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Einmauern in den Bestand – Matthias Moosdorfs „Kultur von Rechts“

Sven Müller von Sven Müller
2. Juni 2026
in Kultur
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Header zur Rezension zu Moosdorfs Buch Kultur von Rechts
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Der Titel „Kultur von rechts“ des AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Moosdorf klingt interessant. Er erinnert an das legendäre „Kulturrevolution von rechts“ von Alain de Benoist. Immerhin findet sich im Untertitel auch das Wort „Revolution“ („Zwischen Restauration und Revolution“).

Erhält man in dem Buch nun einen Überblick über oder einen Einblick in rechtes Kulturschaffen? Ist es ein umfassendes Plädoyer für rechte Kultur? Oder sogar ein Plädoyer für eine rechte Kulturrevolution? Nichts dergleichen.

Moosdorf blickt stattdessen auf den gegenwärtigen Kulturbetrieb, kritisiert ihn und erklärt, wie man ihn verbessern könnte. Er beschreibt, wie eine Kulturpolitik unter künftigen AfD-Regierungen unter weitgehender Beibehaltung der vorhandenen kulturellen Institutionen in groben Zügen aussehen sollte. Ein besserer Titel wäre „Konservative Kulturpolitik“ gewesen.

Euphorische Zustimmung

Für viele kulturinteressierte Rechte ist Schnellroda mit der „Sezession“ und dem Antaios-Verlag der Nabel der Welt. Die in Sachen Kultur höchst verdiente Ellen Kositza hat das Buch von Moosdorf auf X bereits euphorisch gefeiert:

„Daß Moosdorf nicht nur begnadeter Cellist ist, sondern ein so grandioser, gedankenstarker und eigenwilliger Autor, hat mich wirklich entzückt! 11 von 10 Punkten gehen an dieses Buch. Was für ein Gewinn, diese Lektüre!“ (X, 28.4.2026)

Am 6.5. schreibt ein anonymer Autor auf „PI News“ ebenfalls ein Loblied auf das Buch, indem er unter anderem ausführt:

„Man muß schon sagen, daß das Buch „Kultur von Rechts“ eine Wucht ist.“

Moosdorf „fragt, ob dieser Betrieb überhaupt reformierbar ist, und gibt eine klare, erfrischend radikale Antwort: Zwischen Restauration – der mutigen Rückbesinnung auf das Bewährte, Schöne und Wahre – und Revolution – dem offensiven Aufbau einer neuen, selbstbewußten Kultur – muß eine rechte Kulturpolitik entstehen.“

„Moosdorf schreibt nicht defensiv und klagend, sondern liefert einen echten Gegenentwurf.“

„Moosdorf liefert in „Kultur von Rechts“ die tiefere Analyse und den Weg heraus. Er zeigt, daß echte Kultur nicht beliebig ist, sondern in Volk, Geschichte, Sprache und Schönheit wurzelt – genau das, was die Linken am meisten fürchten.“

Ist das Buch wirklich so überragend oder sollte man nach der Lektüre einfach mal mit etwas Abstand intensiver über den Inhalt nachdenken?

Kein Buch über rechte Kultur

Moosdorfs Anspruch ist klar umgrenzt: Keine Gesamtschau des Themas, keine umfassende tiefschürende Analyse, sondern eher allgemein zur Kultur mit einigen Schwerpunktbeispielen. Der inhaltliche Aufbau des Buches ist eine Reihung von Kapiteln mit verschiedenen Themen, die allerdings das Wesentliche der „Kultur in der BRD“ abdecken.

Moosdorf plädiert hier für eine „konservative Ästhetik“, will die deutsche Sprache schützen und sorgt sich um das Theater. Es folgt die Erörterung der Fragen „Ist Kultur rechts?“ sowie „Brauchen wir einen neuen Kulturbegriff?“ Als Musiker schreibt er natürlich über die (klassische) Musik und ihren Stellenwert. Er kritisiert die links-woke Umwandlung der Museen und fordert ein „Museum für den Bombenkrieg“. Selbstverständlich setzt er sich auch für die „Freiheit der Wissenschaft“ ein und diskutiert das sächsische Kulturraumgesetz.

https://www.jungeuropa.de/media/image/68/20/3f/JE-Mockup-moosdorf_200x200@2x.jpg

Zu den meisten Kapiteln erübrigt sich eine nähere Diskussion. Vieles ist für Rechte konsensfähig und selbstverständlich. Als Rechter kann man sogar kompletten Kapiteln zustimmen. Über den Wert klassischer Musik oder den Erhalt von Museen muss man nicht diskutieren. Das kulturelle Spektrum, über das Moosdorf positiv schreibt, ist insgesamt erhaltenswert. Auch die Fehlentwicklungen werden treffend mit guten Beispielen beschrieben. Sie sind schon oft genug von rechts kritisiert worden. Insgesamt also eine gute Zusammenfassung des Themas und der zu lösenden Probleme.

