In Teil eins dieser Artikelreihe ging es um das Trend-Phänomen der Tradwife, das vielerorts als das rechte Frauenbild wahrgenommen wird. Ich argumentiere, dass es weder traditionell noch erstrebenswert wäre.
Einige Rechte teilen mit den Linken ihr Frauenbild: Die Frau ist „gefangen“ in der Familie und Weiblichkeit ist eine Schwäche. Für sie ist diese Gefangenschaft nötig, um das Chaos der Weiblichkeit zu unterdrücken. Für Linke ist Weiblichkeit schlecht, da deren anscheinende Schwäche für Unterdrückung sorgt. Zu lösen ist das für sie, indem man entweder alle weiblich oder männlich macht oder das Geschlecht ganz abschafft.
Archetypen und welche wir jetzt brauchen
Wer das Weibliche besser verstehen möchte, dem hilft ein Blick auf die verschiedenen, zeitlosen weiblichen Archetypen. Da der Kampf und große Taten eher das Werk der Männer sind, bleiben uns die männlichen Archetypen eher im Gedächtnis. Es hat einen Grund, dass Frauen oft Variationen von ursprünglich männlichen Namen erhalten. Während also die Welt männlicher Archetypen bekannt ist und von schlechten, schädlichen Ausarbeitungen (Alpha vs Beta und Sigma) geprägt ist, fehlt bei dem Blick auf Frauen die Orientierung. Es wird viel zwischen der heiligen Jungfrau und dem Flittchen unterschieden. Oft wird das Ideal der Jungfrau nur so lange mit leeren Worten hochstilisiert, bis dem Mann ein Flittchen vor der Nase steht, dem er dann hinterherläuft.
Es gibt viele Einteilungen und Quellen von Archetypen, die je nach Kultur und Zeit variieren: Die Märchenarchetypen, die mit ihrer verdichteten Lebenserfahrung Unterhaltung und Lehre von Moral bezwecken, Carl G. Jungs Archetypen, die der persönlichen psychologischen Entwicklung dienen, Camille Paglias kulturkritisch begründete Archetypen, die die Kreativität und das Chaos bei Frauen hervorheben oder natürlich die göttlichen Archetypen.
Bei Carl G. Jungs und den vorchristlich-göttlichen Archetypen gibt es stets eine gute und eine schlechte Seite. Die griechischen Göttinnen bilden den Kern meiner Betrachtungen, welche ich dann um eine moderne Perspektive erweitert habe, um sie auch für unsere Zeit einzuordnen.
Die Selbstaufopfernde (Die Mutter, Demeter)
Mein in dieser Artikelreihe propagiertes Bild entnimmt viel diesem Archetyp. Die Selbstaufopfernde ist hingebungsvoll, stellt ihre eigenen Bedürfnisse zurück und ist bereit, sich um ihre Kinder und Eltern zu kümmern, für andere zu arbeiten oder alles für ihre Gemeinschaft zu geben. Heutzutage sieht man sie traurigerweise oft in der alleinerziehenden Mutter, die zu viel auf sich nimmt.
Schon immer wurde der Archetyp der guten Mutter wertgeschätzt und die Mutterschaft als der wichtigste Schritt im Leben eines Mädchens gesehen. In Geschichten hilft die Selbstaufopfernde so vielen, wie sie kann, so gut sie kann. Sie erzieht die Jüngeren, stabilisiert die Familie und Gemeinschaft. Ihr Heldentum liegt im stillen Leiden (und der Bewahrung ihrer Güte dabei) und in Hingabe, Schutz und Fürsorge sowie dem Nähren von Leben. In der griechischen Mythologie sucht Demeter unermüdlich nach ihrer Tochter (und lässt dabei die Welt in Trauer versinken, was Chaos anrichtet). Dieses weibliche Heldentum steht im Kontrast zu heroischen Kriegern und Abenteurern, die durch das Schwert andere retten.
Die Gefährtin (Die Königin, Hera)
Die Gefährtin bewundert und unterstützt eine Person (meist einen Mann) wegen dessen Idealen und dessen Kraft. Sie wählt ihre Treue und Hingabe aus Überzeugung und ist gerne auch die rechte Hand. Wenn die Frau eine gesunde Disposition hat, ist dieser Archetyp definitiv positiv. Falls die bewunderte Person aber böse ist, kann die blinde Treue auch schlecht sein. Unbegründete oder gefährliche Eifersucht, wie man es von der Göttin Hera oder der Stiefmutter und der Stiefschwester aus Märchen kennt, kann hier ebenso vorkommen.
