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Vater des modernen Völkermords – Der Genozid an den Armeniern in der Belletristik

Sven Müller von Sven Müller
23. November 2025
in Literatur
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Was waren das nur für Sadisten, die von Haus zu Haus zogen, plünderten, vergewaltigten und töteten? Auch viele Nachbarn beteiligten sich.  Bemerkenswert vor allem die Bestialität ortsfremder Bewaffneter, die mit großem Eifer ihr Vernichtungswerk vollbrachten. Es war der Beginn des armenischen Albtraumes, der Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich:

„Einer vom ihnen warf sich mit einem feigen Schwung auf den Wiegenkorb, riß die quäkende Kreatur aus den Decken und zerschmetterte den Schädel des Kindchens an der Wand. Sarkis preßte sich dicht an den erstarrten Leib der Mutter. Zwischen ihren festgeschlossenen Lippen wimmerte es sonderbar hervor. Und dann begann das donnernde Gekrache und Geknatter auf eine Frau und vier Kinder, ein Feuer, das genügt hätte, ein Regiment in die Flucht zu schlagen.“

Es begann mit unerhörter Grausamkeit

Franz Werfel, Verfasser dieser Zeilen, spart nicht mit weiteren Details:

„Als erster starb der siebenjährige Mesrop. Die Leichen der beiden kleinen Mädchen hingen schlaff an den Händen der Mutter, die sie nicht losließ. Ihre große volle Gestalt stand straff und unbewegt. Ein Schuß traf sie in den rechten Arm… Zwei andere Schüsse zerschmetterten ihr die Schulter… Erst als zwei weitere Kugeln ihr das halbe Gesicht wegrissen, schwankte sie vor, neigte sich über Sarkis, der sie festhalten wollte, überströmte sein Haar mit ihrem mütterlichen Blut und begrub ihn unter ihrem Leib.“

(Franz Werfel, „Die vierzig Tage des Musa Dagh“)

Was war geschehen, dass im Jahr 1915 armenische Zivilisten von türkischem Militär, paramilitärischen Einheiten und islamischen Zivilisten verschiedener Herkunft derart überfallen wurden?

Armenier im türkisch-islamischen Machtbereich

Mit der brutalen Eroberung des armenischen Siedlungsbereiches durch die islamischen Türken war der Leidensweg der christlichen Armenier vorgezeichnet. Ständig gab es Zwischenfälle, die oftmals mit dem Tod von Armeniern endeten. Mehr als einmal wurden sie im Osmanischen Reich von kleineren oder größeren Pogromen heimgesucht. Die islamischen und später die nationalistisch-islamischen Herrscher betrachteten sie stets als Fremdkörper im eroberten Land. Man schikanierte sie, zwang viele zu konvertieren und vernichtete 1915/16, als Schlussakt unter dem Vorwand einer angeblichen Illoyalität im Ersten Weltkrieg, wahrscheinlich mehr als die Hälfte von ihnen. Die genaue Zahl ist nicht mehr zu ermitteln. Die Opferzahl liegt möglicherweise über einer Million.

Die schreibende Elite wurde zuerst ausgeschaltet

Zuerst tötete man ihre Führer und Eliten, dann die waffenfähigen Männer. Dann starben die entkräfteten Kranken und Alten auf den Deportationswegen in die leere Wüste. Den Schluss bildeten die übriggebliebenen todmüden, verhungernden Frauen und Kinder.

Im April 1915 schaltete man zum Auftakt des planmäßig vollzogenen Genozids die schreibende Elite aus.

„Vor allen anderen haben sie unsere Dichter ermordet…“

(Vosganian, „Buch des Flüsterns“)

In ihrer Anthologie ermordeter armenischer Dichter („Todesvision“) haben Tessa Hofmann und Gerayer Koutcharian einem knappen Dutzend von ihnen ein literarisches Denkmal gesetzt.