Schön und gut. Doch: Was ist nun der wirkliche Mehrwert dieses Buches mit einem derart anspruchsvollen Titel?

Wie kann man konkret vorgehen, um die Kulturpolitik wieder ins Lot zu bringen?

Moosdorf bleibt nicht bei Analysen oder Wunschvorstellungen stehen. Vielmehr zeigt er exemplarisch am sächsischen Kulturraumgesetz, wie man Antworten auf aktuelle Fragen fand, wie man sinnvolle Schritte einleitete, aber auch wie eine nunmehr permanente Überprüfung von Maßnahmen erforderlich sei. Die Kultur ist ein fließender Prozess. Die Rahmenbedingungen ändern sich und die Verhältnisse werden leider immer schlechter.

Die Kernfrage, die sich Moosdorf stellt, ist, wie man den aus dem Ruder gelaufenen Kulturbetrieb wieder auf Linie bringen kann. Moosdorf gibt sich Mühe, stellt konkrete Forderungen und Vorschläge vor, egal wie realistisch sie sein mögen. Er schlägt beispielsweise neue Gremien, wie Bürgerräte vor, die ein repräsentativeres Abbild der Gesellschaft wären als die links-woke Blase, die den Kulturbetrieb usurpiert habe. Moosdorf zutreffend:

„Es ist geradezu ein Weltgesetz, daß die Kulturszene links ist.“ (S. 77)

Diese neuen Räte sollten dank ihrer breiteren oder zufälligeren Zusammensetzung die ideologische Schieflage im Kulturspektrum beseitigen. Hier erhebt sich die in seinem Buch immer wieder zu stellende Frage? Wo sollen diese interessierten Leute herkommen, die die neutralen, gesunden Einstellungen hätten? Wer garantiert, dass nicht wieder dieselben Mehrheiten zustande kommen, um den links-woken Kulturbetrieb fortzuführen? Die linke Kulturblase ist nämlich nicht gerade klein und Rechts ist die Kultur ein Stiefkind. Man denke nur an die AfD.

Immerhin hat Moosdorf als AfD-MdB hier einen diskussionswürdigen, bemerkenswerten Beitrag geleistet.

Generell gegen eine politische Instrumentalisierung der Kultur sowie gegen Politik in der Kultur

Moosdorf ist für eine neutrale, „unpolitische“ Kultur, die allerdings auf dem Boden des aus seiner Sicht Erhaltenswerten und Althergebrachten in der deutschen Volkstradition stehen müsse. Für ihn ist das keine einseitige rechte Kulturpolitik, sondern Ausdruck von Identität und Qualität. Wahre Kultur sei inhärent konservativ. Seiner Meinung nach ist das anscheinend keine politische Frage, sondern etwas allgemein konsensfähig Selbstverständliches. Nur: Nach welchen Kriterien soll man das festlegen und wer darf das eigentlich? Fragen über Fragen türmen sich da auf.

Moosdorf behauptet:

„Wirkliche Kunst ist jedoch in ihrer tiefsten Natur immer frei, sie kann daher nicht politisch sein, weder politisch links noch rechts.“ (S. 111)

„Ja, Kultur ist strukturell immer konservativ…“ (S. 114)

Kommen wir nun zum kritisch zu sehenden Kern von Moosdorfs Thesen: Ist es nicht völlig weltfremd, Kultur rein unpolitisch sehen zu wollen? Ist nicht jede Kulturäußerung politisch oder auch durch die Politik instrumentalisierbar?  So sehen es jedenfalls die Linken und handeln entsprechend konsequent. Für sie gibt es keine unpolitische Kunst. Kultur ist Mittel zum Zweck der Veränderung bestehender Verhältnisse, sei es in der Gesellschaft, sei es beim Wechsel des ganzen Systems.

Es gibt zwar objektiv Kulturgüter, die relativ unpolitisch sind, wie etwa eine einzelne Tierplastik, aber vieles ist es eben nicht und fast alles lässt sich in einen ideologischen Kontext einfügen. Man kann sogar mit Fug und Recht behaupten, dass es rein politische Kunst gibt. Kunst wird seit einer Ewigkeit mit mehr oder weniger Erfolg von allen Seiten für politische Zwecke instrumentalisiert. Da dürften Linke und Rechte im Gegensatz zum konservativen Moosdorf übereinstimmen.