Die exklusiven und lebenslangen Freundschaften (Seelenschwestern), die Frauen miteinander haben, beinhalten auch diesen unterstützenden Aspekt: Sie stehen sich immer bei, teilen Geheimnisse und helfen sich gegenseitig ohne Bedingungen. Sie haben auch manchmal einen spirituellen oder intellektuellen Aspekt, der die Seelenschwester mit den nächsten beiden Archetypen verbindet.
Die Großmutter (Die Matriarchin)
Die Großmutter steht nicht nur für Fürsorge, ihre Reife und Erfahrung erlauben es ihr, als Bewahrerin von Familien- und Kulturtraditionen zu dienen. Dieser Archetyp ist meist warm und zugänglich und bietet den Menschen Trost, weltlichen Rat, Lebensweisheiten und Orientierung. Dies kann sie als Mentorin bei einer einzelnen Person oder als Matriarchin in einer Führungsposition ausüben.
Manchmal kann die Großmutter aber auch streng und verbittert sein. Es ist wichtig und sinnstiftend für eine Großmutter, andere Menschen (gerade jüngere) um sich zu haben. Heutzutage ist die Alterseinsamkeit ein großes Problem und bei älteren Frauen leider oft zu beobachten. Es ist schade, dass sich beim Mangel an Kita-Plätzen und der Anzahl einsamer Großmütter selten etwas findet.
Die Erfahrung und der Rat der Großmutter bringt sie mit dem nächsten Archetyp in Verbindung.
Die weise Alte (Die Priesterin, Die Mystikerin)
Die weise Alte ist zwar in sich gekehrt, aber sie bietet spirituelle Führung und Rat. Ihre Intuition und ihre Verbindung zum Unbewussten oder Magischen ist wert- und geheimnisvoll. Oft steht sie in Verbindung mit heiligen Ritualen. Sie selbst kann zwar alleine klarkommen, zeichnet sich aber in Geschichten als Lehrerin und als Hüterin von Geheimnissen aus. In der Form der listigen Hexe kann dieser Archetyp auch böse sein. In der Form der Nonne wird klar, dass der asketische Lebensstil dieses Archetyps nicht zwingend ein hohes Alter voraussetzt.
Den inneren Wunsch von Frauen nach diesem Archetyp sieht man in der Beschäftigung mit Astrologie und mit kosmischen Zyklen. Heutzutage bietet die Identifizierung als Hexe auch vielen Frauen (oft Feministinnen) einen Weg, sich autonomer und mächtiger zu fühlen und um dem Bild der Mutter oder Ehefrau aus dem Weg zu gehen.
Der Archetyp könnte eine Antwort auf die Orientierungs- und Sinnlosigkeit der Postmoderne bieten, doch leider sieht man hier eine Überbeschäftigung mit Esoterik oder alternativen Heilmethoden. Als Rechte sollte man stattdessen die Chance ergreifen, für Natur und Geist gesellschaftlich oder künstlerisch einzustehen: Hier fällt mir die Rolle als Befürworterin vom Wiederaufbau von Wildnis und heiligen Stätten ein.
Die Karrierefrau (oder Athene)
Im Negativen ist die Karrierefrau ist eine verunsicherte, kontrolleifernde Perfektionistin, die ihren Willen bei anderen mit Scharfsinn und wenig Mitgefühl durchsetzt. Karrierefrauen werden heutzutage mit dem Begriff „Girlboss“ (oder „unabhängige, starke Frau“) als zu männlich kritisiert. Dabei sind Karrierefrauen nicht zwingend Feministinnen, kommen sogar meist gut mit Männern aus (obwohl sie oft keine Bindung mit ihnen wollen) und es gab schon immer Frauen mit diesem Temperament (und schon immer wurden sie als zu männlich kritisiert). Im Positiven sind sie intellektuell, selbstbeherrscht und ohne emotionale Schwäche.
Ich würde den Rechten raten, ihre Kritik auf die männerhassenden Feministinnen, die wie eine Hexe aus einem Märchen allen Frauen einreden wollen, sich wie eine machtbesessene, männerhassende, kinderlose Karrierefrau zu verhalten und die durch sie erzeugten unglücklichen Karrierefrauen zu beschränken (Man kann es ja auch mal mit Mitgefühl probieren!). Wenn eine Frau aus der Not diese Rolle übernimmt, (wie z.B. die große Schwester, die viel Verantwortung erhält) stößt diese plumpe Kritik auch auf berechtigte Empörung.
