Eine Träne löst sich, dann noch eine. Lautlos laufen sie über ihr Gesicht, und sie macht keinen Versuch, sie zurückzuhalten. Im Gegenteil: Sie rückt näher, klammert sich an mich, als müsse sie sich vergewissern, dass ich da bin – dass die Stimme, die sie so tief berührt, nicht verstummen wird.
„Bitte…“, fleht sie leise, „lies weiter.“
Ich tue es.
Beinahe feierlich forme ich jedes Wort, gebe den Figuren Stimmen. Ich erzähle von holden Jungfern, schneidigen Junkern und herzensguten Grafen, die sich armer Waisenkinder annehmen – und spüre, wie sie sich mit jeder Zeile mehr hingibt, wie ihre Ergriffenheit in ein süßes Versinken übergeht.
„Das … ist sooo schön“, flüstert sie und kuschelt sich noch enger an mich.
Ich lächle zufrieden, halte kurz inne, hebe den Blick versonnen vom Heftroman gen Himmel und denke:
„Danke, Hedwig Courths-Mahler!“
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In der Tat – ich habe ihr einiges zu verdanken. Denn ich habe noch kein zuverlässigeres Mittel gefunden, eine Frau in einen Zustand seliger Verzückung zu versetzen, als … ihr einen Roman von Hedwig Courths-Mahler (*1867; †1950) vorzulesen! Daher wird es höchste Zeit, sie mit einem Artikel zu würdigen.
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Man kann keinen ernstzunehmenden Artikel über Hedwig Courths-Mahler schreiben, ohne auf den Heftroman-Markt einzugehen. Er ist ein deutsches Kuriosum – denn nur hier gibt es ihn! Nur bei uns wird Trivialliteratur noch in Heftform gebunden, und zwar immer im bewährten Format DIN-C5 mit 64 Seiten.
Der Heftroman ist ein extrem effizientes Produkt. Er benötigt nur einen einzigen Druckbogen, der gevierteilt, gefalzt, mit Umschlag versehen, geheftet und geschnitten wird – fertig ist er. Angenehmer in der Hand zu halten und außerdem robuster als ein geklebtes Paperback. Nicht verkaufte Hefte werden an den Verlag remittiert – Dort bündelt man sie zu je dreien, macht einen neuen Umschlag drum und schickt sie als „Sammelbände“ wieder in den Handel.
Warum aber gibt es den Heftroman … nur hier?
Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens, die Vertriebsstrukturen. Als eines der lesefreudigsten Völker der Welt verfügten wir einst über ein enges Netz an Zeitschriftenhandlungen, für welche der Heftroman das ideale Produkt ist. Wie eine Zeitschrift ist er preiswert, wird regelmäßig erneuert und erzielt einen hohen Warenumschlag. Deshalb darf er mit seinem Titelblatt nach vorn prominent in der Auslage stehen und wertvolle Verkaufsfläche beanspruchen. Der Buchhandel hingegen setzt auf Vielfalt mit langlebigen Titeln, die man hübsch in einem Regal aufreihen kann – und daher zwangsläufig über Buchrücken verfügen müssen.
Der zweite Grund betrifft eine kulturelle Eigenheit Deutschlands: unsere Liebe zu Zweckmäßigkeit und Effizienz, welche durch unsere hohe Bevölkerungsdichte bei gleichzeitiger Ressourcenknappheit geprägt wurde. Sie zeigt sich in unserer Vorliebe für Standardisierung und materialschonende Lösungen – vom Pfandsystem bis hin zu den „Volks…“-Produkten: Der Grund, warum wir Düsenjäger aus Sperrholz bauten, ist derselbe, warum wir bis heute Heftromane drucken.
Doch nicht nur die Form des Heftromans ist überaus deutsch, sondern auch sein Inhalt. Die Heftroman-Auslage ist ein Biotop, in dem kulturelle Fossilien überleben dürfen – viele Reihen sind über sechzig Jahre alt. Wie zu Urgroßvaters Zeiten liest man hier noch immer von machohaften Westernhelden, jodelnden Alpenbewohnern, Landsern, die dem Iwan Saures geben, hilfsbereiten Ärzten und deutschen Adeligen, die im Spannungsfeld von Standesunterschieden herzzerreißende Liebesgeschichten erleben.
