschäftigt sei.
„Wow!“, dachte ich, schon halb verliebt und leicht betrunken. „Max Planck. Begründer der Quantenphysik. Stolz und Aushängeschild der Wissenschaft … und sie gehört zu diesem elitären Institut, das die Avantgarde der Physiker unseres Landes in sich vereint!“
Als ich meine Anerkennung für ihre respektable Anstellung zum Ausdruck gebracht hatte, klärte sie mich erst einmal auf, dass sie nichts mit Quantenphysik am Hut habe. Es gäbe zwar tatsächlich ein „Max-Planck-Institut für Physik“, aber dieses sei nur eines von ganz vielen (84) Max-Planck-Instituten. Sie arbeite für eines der zehn Max-Planck-Institute, die Rechtsforschung betrieben.
Naiv hakte ich nach: „Kann man denn Recht erforschen? Ist das nicht längst … niedergeschrieben?“
Auf diese blöde Frage hin schüttelte sie mitleidig den Kopf und erklärte mir, dass ihr Institut total viel zu tun habe, denn ständig kämen Anfragen von der Regierung, um knifflige juristische Fragen zu klären. Und sogleich gab sie mir ein Beispiel:
Da war mal ein syrischer Geflüchteter, der mit seiner Frau zusammen untergebracht werden wollte, aber nicht durfte. Problem: Seine „Frau“ war ein Kind. Und nach deutscher Rechtsordnung sind Kinderehen nicht zulässig. Fies, eine so junge Liebe einfach auseinanderzureißen, nicht wahr. Aber zum Glück half ihm eine NGO dabei, den Staat zu verklagen, woraufhin dieser das Max-Planck-Institut beauftragte, herauszufinden, ob man in Sachen Kinderehe nicht mal ein Auge zudrücken könne. Daraufhin trommelte das Max-Planck-Institut seine besten Rechtswissenschaftler zusammen, die sogleich ihre Köpfe zusammensteckten und nach einigen Monaten angestrengten Denkens, Ringens, Aktenwälzens, Haderns und Grübelns endlich ihr fundiertes, wissenschaftliches Urteil verkündeten:
Kinderehen sind eigentlich doch okay.
An diese Einschätzung hielt man sich, und der Syrer konnte endlich mit seiner „Frau“ zusammenziehen und auch alle anderen Vorteile genießen, die seine nun voll anerkannte Kinderehe mit sich brachte. Ende gut, alles gut.
An diesem Punkt wohnten natürlich zwei Seelen, ach, in meiner Brust. Mein innerer Pick-Up-Aktivist drängte mich, ihr spontan freudig in die Arme zu fallen und ihr sowie ihrem Team Hochachtung und Dankbarkeit für dieses weise und fortschrittliche Gutachten und ihre wertvolle Arbeit zu zollen. Die andere Seele in meiner Brust war allerdings Rechtsbernd – mein innerer, empörter AfD-Wähler. Letzterer gewann die Oberhand und ließ mich fragen:
„Aaach, heißt das, dass ich jetzt auch ein Kind heiraten kann? Ich meine – Demokratie bedeutet doch ‚gleiches Recht für alle‘, nicht wahr??“
Das hätte ich nicht sagen dürfen. Der Body-Language-Experte von eben hätte an dieser Stelle kommentiert:
„Interessant – die Dynamik hat sich abrupt verändert. Sie wendet ihren Körper leicht ab, ihr Lächeln wirkt jetzt gezwungen, verschwindet schließlich ganz. Sie zieht sich physisch zurück, indem sie die Arme verschränkt und die Distanz vergrößert. Ihre Gesten wirken plötzlich abwehrend. Klare Anzeichen dafür, dass sie sich emotional distanziert und das Interesse verloren hat. Der Mann scheint das noch nicht ganz realisiert zu haben – seine Körpersprache ist weiterhin zugewandt und offen. Ein deutlicher Missklang in der nonverbalen Kommunikation.“
Entsetzt entgegnete Anja, dass ich natürlich kein Kind heiraten könne – denn ich sei ja Deutscher. Und „gleiches Recht für alle“ sei total veraltet. Schließlich würde ich als Deutscher in Südkorea auch nicht gleich ins Gefängnis wandern, wenn ich beim Kiffen auf offener Straße erwischt würde – ein Südkoreaner aber schon.
Das schien Rechtsbernd ein schlechter Vergleich und wenig glaubhaft, aber weitere Nachfragen verboten sich, denn jetzt merkte auch er, dass Anjas Interesse tot und ausgelöscht war. Plötzlich fiel ihr ein, dass sie noch etwas einkaufen müsse. Natürlich haben wir uns niemals wiedergesehen.