Auch der Leistungstochter, die ihr Selbstwertgefühl durch Anerkennung entwickelte, die sie von ihrem Vater für Leistung erhielt, sollte auf gutmeinende Art vermittelt werden, dass ihr bei zu viel Energie in der Karriere privat wahrscheinlich nichts übrig bleibt.
Die wilde Rebellin (oder Artemis)
Die Rebellin lehnt sich gegen Erwartungen auf und ist unbezähmbar. Manchmal ist sie androgyn, oft auch naturverbunden. Wenn die herrschenden Autoritäten, Traditionen oder Normen schlecht sind, ist diese Frau sehr wertvoll und kann Schlechtes in einer Gesellschaft offenlegen oder sie revolutionieren. Eine Jeanne d’Arc oder Sophie Scholl wäre ein positives Beispiel hierfür.
Linke und Feministinnen lieben diesen Archetyp. Die modernen Aktivistinnen und Medienlieblinge, die nichts zu befürchten haben und großzügig entlohnt werden, scheinen diesen Archetyp als Maske zu tragen. Mit Narrativen über neue groteske Dinge, die Jugendliche als Akt der Rebellion machen sollen, nutzen Linke den rebellischen Trieb effektiv aus.
Wie an den Beispielen zu erkennen ist, kann dieser Archetyp auch rechts sein, aber es fällt auf, dass dies nicht die Norm ist, obwohl die institutionelle und kulturelle Macht links ist (Es wird bei der Generation-Z aber merkbar mehr, da sie wissen, wo die Schärfe liegt).
Ich denke, dass es Frauen mit diesem Temperament immer geben wird. Wichtig dabei ist, dass sie es für das Richtige einsetzen und daraus herauswachsen, indem sie Anerkennung durch etwas Besseres als Rebellion finden. Verbitterte Außenseiterinnen, die gerne in Subkulturen verharren, sind nämlich ungesund.
Die Unschuldige und Hilflose (oder die Jungfrau, Persephone)
Viele alte Geschichten handeln von einer Jungfrau in Nöten, die darauf wartet, von einem Mann gerettet zu werden. Es gilt hierbei zu unterscheiden zwischen Frauen, die sich gekünstelt schwach, kindlich, süß und unschuldig geben und denen, die es sind.
In Märchen ist die Unschuld eine klare Tugend: Das Mädchen reinen Herzens widersteht schlechten Einflüssen und ist auf dem besten Weg, eine gute Ehefrau zu werden. Die Naivität der Unschuld ist aber auch gefährlich. In Märchen gibt es häufig die verunsicherte Prinzessin oder das Bauernmädchen, das sich rumschubsen lässt und alles hinnimmt. Die Ursache hiervon ist oft, dass sie in jungen Jahren gelernt hat, bedingungslos nett gegenüber anderen zu sein. Die Verunsicherten müssen also Stück für Stück lernen, verträglicher zu werden und die Wahrheit zu sagen, um als Mensch aufzugehen.
Trotz der fortschreitenden Verteufelung der Unschuld vom Zeitgeist und der hedonistisch-grotesken Kultur sehen die Menschen in der Abwesenheit des Schattens etwas Gutes, was zu einem weiteren Phänomen führt: die Maske der Unschuld.
Heutzutage kennt jeder ein ewiges Mädchen, das die Unschuld als Maske trägt und sich nicht zu jemandem oder irgendetwas verpflichtet, weil sie sich ihre Optionen offenhält und dabei zu viel Zeit mit ihrem Aussehen verschwendet (Stichwort Jugendwahn). Wenn sie sich aber nicht entscheidet, wird sie irgendwann dem Willen anderer unterworfen. Männern wird zu Recht unterstellt, dass sie zu kindisch geworden sind. Das Beschämen von unschuldigen und jugendlichen Verhalten wird bei Frauen aber nicht passieren, da wir es bewundern.
Die Moralkommissarin
Dieser Archetyp ist genau genommen eine Abwandlung vom Archetyp der Gefährtin. Er ist in der Moderne allgegenwärtig und in Medien häufig zu sehen. Positiv gesehen kann so eine Frau eine Hüterin guter Moral sein, die Stabilität bewahrt. Ich fokussiere mich aber hier auf die negativen Aspekte.