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Der Adelsroman – stets erkennbar am goldenen Umschlag – wurde von niemandem so geprägt wie von Hedwig Courths-Mahler, der auflagenstärksten deutschen Autorin aller Zeiten – einzig noch überboten von Karl May.
Courths-Mahler nimmt unter den Heftromanautoren eine solitäre Stellung ein. Und das nicht einmal aufgrund ihres schier unglaublichen Œuvres von 207 Romanen, deren Gesamtauflage bereits zu ihren Lebzeiten die 80 Millionen überschritt. Nein, noch erstaunlicher ist eine andere Tatsache: Seit Hedwig im Jahr 1904, im Alter von 37 Jahren, ihre Schriftstellerkarriere begann, sind ihre Romane ohne Unterbrechung im Druck! In allen deutschen Staatsformen, mit Ausnahme der DDR. Bis heute veröffentlicht der Verlag Bastei-Lübbe Woche für Woche ein neues Romanheft, das bundesweit in Zeitschriften- und Bahnhofsbuchhandlungen ausliegt. Und wenn die Nummer 207 durchgelaufen ist? Nun, dann fängt man einfach von vorne an.

Hedwig ist ein Dauerbrenner. Ein literarischer Fels in der Brandung, der Staunen macht – gerade in unseren aufmerksamkeits-defizitären Zeiten, in denen wir rastlos nach immer Neuem suchen, ständig auf der Jagd nach dem nächsten Dopaminkick.
Und mit dem Stichwort „Dopamin“ berühren wir bereits den Kern des bis heute anhaltenden Erfolges der „Königin der Liebesromane“, wie sie auf den Umschlägen ihrer Romanhefte betitelt wird. Hedwig schreibt äußerst effizient: Kaum eine ihrer Szenen ist überflüssig, kaum ein Kapitel vergeht ohne einen neuen emotionalen Impuls. Sie versteht es, den Leser bereits auf Seite 1 zu packen und auf eine Achterbahnfahrt aus Drama, Herzschmerz und Romantik mitzunehmen, die erst auf der letzten Seite endet. Diese Dichte hält selbst einen Leser mit mikroskopischer Aufmerksamkeitsspanne bei der Stange und sorgt dafür, dass ihre Romane selbst im TikTok-Zeitalter relevant bleiben. Eine Tatsache, die das Narrativ von den „modern audiences“ Lügen straft, nach welchem man einem jungen Publikum Altbewährtes nicht mehr zumuten dürfe.
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Kommen wir jetzt mal zur Frage, die in jedem Thymos-Artikel gestellt wird: Was hat das besprochene Kulturprodukt einem dezidiert rechten Publikum zu bieten?
Vielleicht die Tatsache, dass ihre Helden stets durchdrungen sind von Tugenden wie Treue, Anstand, gute Manieren, Familie, Pflichtgefühl und Heimatliebe. Ihre Romane entstanden vor dem Zweiten Weltkrieg – jenem Ereignis, das hinter all diese Werte Fragezeichen setzte, welche Courths-Mahler noch mit dicken Ausrufungszeichen versah.
Die Dramaturgie folgt ausnahmslos den klassischen vier Akten einer Liebesgeschichte: Einführung, Verlieben, Krise und Happy End. Im Kern sind sie immer neue Variationen des Aschenputtel-Motivs. Im Mittelpunkt steht jedesmal eine tugendhafte deutsche Frau um die zwanzig, die jedoch mit einem kleinen Makel behaftet ist – finanzielle Not, beschädigte Familienehre, niedriger Adelsstand oder Ähnliches. Doch aufgrund ihres guten Charakters überwindet sie alle Widrigkeiten und findet schließlich die große Liebe.
Die Antagonisten hingegen sind oft liederlich, untreu, nur auf Geld bedacht und ausländisch. Oftmals repräsentieren sie einen kosmopolitischen Lebensstil, der den bodenständigen Tugenden der Helden entgegensteht. Doch selbst die Gegenspieler sind meist keine vollkommen bösen Menschen, und mitunter finden auch sie am Ende ihren Platz. Häufig entstammen sie einem höheren Stand als die Protagonisten – denn in Courths-Mahlers Philosophie zählt nicht so sehr der Titel, sondern, ob jemand ein „Adelsmensch“ ist – also über ein edles Wesen verfügt. Dies passt zu der Entstehungszeit der Romane, in welcher der Adel zusehends von einer bürgerlichen Oberschicht ersetzt wurde, welche aber ihre liebe Not hatte, in den etablierten besseren Kreisen der Gesellschaft Anerkennung zu finden. Ein typisches Courths-Mahler-Motiv.