Date 2: Marlis
Marlis war eine attraktive Grafikdesignerin, deren alternativer, aber teurer Kleidungsstil deutlich die linke Künstlerelite verriet, der sie sich offensichtlich zurechnete. Sie war frisch zugezogen und wünschte sich eine romantische Stadtführung durch unser linkes Viertel, welche ich ihr nicht schuldig blieb. Später kehrten wir in eine Bar ein und auch hier hätte uns besagter Körpersprache-Experte in seinem pseudowissenschaftlichen Slang eine deutliche Anziehung attestiert.
Natürlich blieb es auch hier nicht aus, dass das Gespräch irgendwann in ein linkes Minenfeld navigierte.
„Bernd“, fragte sie, „hattest du schon einmal Sex mit einem Mann?“
Ich verneinte wahrheitsgemäß und gab, in meiner Hoffnung, eine Vertiefung dieses Themas damit gleich im Keim zu ersticken, sogar zu bedenken, dass mich die Vorstellung ekele. Woraufhin sie mich voller Mitleid ansah. Wie könne ich mein Herz bloß so verschließen? Für sie komme es nur auf die Seele eines Menschen an, nicht auf seine sexuelle Identität, Herkunft oder sein Aussehen!
Letztere Bemerkung verletzte meinen Stolz. Wenn ihr das Aussehen egal sei, warum datete sie dann ausgerechnet mich, den schönen Bernd? So fragte ich sie.
Marlis antwortete, sie könne es in meinen Augen sehen, dass ich eine schöne Seele hätte. Sie habe es bereits an meinen Profilbildern auf Tinder bemerkt.
Und wieder wohnten zwei Seelen in meiner Brust. Rechtsbernd wollte gleich schnippisch nachfragen, ob sie, wenn ihr das Aussehen egal sei, auch Stephen Hawking im Endstadium daten würde, der ja sicher eine schöne Seele gehabt habe. Oder einen herzensguten Tattergreis aus dem Altersheim nebenan.
Jedoch – ich war jetzt nicht mehr derselbe Thunderbernd, der ich noch auf dem Date mit Anja gewesen war. Und so beschloss ich, dass dies der perfekte Zeitpunkt wäre, um vom Reden ins Handeln zu kommen. Ich zog Marlis an mich und überdeckte ihr Gesicht mit zarten Küssen, mich freudig für ihr liebes Kompliment zu meiner schönen Seele bedankend. Was ihr auch gut gefiel.
Als wir später bei ihr zu Hause waren, war ich überrascht über die luxuriöse Ausstattung und die riesigen Ausmaße ihrer Wohnung. Sie musste, wie ich dachte, wirklich eine sehr, sehr gute Grafikdesignerin sein. Die Wände waren ausgeschmückt mit moderner Kunst, in ihrem Schlafzimmer hingen mehrere Originale von Jonathan Meese (allerdings nicht die mit den Hakenkreuzen, hehe). Später erzählte sie, dass Grafikerin nur ihr Nebenberuf sei; hauptberuflich sei sie Tochter eines reichen Vaters. Aber sie versuche, sich als freie Künstlerin zu etablieren. Sie male in Öl, und ihre Spezialität seien abstrakte Bilder von Schimmelpilzen. Typisch links, dachte ich. Aus irgendeinem Grund besaß sie eine Nebelmaschine und nebelte uns damit ein, was eine sehr romantische Stimmung erzeugte.
Okay, spätestens ab hier klingt meine Erzählung fantastisch. Aber jedenfalls entpuppte sich Marlis als äußerst interessante und liebenswerte Person, mit der ich eine wirklich schöne Zeit verbrachte. Und ich bin froh, dass Rechtsbernd diesmal sein Schandmaul halten konnte.
Die Moral von der Date-Geschicht
Was ich mit meinen Hook-up-Storys zeigen will, ist, dass es durchaus möglich ist, als Rechter eine grüne Süßmaus für sich zu begeistern. Unmöglich ist es aber, dies zu tun und gleichzeitig ihr Linkstum zu zerschmettern.
Das sadistische Vergnügen, einen Linken unter dem Lügenkonstrukt seines falschen Weltbildes kollabieren zu sehen, nachdem man dies geschickt an neuralgischen Punkten angebohrt hat, sollte man sich für Linke aufsparen, die man nicht mag und die man sich vom Hals schaffen will. Keinesfalls aber für grüne Süßmäuse! Vielmehr ist das Linkstum der Süßmäuse als ein Test zu sehen: Ist Eure Wertschätzung für diese Person so groß, dass sie alles Politische in den Hintergrund stellt? Habt Ihr die nötige Empathie, ihre Ansichten und Emotionen nachzuvollziehen und zu würdigen, auch wenn Ihr diese selbst niemals vertreten würdet?