Die Moralkommissarin strebt nach Gratismus und Status und wertet andere mit einer sehr strengen, dogmatischen Moral ab. Gerade anhand dieses Archetyps erkennt man, dass die linke Schrulle und die überstrenge, konservative Mutter („Karen“ oder die Puritanerin, die „Denkt doch wer an die Kinder“ sagt) einiges gemeinsam haben. Die Frauen betrachten sich als heilig und überlegen, sind aber chaotisch, hysterisch und emotional. Sie sehen ihren Status letztlich nicht im Erfolg in ihrem Leben. Stattdessen sucht die Moralkommissarin durch Beschämung, Nörgelei und Heruntermachen nach Anerkennung oder stellt sich durch die Forderung nach kurzsichtiger Hilfe, die sie nicht selbst übernimmt (Einwanderung) oder die eigentlich egoistischer Natur ist (Feminismus), als tugendhaft dar. Auch hier sieht man heutzutage eine totale Ausartung, da diese Tendenz von der neulinken Opferhierarchie-Hackordnung angesprochen wird.
Die Femme Fatale (Die Verführerin, Die Liebhaberin, Aphrodite)
Im positiven Sinne ist sie kreativ, liebt Schönheit und will das Leben für sich und andere genießbarer machen. Im negativen Sinne nutzt sie ihre Reize und Intelligenz, um Männer zu verführen, zu manipulieren oder ins Verderben zu führen. Ihre Distanziertheit und Unerreichbarkeit können für andere ein Ideal sein und auf Männer anziehend wirken, sie aber auch eitel machen.
Die materialistisch-hedonistische Goldgräberin (Golddigger“), die ihren Mann beschämt, dass er nicht genug Geld für sie ausgäbe, ist allgegenwärtig geworden und ist in der Kultur sogar zum Vorbild vieler Frauen geworden. Die toxische Freundin (oder Drama-Queen), die Emotionsausbrüche vortäuscht und auf Kommando heult, wird zum Teil zum Ausdruck einer starken Frau verklärt (Manchmal fällt hier sogar das Wort „Göttin“).
Der Feminismus hat Frauen verkauft, dass die Schattenseite dieses Archetyps ein Vorbild wäre. Der Schaden hierdurch ist unermesslich.
Die narzisstische Mutter (Die Stiefmutter)
Dieser Archetyp ist eine Umkehr des zuerst genannten Archetyps. Er ist schlichtweg böse und in Form der Stiefmutter in Märchen allseits bekannt.
Die narzisstische Mutter stellt ihr eigenes Bild, ihre Bedürfnisse oder ihren Status über das Wohlergehen ihrer Familie. Sie kann ihre Kinder oder ihren Mann manipulieren, emotional ausnutzen oder sogar physisch schädigen, um Kontrolle zu behalten. Frauen mit Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom vergiften oder erkranken absichtlich ihre Kinder, um Aufmerksamkeit zu bekommen, egozentrische Mütter binden ihre Kinder emotional an sich, um nicht allein zu sein, Eislaufmütter zwingen ihre Kinder zu Höchstleistungen.
Kein Wunder, dass dies zu einer exorbitant hohen Scheidungsrate führt. Diesem Archetyp kann auch eine anscheinend fromme Christin oder Traditionalistin entsprechen, wenn sie ein Ideal nach außen verkörpern will und sich dafür über andere stellt.
Fazit: Weibliche Stärken erkennen
Wer aufgepasst hat, dem wird aufgefallen sein, dass es mit den Archetypen in meiner Bewertung bergab ging. Über die genaue Richtigkeit dieser Anordnung bin ich mir selbst nicht sicher. Trotzdem denke ich, dass es als Leitfaden Verständnis darüber bringen kann, was wir überwinden und was wir uns aneignen müssen und dass man es im Einzelfall nicht immer so verkrampft sehen muss.
Weiblichkeit darf auf keinen Fall als Schwäche gesehen werden. Die Konsequenz so einer Konzeption von Weiblichkeit, sei sie nun aus progressiver oder konservativer Sicht, ist, dass das Weibliche als unzureichend gilt und damit zu einem Problem gemacht wird. Dieses Bild entspricht auch nicht der Wahrheit. Es entsteht, da Stärke als etwas Aggressives oder Defensives verstanden wird. Fassen wir die weiblichen Stärken noch einmal zusammen:
- Das Unterstützende, das inspiriert, stabilisiert und schützt
- Das Intuitive, das Orientierung bietet und offenbart
- Das Schöpferische, das transformiert und Neues schafft
- Das Belastbare, das still widersteht und durchhält
- Das Bindende, das vermittelt und harmonischen Zusammenhalt schafft
- Das Subversive, das hinterfragt und unterwandert und Dinge von innen heraus ohne Konfrontation verändert
- Das Verführerische, das anzieht und beeinflusst