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Hedwig als Film
Weil uns bei Thymos das Medium Film besonders am Herzen liegt, dürfen selbstverständlich auch ihre Romanverfilmungen nicht unerwähnt bleiben. Bereits zur Stummfilmzeit wurde einiges für die Leinwand adaptiert. Besonders interessant sind jedoch die Verfilmungen des WDR von 1974: Fünf Streifen, in guter Qualität und mit überraschend hoher Werktreue. Gedreht wurde in verschiedenen deutschen Herrenhäusern, mit authentischen Kostümen und prominenten Schauspielern. Diese Filme sind heute als DVD-Box unter dem Titel „Die Welt der Hedwig Courths-Mahler“ erhältlich. Und fast alle bei YouTube verfügbar.
Die Erzählform dieser Filme ist einzigartig, da man spielerisch Reminiszenzen an den typischen Heftroman-Stil einbaute: Oft hören wir die Erzählstimme die Gedanken der Figuren wiedergeben, dabei den originalen Text aus den Romanen rezitierend. Während der Erzähler spricht, verhalten sich die Schauspieler still, als würden sie diesem bewusst eine Pause einräumen. Manchmal hören wir auch die Schauspieler mit geschlossenem Mund einen Courths-Mahler-typischen inneren Monolog sprechen. Auch erstarren die Szenen gelegentlich zu kunstvoll komponierten Standbildern, die unverkennbar an die Umschlagillustrationen der Romanhefte erinnern. Dies alles geschieht nicht ohne eine Prise Ironie – und das ist gut! Denn Selbstironie war auch der Autorin nicht fremd – wahrscheinlich stellt sich eine solche immer ein bei Schriftstellern, die wie am Fließband Romane nach dem ewig gleichen Muster produzieren.
Die perfekt passende märchenonkelhafte Erzählstimme ist keine andere als die von Gert Westphal, dem „wahrscheinlich besten Rezitator in deutscher Sprache“ (Reich-Ranicki), welcher auch die Werke Goethes, Fontanes und Thomas Manns kongenial als Hörbücher umsetzte. Über Mann schrieb Courths-Mahler übrigens, er sei „außerordentlich begabt“, doch schreibe er leider nur über „Verfall, immer wieder Verfall“. Ein Roman solle „doch erquicken und stark und frisch machen, aber nicht krank und nervös.“ Eine valide Sichtweise.
Die Filme tragen die Titel „Die Bettelprinzess“, „Der Scheingemahl“, „Eine ungeliebte Frau“, „Griseldis“ und „Die Kriegsbraut“. Letzterer ist mein Liebling, weshalb ich ihn hier kurz vorstellen möchte – was auch einen Eindruck davon vermitteln soll, worum es bei Hedwig geht:
Die Kriegsbraut
Die Romanvorlage wurde 1914 geschrieben, kurz nach Ausbruch des Weltkrieges. Entsprechend patriotisch mutet der Film an; das Auge wird reichlich mit schwarz-weiß-roten Flaggen verwöhnt. Hasso von Falkenried ist ein strammer deutscher Offizier, Pilot und Erfinder, dessen militärischer Schneid patriotische Zuschauerherzen höher schlagen lässt. Trotz aller Warnungen seiner Mutter („deutsches Blut verträgt sich nicht mit fremdem!“), bändelt er mit einer russischen Schönheit an, hinter der sich aber in Wahrheit eine Agentin des Zaren verbirgt (das Mem der schönen russischen Spionin hat schon ein beträchtliches Alter!). Kaum ist Falkenried aus dem Zimmer, lässt sie ihre vornehme Hülle fallen, dampft liederlich Papyrossa und durchwühlt Hassos Unterlagen, auf der Suche nach den Plänen seiner Erfindung. Als sie enttarnt wird, möchte Hassos Herz brechen, wäre da nicht seine stille, schöne Cousine Rose von Lossow, eine Frau, durchdrungen von deutscher Sittlichkeit: „Ich bin glücklich, wenn meine Tage bis zum Rand mit Arbeit gefüllt sind … Naturen wie ich bleiben nicht gerne etwas schuldig.“ Bemerkenswerterweise bleibt der Film der Vorlage von 1914 treu und endet mit einer optimistischen Aussicht auf den Ausgang des Krieges!