„Nach amtlichen Angaben wurden allein in Konstantinopel 2.345 Armenier festgenommen und die meisten nach wenigen Monaten ermordet, viele nachdem sie zuvor gefoltert worden waren. Viele der Umgebrachten sind literarisch und publizistisch tätig gewesen. Auch im frühen 20. Jahrhundert konnte man von der Veröffentlichung armenischer Literatur nicht leben. Deshalb waren die meisten Autoren in anderen Berufen erwerbstätig, oft als Lehrer oder Ärzte.“

(„Todesvision“, S.9)

Zwei Ausnahmebücher

Die karge Belletristik zum Genozid hat immerhin zwei bemerkenswerte, herausragende Bücher zu bieten. Zum einen ist es „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ von Franz Werfel und zum anderen das „Buch des Flüsterns“ von Varujan Vosganian. Beide Bücher wurden in verschiedenen Verlagen bis heute nachgedruckt. Unbestritten ist deren literarische Qualität. Sie sind in Stil und Inhalt unterschiedlich, doch die Beschreibung des Genozids ähnelt sich erwartungsgemäß über weite Passagen hinweg. Ein großer Teil ist Schilderungen unfassbarer Grausamkeiten vorbehalten, die großflächig durchgeführt und schier endlos waren. Man erfährt, wie aus teils hochgebildeten, fleißigen und friedlichen Christen bedauernswerte Schatten wurden, die einer nach dem anderen in einem unaufhaltsamen Prozess dahinsiechten und größtenteils erbärmlich verreckten. Wen – geraubt und überlebend – das Schicksal einer türkisch-islamischen Sexsklavin oder Gebärmaschine ereilte, war in aller Regel ein für alle Zeiten gebrochener Mensch. Nur sehr wenige entkamen dem mit viel Glück.

„Buch des Flüsterns“

Hierbei handelt es sich um eine armenische Familiengeschichte über die Zeiten hinweg, geschrieben im rumänischen Exil. Beschrieben werden der Genozid 1915 mit der Vorgeschichte der Massaker von 1894/95, das Exil Überlebender in Rumänien bis zum Zweiten Weltkrieg, der Aufbau einer „Armenischen Legion“ durch die Deutschen, die Etablierung einer „Armenischen Sowjetrepublik“ mit der „Repatriierung“ einiger Exilanten und schließlich das Leben und Leiden unter dem Kommunismus bis zu dessen Zusammenbruch. Auch die weltweit beachteten Rachemorde ab 1921 durch armenische Attentäter unter dem Code-Namen „Nemesis“ werden geschildert.

In seinem Buch schreibt Vosganian:

„Das Buch des Flüsterns ist kein Geschichtsbuch, sondern eines der Bewußtseinszustände. Deshalb wird es durchlässig, und seine Seiten sind transparent. Gewiss, im Buch des Flüsterns gibt es viele genaue Daten, die sogar den Tag, die Uhrzeit und den Ort verzeichnen. Der Stift hat es zu eilig, aber manchmal beschließt er eine Weile innezuhalten und dabei auf mich und den Leser zu warten, dann geht er etwas mehr ins Detail, als vielleicht nötig wäre. Jedes Wort mehr erläutert, aber gerade deshalb verkleinert es auch. Somit würde das Buch des Flüsterns all seinen Sinn bewahren, auch wenn wir alle Jahresauflistungen und Tageszählungen daraus strichen. Solche Dinge sind den Menschen zu allen Zeiten geschehen.“

Das Buch erschien 2009, mit großem Abstand zum Geschehen. Deutlich wird in dem umfangreichen Roman, wie man anfangs das drohende Unheil in seinem ganzen Ausmaß völlig unterschätzte, wie man vergeblich an die Mitmenschlichkeit der Türken glaubte. Vosganian beschreibt, warum der Widerstand erfolglos blieb, wie geschickt und unerbittlich der Genozid im Schatten eines Weltkrieges durchgeführt wurde. Den Todgeweihten zu helfen, war verboten. Die türkische Propaganda war leider nicht nur beim Bodensatz der türkischen Gesellschaft erfolgreich.

Vosganian gelingt es gut, die unterschiedlichen Menschentypen in ihrem unterschiedlichen Verhalten herauszuarbeiten. Wie reagiert man im Angesicht der Massenvernichtung? Wie verhalten sich die staatlichen Stellen, wie die nichtarmenische Zivilbevölkerung? Es gibt kaum einen Aspekt, der hier nicht Erwähnung findet. Völker, die keinen eigenen Staat für sich haben, sind immer von Auflösung oder Vernichtung bedroht.