Jeder einigermaßen Gebildete kann „linke“ und „rechte“ Kunst voneinander unterscheiden. Politische Künstler, die politische Kunst schaffen, sind eine Realität. Warum auch nicht? Moosdorf kann hiergegen nicht überzeugen.

Politische Kunst ist nicht automatisch schlecht

Man kann sogar festhalten, dass selbst eine rein politische Kunst nicht automatisch schlecht ist. In der Literatur, bildenden Kunst oder Musik gibt es unzählige Beispiele für gute Kunst, die politisch ist. Der Ansatz einer Förderung leidglich unpolitischer Kunst durch den Staat ist unrealistisch.

Es ist doch klar, dass bei einer linken Dominanz linke Kultur gefördert und rechte ausgegrenzt wird. Warum sollte man es bei entsprechenden eigenen Mehrheiten nicht umgekehrt genauso tun? Natürlich mit wesentlich mehr Toleranz.

Eine Missachtung rechter Kulturkämpfer?

Alle die, die im metapolitischen Kampf gegen die linke Dominanz in der Kultur stehen, egal wie unterschiedlich ihre Ansätze und Inhalte sind, werden sich verwundert die Augen reiben. Internetseiten wie das „Thymos-Magazin“, die „Aster“ oder gar das umstrittene „Fiume-Magazin“ betreiben explizit rechte Kulturpolitik und decken damit ein wachsendes Spektrum ab. Auch Zeitschriften, wie „Sezession oder „Tumult, haben einen großen kulturpolitischen Teil. Gerade in den letzten Jahren bemühten sich alt- und neurechte Autoren redlich um die Entstehung einer rechten Belletristik, ja sogar um hochwertige Comicbeiträge. Von Moosdorf kein Wort dazu. Er lehnt eben politische Kunst grundsätzlich ab und verweist sie auf den zweiten, privaten Rang jenseits staatlicher Förderung.

Moosdorf ist damit nicht im Fluss der Zeit. Seine Kulturpolitik ist ein ehrenhaftes, aber zu kurz greifendes Einmauern in einen kanonischen Bestand.

Martin Sellner, der mittels Metapolitik den Begriff der „Remigration“ ins Vokabular der AfD einführte und der den Begriff und sich weltweit bekannt gemacht hat, ist für Moosdorf ein „machtloser Außenseiter“.  Dazu erübrigt sich ein jeglicher Kommentar.

Warum sollte die Rechte angesichts eines zumindest jahrhundertelangen, bis heute großen rechten Kulturbeitrags, diesen hervorragenden Kampfplatz meiden? Ganz im Gegenteil: Hier ist eine großzügige Förderung durch die AfD und (später) den Staat angesagt.

Die AfD kann sich dem Kulturkampf nicht entziehen

Die Kultur steht im Zentrum politischer Auseinandersetzungen. Entgegen Moosdorfs idealistischer Ansicht, sollte die AfD im eigenen Interesse bei entsprechenden Möglichkeiten einer Einflussnahme auf staatliche Mittel durchaus rechte, politische Kultur fördern.

Moosdorf liegt bei seiner Beschreibung erhaltenswerter Kulturgüter im Wesentlichen richtig. Moosdorf zählt zutreffend vieles auf, was gut ist. Aber egal, ob er diese als unpolitisch, weil grundlegend erhaltenswert für Volk und Nation erachtet, sieht das die Gegenseite nicht so. Die Linke wird diese Kultur immer als „traditionell“, „rechts“ oder „rechtslastig“ diffamieren. Ihr ist es unmöglich, den größeren Teil der Kultur für sich zu vereinnahmen.

Der ideologische Gegner wird Moosdorfs Thesen einer „unpolitischen Kunst“ niemals akzeptieren. Man kann also nicht so tun, als ob es mit dem Gegner irgendeinen Konsens geben könnte. Vielmehr stehen wir in einem umfassenden Kulturkampf, den die AfD gegen die Linke zu führen hat.