Selbstverständlich soll man nicht zum Lügner oder selber zum Linken werden. Niemand mag Linke, nicht mal Linke. Aber man muss empathisch sein. Das bedeutet nicht, dass man seine Meinung ändert, sondern, dass man sich in die grüne Süßmaus hineinversetzt, ihre Gefühle ernst nimmt und sich selber zurücknimmt. Politisch mag am Linkstum alles schlecht und verkehrt sein, aber das liegt eben daran, dass das Linkstum nicht rational ist, sondern auf Emotionen basiert. Aber diese Emotionen sind echt und verlangen, ernst genommen und gewürdigt zu werden. Hier ist also eine aristokratische Charakterstärke gefragt: Widersprüche aushalten zu können und zu akzeptieren, dass mehrere Wahrheiten existieren, ohne das Gefühl zu haben, einem würde ein Zacken aus der Krone brechen.
Rechte, die ihr Weltbild wie eine Monstranz vor sich hertragen und ständig auf der Suche sind nach entweder Affirmation oder Konfrontation, und glauben, die markigen Reden von Alice Weidel überall im privaten Umfeld reproduzieren zu müssen, können sich grüne Süßmäuse gleich aus dem Kopf schlagen. So jemand kommt schlecht an; nicht, weil er Rechter ist, sondern weil so ein Verhalten schlichtweg respektlos ist.
Warum überhaupt grüne Süßmäuse?
Erstens findet man unter den grünen Süßmäusen viele der spannendsten Frauen. Zum Beispiel aus der Musik- und Kunstszene und überhaupt in kreativen Berufen. Auch unter den beruflich erfolgreichen Frauen findet man viel Linkes und Grünes – es ist ja auch nur logisch, dass zum Beispiel eine Unternehmerin auch Feministin ist.
Zweitens wollen wir ja eine Frau von Status, und progressiv zu sein ist eben auch ein Zeichen von Status. Es zeigt, dass man sich in den „besseren“ Kreisen bewegen kann und kein Ausgestoßener ist, der in obskuren, gefährlichen Bereichen außerhalb des Overton-Fensters operiert. Nur Menschen in gesicherten Verhältnissen können es sich leisten, eine zerstörerische Politik zu unterstützen (es gibt hier starke Parallelen mit dem Handicap-Prinzip aus der Evolutionsbiologie). Nicht umsonst sind die Grünen die Partei der Besserverdienenden und die AfD die der Arbeiterklasse.
Und drittens drückt sich im grünen Süßmäusetum, bei allem, was daran schlecht ist, eine sehr gute Eigenschaft der Deutschen aus: Es gibt wohl keine Fraktion auf Erden, die mehr bestrebt ist, stets das Gute, Richtige und Vernünftige zu wollen, als die deutschen Frauen (ob selbiges dabei herauskommt, ist natürlich eine ganz andere Frage). Ich sprach einmal mit einer ukrainischen Model-Agentin über die deutschen Frauen. Sie erzählte mir, dass es deutlich schwieriger sei, unter Deutschen frische Models zu finden als unter Ukrainerinnen. Nicht, weil die Deutschen weniger hübsch wären, sondern weil sie schlichtweg kein Interesse daran hätten. Deutsche Frauen würden mit ihrem Charakter und ihrer Intelligenz reüssieren wollen, nicht mit ihrer Schönheit.
Haltet mich für verrückt, aber ich finde diese Haltung edel. Und wenn ich eine grüne Süßmaus in der Bahn sehe, die auch im Jahre 2025 noch wie selbstverständlich ihre Coronamaske trägt, selig in ihrer Hingabe, stets das Richtige, Gute und Vernünftige zu wollen, dann ringt mir das, neben anderen Empfindungen, Bewunderung ab. Um nicht zu sagen: Nationalen Stolz.
Rechte Süßmäuse
Manch einer wird sich an dieser Stelle denken: „Warum soll ich mich überhaupt mit grünen Süßmäusen abgeben? Ich hole mir einfach eine ideologisch passende rechte Süßmaus.“ Selbstverständlich hat Thunderbernd auch mit dieser Spezies Erfahrung.