Geboren 1958, ist Vosganian im Exil in Rumänien aufgewachsen. Er brachte es nach dem Zusammenbruch des Kommunismus bis zum Minister.

„Die vierzig Tage des Musa Dagh“

Franz Werfels 1933 in Wien erschienenes Buch handelt vom Widerstandskampf einer kleinen armenischen Gruppe gegen ihre Auslöschung: Nachdem auch ihnen ein Todesmarsch in die Wüste droht, versammelt ein Armenier ein paar Tausend seiner Landsleute, nahezu ausschließlich Zivilisten beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters, um in einer provisorischen „Bergfestung“ lieber kämpfend unterzugehen, als sich zu ergeben und einen gewaltsamen oder schleichenden Tod durch die Türken zu erleiden. Es kommt zum Kampf, die Verluste sind hoch. Dennoch gelingt den die Not und die Kämpfe überlebenden Armeniern mit dem Mut der Verzweiflung das Unglaubliche. Das voluminöse Buch ermöglicht dem Verfasser, die Beteiligten beider Seiten und ihr Handeln ausführlich zu beschreiben. Die Ereignisse mitsamt Vorgeschichte laufen minutiös ab. Die verschiedenen Charaktere zeugen von innerer Zerrissenheit und panischem Handeln im Angesicht des unvermeidlich erscheinenden Todes, aber auch von Gottergebenheit und zähem Widerstandswillen.

„Dieses Werk wurde im März des Jahres 1929 bei einem Aufenthalt in Damaskus entworfen. Das Jammerbild verstümmelter und verhungerter Flüchtlingskinder, die in einer Teppichfabrik arbeiteten, gab den entscheidenden Anstoß, das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen.“

(Nachbemerkung Werfels in der Erstausgabe)

Die Armenier wurden überrascht

Kaum ein Armenier rechnete mit einem Genozid. Als er begann, überstürzten sich die Ereignisse. Man darf dabei nicht vergessen, daß der Erste Weltkrieg auch nach dem Territorium des Osmanischen Reiches griff, die christlichen Armenier sich hervorragend als Sündenbock für eigenes Versagen eigneten und die Nachrichtenlage sehr schlecht war. Das ganze Ausmaß der Vertreibung und Ermordung wurde für die meisten erst ersichtlich, nachdem sie es am eigenen Leibe erfahren hatten. Führer- und waffenlos waren sie eine leichte Beute.

Massenmord durch Todesmärsche in die Wüste

Werfel beschreibt hierzu in seinem Buch eine brutale Szene:

„Die Braut kommt auf den guten Einfall, ihren Geliebten in Frauenkleider zu stecken… In der Nähe einer größeren Stadt kommen ihnen fremde Tschettehs, bewaffnete Freischärler, entgegen. Sie sind auf lustiger Frauenjagd begriffen. Die Wahl trifft unter anderem die Braut. Sie klammert sich an den Bräutigam: „Um Gottes Willen laß mich bei ihr! Meine Schwester ist taubstumm. Sie braucht mich.“ „Das ist kein Grund, dschanum, mein Seelchen! Die Hübsche da kommt auch mit“. Das Paar wird in ein schmutziges Haus verschleppt. Dort entpuppt sich die Wahrheit schnell. Die Tschettehs töten den Jüngling augenblicklich. Das Geschlechtsteil wird ihm abgeschnitten und in den Mund gesteckt… Nach dem grauenhaftesten Mißbrauch wird das Mädchen nackt an die Leiche des Bräutigams gebunden, und zwar Kopf an Kopf, so daß sie das blutige Glied mit ihrem Gesicht berühren muß…“

Selbstmord

Ein Teil der Armenier versuchte nicht nur, dem endlosen Leid ihrer Kinder durch Ertränken in einem Fluss oder auf andere Art und Weise ein Ende zu bereiten, sondern brachte sich selbst um, wenn es irgend möglich war.