„Wir werden noch viele Luftfahrzeuge brauchen, um unsere Feinde siegreich bekämpfen zu können.“
„Wir werden sie besiegen, Hasso.“
Herrlich.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=eKno3JcVmww
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Hedwig als Flirtratgeber
Da ich bei Thymos seit meinem Artikel „Grüne Süßmäuse daten!“ den Hut des Flirt-Experten aufhabe, möchte ich natürlich auch darauf eingehen, inwiefern uns Courths-Mahler bei den Damen weiterhelfen kann. Dass Hedwig sich perfekt für ein romantisches Vorlesen eignet – aufgrund ihrer Kurzweiligkeit und klaren, edlen Sprache –, deutete ich ja bereits zu Beginn an. Doch sie bietet noch mehr!
In meinem Artikel über Maximilian Pütz monierte ich ja bereits, wie wenig hilfreich Flirt-Coaches sind. Es handelt sich dabei in der Regel um Männer mit Minderwertigkeitskomplexen, die glauben, man müsse kompensativ allerlei Kokolores veranstalten wie toxische Männlichkeit zur Schau stellen, um „dominanter“ herüberzukommen, als man eigentlich ist. Dementsprechend schlecht sind ihre Ratschläge. Überhaupt – man sollte sich fragen, inwiefern Gestalten wie Pütz eigentlich eine natürliche Veranlassung dazu haben, potenziellen Rivalen wertvolle Tipps an die Hand zu geben! Außerdem profitiert ihr Geschäftsmodell ja mehr vom Scheitern ihrer Jünger als von ihrem Erfolg.
Wer aber selbstverständlich eine natürliche Veranlassung hat, das männliche Verhalten gegenüber Frauen zu verbessern – sind logischerweise die Frauen selber! Und ganz besonders sollte man auf jene eine Frau hören, die sich ihr Leben lang den Kopf darüber zerbrach, männliche Charaktere zu entwerfen, die maximal begehrenswert sind – und damit nachweislich Millionen Leserinnen begeisterte. Statt also auch nur eine Sekunde Aufmerksamkeit auf Flirt-Coaches zu verschwenden, kaufe man sich lieber für 2,90 € einen Courths-Mahler, lese und lerne!
Was ich persönlich von Hedwig mitgenommen habe: Ihre Helden sind keine Bad Boys, verhalten sich nicht „toxisch“ – sondern äußerst tugendhaft. Sie sind verantwortungsbewusst, höflich und eloquent. Und vor allem: Sie erkennen aufmerksam die positiven Eigenschaften einer Frau und wissen diese mit guten Worten zu würdigen, und zwar – wichtig! – nicht nur in ihrer Gegenwart. Sie zeigen Verständnis für ihre Sorgen, Mitgefühl für ihre Probleme und echtes Interesse an ihrem Leben. Nicht nur an ihrer Person, sondern auch an ihrer Familie, ihren Freunden und Tieren.
Hier zur Veranschaulichung mal ein Dialog aus dem empfehlenswerten Roman „Prinzess Lolo“. Man beachte, mit wie viel Wärme und Wertschätzung die beiden Männer eine Frau in Abwesenheit bedenken:
„ […] Ich gehe jetzt zu Tante Sibylle, um ihr guten Morgen zu sagen und mich über ihr heiteres Gesicht zu freuen.“
„Und nebenbei läßt du dich von ihr noch ein wenig in deinen demokratischen Ideen bestärken“, sagte der Fürst lächelnd.
„Ach, Papa, Tante Sibylle zuliebe ginge ich in ein Kloster! Sie ist eine charmante, entzückende Dame.“
„Ja, ja, ich weiß schon. Wenn sie nicht weißes Haar hätte, würde sie dir, wie fast allen Männern, den Kopf verdrehen.“
Prinz Joachim lachte fröhlich auf.