Die Rechte erkennt zunehmend den zentralen Wert der Kultur

Ob „Alte Rechte“ oder „Neue Rechte“, beide haben ihre priorisierten rechten Kulturgüter. Seit mittlerweile Jahrzehnten hat gerade die „Neue Rechte“ erkannt, wie wichtig eine „Kulturrevolution von rechts“ ist. Das mittlerweile als Klassiker bezeichnete gleichnamige Buch von Alain de Benoist ist ein Wegweiser in die richtige Richtung. Der Kulturkampf kennt nur ein Denken in Freund-Feind-Kategorien, handelt es sich um einen Autor, eine Musikgruppe, eine Publikation, sei es ein Rundfunk- oder Fernsehredakteur oder eine Internetseite. Die „Erringung der kulturellen Hegemonie“ ist das Ziel und man wäre schön blöd, diese Dominanz zu verspielen, käme man an die Macht.

Gerade die politische Macht hätte dann die Aufgabe, diese Hegemonie zu erhalten und auszubauen. Der Gegner wird alles daransetzen, diese Hegemonie nicht zu verlieren oder wiederzugewinnen. Neutralität oder Vermeidung von Politik ist – man kann es nicht genug betonen – ein bloßer Traum, der der Realität nicht gerecht wird. Man würde das Kampffeld kampflos der Gegenseite überlassen. In einer pluralistischen Gesellschaft lässt die AfD dem politischen Gegner ausreichend Möglichkeiten, sich aus eigener Kraft kulturell zu entwickeln. Da würde auch Moosdorf noch mitgehen, der den Pluralismus in der Kultur erhalten, jedoch lediglich die links-woken Auswüchse nicht mehr staatlich alimentieren will.

Den Kulturkampf organisieren helfen

Ein großer Teil der Moosdorfschen Forderungen, etwa bei der Kritik an förderungsunwürdiger Kunst oder bei der Erhaltung wertvoller Kulturgüter, ist richtig. Was jedoch im Gegensatz zur Propagierung eines angeblich neutralen oder unpolitischen Kunstbegriffs entscheidend ist, wäre eine breite Kulturförderung durch die AfD. Sie sollte Künstler, Projekte und Veranstaltungen zumindest ideell und sofern heute schon möglich, finanziell unterstützen. Es gilt in den Medien der Partei dafür zu werben, Kultur in eigene Events zu integrieren und den Kulturkampf professionell zu organisieren. Besonders die Förderung Alternativer Medien hat absolute Priorität. Vorbildhaft sei hier auf die rechte Spendervereinigung „EinProzent“ verwiesen, die als eine Art rechter Sponsor je nach Kassenlage dezidiert rechte Kunstprojekte fördert.

Gute Kunst von rechts wird derzeit immer besser, ob es Aufkleber und Plakate sind, Videospiele oder Clips von Musikern, Belletristik, Gemälde oder Skulpturen. Es gibt diese recht Kunst und sie entwickelt sich grundsätzlich auch ohne Förderung. Doch ohne massive Förderung, zumindest im Hinblick auf Aufmerksamkeit und Zugang zu Markt und Bühnnen, wird sie unbekannt bleiben und kaum ein Massenphänomen werden können. Die Alternativen Medien, in aller Regel parteiunabhängig, sind die besten Fürsprecher für eine rechte Kultur. Sie bergen und bewahren das Erhaltenswerte, berichten über das „Gute und Schöne“ und halten Kontakte zu den Künstlern, die neues schaffen.

Fazit

Matthias Moosdorfs Buch ist durchaus lesenswert. Seine Kritik an den bestehenden Verhältnissen ist berechtigt und nachvollziehbar. Alleine aus diesem Grund ist es zu empfehlen. Gut, dass er das Thema in die Öffentlichkeit bringt und der AfD damit vorausgeht. Es beschränkt sich aber ausschließlich auf den staatsfinanzierten BRD-Kulturbetrieb. Der Titel „Kultur von Rechts“ ist somit irreführend.

Sinnvoll wäre es gewesen, er hätte sich mit den rechten Kulturkämpfern in seiner Partei vom Schlage eines unermüdlichen Matthias Helferich oder einem Vorfeld-Aktivisten wie Martin Sellner zusammengesetzt, um seine Konzepte auch um metapolitische Strategien zu ergänzen. Stattdessen basieren seine Lösungsvorschläge auf administrativen Maßnahmen sowie auf einem angeblich möglichen „unpolitischen“ Kunstbegriff, der den real vorhandenen rechten Kulturkampf sogar ablehnt. Man darf gespannt sein, ob und wie das Buch in der AfD sowie im Vorfeld weiter diskutiert wird.


Matthias Moosdorfs Buch „Kultur von Rechts“ erschien in der Reihe Exil und kann u.A. beim Verlag Antaios oder bei Jungeuropa käuflich erworben werden.

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