„Die Frauen in den Kolonnen der Deportierten waren natürlich Freiwild für die Türken und Kurden… Viele Frauen, besonders junge, konnten diesem Schicksal nur entgegen, indem sie Selbstmord begingen.“

(Heinz A. Richter, „Die Griechen im Osmanischen Reich 1913-1923“, Exkurs: „Die Verfolgung der Armenier“, S. 41)

Werfel schildert, wie sich Armenier von einer Klippe stürzten, nachdem sie alle Hoffnung aufgegeben hatten:

„Die Matrone kniete ein paar Minuten lang und bekreuzigte sich immer wieder. Dann ging sie mit eiligen Trippelschritten vorwärts und verschwand ohne Schrei. Die junge Mutter folgte ihr sogleich. Sie nahm einen Anlauf. Ein kurzer, scharfer Schrei… Die Schwermütige war schon weit zaghafter. Sie bat den Lehrer, ihr im letzten Augenblick einen Stoß zu geben. Oskanian aber verweigerte diesen Dienst mit großer Heftigkeit. Die Schwermütige rutschte auf allen vieren zum Rand. Dort schien sie sich ihren Entschluß wieder zu überlegen. Sie griff nach der Laterne, warf sie dabei um. Die Laterne rollte ins Nichts. Anstatt sich ruhig zu verhalten, oder zurückzukriechen, streckte das Mädchen aber die Hände nach der Laterne aus, beugte sich vor und verlor das Gleichgewicht. Ein gräßlicher Schrei, denn die Unglückliche klammerte sich noch volle zwei Minuten an irgendeinen Felsvorsprung an, ehe sie hinabsauste.“

Nicht nur türkische Täter

Am Genozid waren überwiegend Türken beteiligt. Vosganian führt es näher aus:

„Damit die regulären türkischen Truppen bei der Zusammenstellung und Begleitung dieser Konvois keine Zeit verschwendeten, wurden die Konvois von Spezialtruppen begleitet… Diese Spezialtruppen sollten sich auf die Massen der Deportierten verheerend auswirken. Denn die Rekrutierungen für diese Spezialtruppen, eigentlich Horden, denen der Sinn nach Raub, Vergewaltigungen und Mord stand, waren unter Zuchthäuslern vorgenommen worden…“

Daneben waren es vor allem Kurden:

„Und wenn sie selbst von zu viel Mord und Vergewaltigungen ermüdet waren und nichts mehr zu plündern war, verließen sie die Konvois schlicht und einfach und überließen sie der Raublust der kurdischen Banden, die ihnen in einigem Abstand geduldig gefolgt waren und den Moment abgewartet hatten, an dem sie sich über die preisgegebenen Massen hermachen konnten.“

Auch Araber und Tscherkessen waren unter den Tätergruppen.

Deutsche Schuld?

Selbst einzelne deutsche Offiziere beteiligten sich zumindest indirekt an dem Genozid im Glauben an die türkische Propaganda einer gesamtarmenischen Kollaboration mit den Russen. Insgesamt wurden die deutschen Truppen jedoch kaum in die direkten türkischen Aktionen eingebunden, so dass man sie weitgehend entlasten kann. Inwieweit die deutsche militärische und politische Führung eine gewisse Mitschuld durch Verschweigen und gewähren lassen trägt, ist bis heute ein umstrittenes Thema. In einem Weltkrieg auf Leben und Tod standen kaum Optionen gegen einen „Verbündeten“ zur Auswahl. Dass Teile der Armenier tatsächlich mit den gegnerischen Russen sympathisierten oder in ihrer Not sogar zusammenarbeiteten, darf man auch nicht außer Acht lassen.

Der Vater des modernen Völkermords

Was macht den Fall Armenien so besonders? Die Türkei verübte drei genozidale Verbrechen: an den Armeniern, den Griechen und den Orientalischen Christen (siehe auch Richter S. 9 a.a.O.). Der Genozid an den Armeniern war der Auslöser für die Schaffung einer international akzeptierten Definition für ein derartiges Verbrechen, das durch die UNO seine vorläufig letzte, gültige Beschreibung erhielt.

Es nimmt nicht Wunder, dass dieser Völkermord heute kaum mehr als eine Randnotiz ist. Für den Armenier-Genozid besteht in den meisten Ländern kaum ein Bewusstsein – selbst von Organisationen, die sich eigentlich vorgenommen haben, solche Verbrechen zu verhindern, wird er kaum mehr referenziert. Seitdem hat ein anderes, wohl bekanntes Menschheitsverbrechen nicht nur diesen, sondern viele weitere Völkermorde deklassiert.“

Die Erzählung von der “Singularität” des Holocaust, bis hin zur Einrichtung eines eigenen globalen Gedenktages, behindert leider ein Bewusstsein dafür, dass Genozide weltweit und zu allen Zeiten nicht unüblich waren, sondern möglich und wahrscheinlich sind. Einerseits soll er als universelles Beispiel dienen, andererseits verwehrt man sich gegen jede Bezugnahme und jeden Vergleich, die nur in einer Relativierung dieses singulären Zivilisationsbruches resultieren könnten.