„Das kann Prinzessin Sibylle auch noch mit weißem Haar. Du findest sie ja auch im Grunde deines Herzens unwiderstehlich.“
Der Fürst lachte. Es war ein schwaches, dünnes Lachen – ein Lachen, das man sehr selten hörte und das den Klang verloren hatte. Aber er lachte doch. Und darüber war Prinz Joachim sehr erfreut.
Ja, Tante Sibylle! Schon ihr Name genügte, um alle frohen Lebensgeister zu wecken.
Sehr herzlich verabschiedete Fürst Egon seinen Sohn.
Welche Frau würde sich nicht wünschen, dass man mit solch herzlichen Worten über sie spräche? Auf der nächsten Seite charakterisiert Hedwig den Prinzen Joachim, einen liebenswerten Hansdampf:
Wenige Minuten später schritt Prinz Joachim durch das Getümmel des Wochenmarktes. Mit lachendem Gesicht sprang er zur Seite, als er in Gefahr kam, mit einem riesigen Gemüsekorb zu kollidieren. Wo er vorüberkam, stockte das Geschäft. Aller Augen sahen ihm mit lächelndem Wohlgefallen nach. Prinz Joachim konnte wohl in seiner schlanken, jugendkräftigen Männlichkeit noch verwöhnteren Augen gefallen als denen der guten Schwarzenfelserinnen.
„Prinz Joachim kommt über den Markt!“
Diese Kunde pflanzte sich mit Windeseile von Stand zu Stand fort, und für die Dauer der nächsten Minute stockte jeder Handel. Es gab nichts Wichtigeres zu tun, als den jungen Prinzen anzusehen. Er war es gewöhnt und sah den Leuten lachend in die Augen. Manchen rief er einen frohen Gruß zu; es waren ihm ja alles bekannte Gesichter. Und wenn er sich auf der Straße sehen ließ, gab es kein ehrfurchtsvolles Schweigen, sondern frohe Zurufe …
Nicht alle von Hedwigs Helden sind solche gutaussehenden, draufgängerischen Optimisten wie Prinz Joachim von Schwarzenfels. Es gibt durchaus auch den ernsten, verantwortungsvollen Typus. Dennoch gilt: So ein fröhliches Voranschreiten durch die Welt mit dem steten Bestreben, Freude in die Herzen der Menschen zu zaubern, kommt natürlich vorzüglich bei den Damen an! Humor und liebe Komplimente – wieviel besser ist das als alles, was Pützens Giftschrank bereithält.
Zum Schluss sei noch erwähnt, dass die Romanhefte zwar nicht „modernisierte“, aber meist gekürzte Fassungen der Originale sind – wobei der Verlag der „Königin“ Hedwig immerhin 80 Seiten zugesteht statt der sonst üblichen 64. Ursprünglich erschienen ihre Geschichten jedoch als Taschenbücher. Beide Formen haben ihre jeweilige Stärke; das Romanheft ist dichter und kurzweiliger, doch erst in ihren Büchern entfaltet sich ihre Sprache in voller Pracht. Wer also Sprachästhet ist und in den Genuss reinen Champagners für das Wernicke-Areal kommen möchte, mit langen, verschlungenen und kunstvoll komponierten Sätzen direkt aus der Feder der Großmeisterin, der mache sich antiquarisch auf die Suche nach einem ihrer Bücher.
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Ziehen wir ein Fazit. Manche Leser mögen Courths-Mahler schlicht für peinlichen Kitsch halten. Und ja, derlei stereotype Figuren und Geschichten, wie sie die Autorin ersann, fanden niemals statt und entspringen reiner Verklärung. Doch – spielt das eine Rolle? Seien sie real oder fiktiv – Geschichten färben immer auf uns ab, sobald sie uns erzählt werden. Und das ist im Falle der Courths-Mahler auch hochgradig wünschenswert!
Oder, wie es ihr Verlag Bastei-Lübbe selbst treffend ausdrückt:
„Mit Hedwig Courths-Mahler tauchen Sie ein in eine Welt, in der Liebe, Ehre und Treue groß geschrieben werden – Werte, die unser Leben besser machen! Heute genauso wie damals.“