Single-Frauen, die sich trauen, offen rechts zu sein, sind eine echte Rarität auf dem Heiratsmarkt und stehen in keinem Verhältnis zur Vielzahl der grünen Süßmäuse – jedenfalls ist das die Situation auf den Dating-Apps. Das bereits legt nahe, dass es sich bei ihnen um sehr spezielle Charaktere handeln muss. Und diese Einschätzung kann ich aus meiner Erfahrung heraus auch dick unterstreichen. Aber macht Euch selbst einen Eindruck, ich stelle hier einige der Mäuse vor:
Katharina: Eine schöne, blonde Chirurgin und Unternehmerin, deren Eltern sie aufgegeben und bei ihrem alten SS-Opa haben aufwachsen lassen, den sie bis heute verehrt, der sie aber regelmäßig verprügelt hat, genau wie ihr Mann, von dem sie in Trennung lebt. Sie betreibt einen anonymen Instagram-Account mit vielen Followern, auf dem sie gegen Linke schimpft.
Anne: Eine streng gläubige Christin, Diplom-Psychologin und ebenfalls eine anonyme Online-Aktivistin mit zahlreichen Talenten und Führungsqualitäten. Sie glaubt alles von „Trau keinem Promi“, hat ein Kleinkind, ist Kettenraucherin und flirtet mit mir am Telefon, während ihr Mann (den sie jedoch verlassen will) im Hintergrund sitzt, zuhört und Kommentare einstreut, als wäre ich ein Freund der Familie und diese Situation die Normalste der Welt.
Cindy: Eine israelische Geschäftsfrau, die sich mit plastischer Chirurgie ein europäisches Aussehen hat verpassen lassen und auf böse Deutsche steht. Sie hält die Dummen und Schwachen einfach für minderwertig, wozu sie vor allem die Araber zählt.
Tina: Eine ethnische Georgierin mit Asperger-Syndrom, die in der Türkei aufgewachsen ist und dort eine tiefe Antipathie gegen Moslems entwickelt hat, dann in die USA gezogen ist und da einen Abschluss in Informatik und eine kommerzielle Piloten-Lizenz gemacht hat. Sie hat ein White-Power-Forum aufgebaut und betrieben, dann einen sie misshandelnden Alkoholiker geheiratet, vor dem sie nach Skandinavien geflohen ist. Jetzt lebt sie dort als Programmiererin und trollt auf X. Sie ist bis heute eine meiner besten Freundinnen.
Wer das liest, wird verstehen, welches Bild ich mir von rechten Süßmäusen gebildet habe. Es sind allesamt intelligente, faszinierende und mutige Persönlichkeiten, allerdings mit wirklich schwierigen Biografien. Meine Theorie: Das Leben hat sie so hart gemacht, dass ihnen der Schmerz, den es ausmacht, eine gesellschaftlich geächtete politische Position zu beziehen, nicht mehr viel anhaben kann. Und das steht natürlich im Kontrast zu den verwöhnten grünen Süßmäusen, die selten echte Härten erlebt haben und Dissonanzen nur schwer ertragen können.
Bezeichnend auch, dass die rechten Süßmäuse nicht nur politisch abseits des Mainstreams stehen, sondern auf mehreren Ebenen. Sie können Autistinnen, fundamentale Christinnen oder Verschwörungsgläubige sein, eigentümlichen Dogmen anhängen oder einfach einen tragischen Knacks haben. Im Missklang, in dem sie mit der Gesellschaft stehen, ist ihr Rechtssein schlicht ein weiterer Ton.
Dieses Maß von Resilienz nötigt einem natürlich Respekt ab. Die entscheidende Frage ist aber, ob mit solch sperrigen Ausnahmepersönlichkeiten eine glückliche Liebesbeziehung zu gestalten ist. Auf politischer Ebene mag Einvernehmen herrschen, aber Politik ist ja schließlich nicht alles, und die Idee, sich nach politischen Kriterien zu verlieben, hört sich sowieso nicht gesund an.
Um es kurz zu machen: Rechte Süßmäuse sind in der Realität vielleicht nicht solch ideale Traumfrauen, die sie in unserer Vorstellung sind. Wenn Ihr es dennoch mit einer probieren wollt, werden Toleranz und Empathie, für die ich bereits im Umgang mit den grünen Süßmäusen plädierte, hier mindestens genauso vonnöten sein.
Zwischenfazit
So, das Ende des ersten Teils dieses Artikels ist erreicht, und Ihr seid jetzt nicht nur mit grünen, sondern auch mit rechten Süßmäusen bestens vertraut. Unerwähnt blieben freilich die ganzen liebenswerten Nager zwischen diesen Polen – welche nicht nur zahlenmäßig viel häufiger sind, sondern für uns tatsächlich auch die realistischste Option darstellen. Doch selbstverständlich ist es immer viel spannender, über Extreme zu reden.