Dies bietet jenen UNO-Mitgliedern mit eigenen „Leichen im Keller“ eine willkommene Ablenkung. Andere Länder wiederum sind aufgrund des eigenen historischen Leids womöglich der Meinung, dass diese Regeln für sie selbst nicht gelten, wenn sie im Krieg das rechte Maß verlieren. So werden die Toten der Anderen letztlich zu Leichen zweiter Klasse. Im Fall Armeniens hat dies weitreichende Auswirkungen.

Brennend aktuell

Das “Buch des Flüsterns” und die “Die vierzig Tage des Musa Dagh” helfen mit ihrer drastischen Darstellung zu verstehen, warum die Türken den Genozid an den Armeniern bis heute leugnen.

Das heutige christliche Rest-Armenien gehört immer noch zu den Verlierern der Geschichte und ist zwischen dem Land seiner einstigen muslimischen Unterdrücker, der Türkei, und dessen islamisch-turkischem Bruderstaat, der Diktatur Aserbaidschan, eingeklemmt, die zuletzt das armenische Siedlungsgebiet Bergkarabach mit Billigung der Türkei annektierte, was zu einem Massenexodus der Armenier und einer defacto ethnischen Säuberung der Region führte. Die Erinnerung an den Genozid ist lebendig, keiner traute den fadenscheinigen Zusicherungen von Aserbaidschans Diktator Alijew. Über Armenien schwebt zudem das Damoklesschwert der Idee eines Groß-Turkestans, einer in Ankara imaginierten territorialen Vereinigung aller islamischen Turkvölker. Armenien wäre in größter Gefahr.

Die Bedeutung der Türkei in der Region aber vor allem der zunehmende politische Einfluss türkischer Siedlergemeinschaften und Parallelgesellschaften in westeuropäischen Ländern machen es schwer, den Genozid an den Armeniern überhaupt anzuerkennen, denn geschweige die aggressive türkische Politik gegen Armenien zu verhindern. Wir sehen hier Vorboten einer Beeinflussung unserer eigenen Gesellschaften durch fremde Ethnopolitik, nebst den Straßenkonflikten zwischen Türken und Kurden, die wir bereits gewohnt sind.

Fazit

Die Tragödie der Armenier ist durch Historiker relativ gut dokumentiert. Die Belletristik hierzu ist eine hilfreiche Ergänzung. Sie macht aus nüchternen Todeszahlen individuelle Schicksale. Sie zeigt den Weg von Menschen auf, wie sie unvorbereitet in den Strudel der Ereignisse gerieten, dabei litten und starben. Letztlich handelte es sich um einen Genozid an einem nichtislamischen Volk durch türkische Nationalisten und Islamanhänger, von dem diese sich bis heute nicht distanziert haben. Eine Warnung an alle, die versuchen, die Tore Europas für die Türken erneut zu öffnen.


Buchempfehlungen

  • Pailadzo Capatanian: 1915 Der Völkermord an den Armeniern
  • Mihran Dabag/Kristin Platt: Verlust und Vermächtnis
  • Tessa Hofmann/Gerayer Koutcharin (Hg.): Todesvision
  • Rolf Hosfeld: Tod in der Wüste
  • Johannes Lepsius: Bericht über Die Lage des Armenischen Volkes in der Türkei
  • Arshaluys Mardigan: „…meine Seele sterben lassen, damit mein Körper weiterleben kann“
  • Kai Seyfarth: Entscheidung in Aleppo
  • Dora Skayan: „Man treibt sie in die Wüste“
  • Varujan Vosganian: Das Buch des Flüsterns (Roman)
  • Armin T. Wegner: Die Austreibung des armenischen Volkes in die Wüste
  • Franz Werfel: Die vierzig Tage des Musa Dagh (Roman)
Sven Müller

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