Was zum Teufel ist das?
Man glaubt nicht richtig zu sehen und zu hören: Auf einer großen Bühne spielt zu nächtlicher Zeit eine Rockmusikgruppe im hellen Schein von Fackeln und Scheinwerfern. Die langhaarigen Musiker sind schwarz gekleidet, mit silberglänzenden Nieten bis zu Metallstacheln und Patronengurten, bieten sie einen bedrohlichen Anblick.
Ihre Gesichter ziert eine Art Kriegsbemalung in weißer Farbe, auf den ersten Blick eine Mischung aus Hollywood-Wikinger und Clown, was das Bild noch eindringlicher macht.
Auf Holzpfählen befinden sich große weiße Knochenschädel von Tieren. Im Halbkreis um die hintere Bühne hängen mehrere, lebende junge Frauen an Kreuzen, komplett entblößt. Die Band spielt einen brachialen Sound, doch der Sänger singt gar nicht, nein er schreit in einer krächzenden Art, so dass man nichts versteht.
Vor der Bühne drängt sich eine große Menge an ausschließlich weißen Zuhörern, die auch alle in Schwarz gekleidet sind. Viele recken ihre Hände in die Höhe, wobei sie mit den Händen ein Zeichen formen, indem sie jeweils den Zeigefinger und den kleinen Finger abspreizen und mit den restlichen Fingern zusammen eine Art Tierkopf formen.
So oder ähnlich präsentieren sich viele „Schwarzmetaller“ auf ihren Konzerten. Da stellt sich doch für den Außenstehenden die berechtigte Frage: Was ist das für ein Spuk?
Auch was für Rechte?
Das englischsprachige Buch „From Nihilism to Transcendence“ der „Weltanschauung Italia“, einem metapolitischen Projekt der italienischen Rechten, liefert hierzu einen kurzen, aber umfassenden Hintergrundbericht. Ziel der informativen Publikation ist die Aufklärung über den „Black Metal“ (BM) als ein ursprünglich subkulturelles Phänomen, das mit vielen Tausend Bands in wenigen Jahrzehnten nunmehr ein fester Bestandteil der weltweiten Rockmusik ist. Kaum jemand hat hier noch einen Überblick über die Fülle an Songs, Konzerten, Bands und Stilrichtungen. Selbst Experten haben Mühe mitzuhalten.
Doch es geht nicht um die mittlerweile vom Musik-Mainstream absorbierten kommerziellen Gruppen des Genres, sondern um wahre Künstler mit Tiefgang, die der Rechten bewusst oder unbewusst nahestehen. Die Frage der Anschlussfähigkeit an rechte Kulturvorstellungen wird von den Autoren kenntnisreich analysiert. Sie filtern in ihrem Buch heraus, was sowohl musikalisch als auch textlich und ästhetisch interessant ist. Den dem BM insgesamt wohlwollend gegenüberstehenden Autoren ist es dabei gelungen, ihre positive Sicht mehr als nachvollziehbar darzubringen. Der BM ist grundsätzlich was für Rechte, aber nicht für alle: Man muss schon eine Affinität zu vielen gewöhnungsbedürftigen Elementen haben, um hier innerlich berührt zu werden.
Wo kommt diese Musikrichtung her und wie hat sie sich entwickelt?
Sinnvollerweise entwickeln die Verfasser eine Entstehungsgeschichte des BM ab 1984. Sie erklären, wie es zur weiteren Aufsplitterung und Fortentwicklung der Rockmusik gekommen ist. Die Hochzeit des BM in den 90er Jahren wird bis zur Entwicklung des Post-BM 1996-2000 skizziert. Abschließend folgt ein Blick auf die neuesten Entwicklungen der vergangenen rund 20 Jahre.
Gegen den Kommerz
Neben den kommerziellen BM-Bands ist die „wahre“ Szene antikommerziell. Oftmals sind sie in mehr oder weniger losen Gruppen vernetzt, die sich selbst genügen. Zugeständnisse an Irgendwen oder Irgendwas ist verpönt. Manche gehen sogar so weit, ihre Gesichter bei Konzerten komplett zu verhüllen, so dass man sie nicht erkennen kann und man sich damit ganz auf die Musik konzentrieren muss. Die Autoren beschreiben, welche Qualitätsmaßstäbe in der Szene vorherrschen, wie man kommuniziert, was man will und was nicht. Es ist ein erstaunlich kreatives Labor, in dem sich Lebensstil, Politik, Kunst und vieles mehr vermischen. Dabei dringen mittlerweile – eher subkutan – künstlerische Elemente, von der Ästhetik bis zur Musik sogar in etliche Bereiche des Mainstreams ein, man denke nur an die Filmindustrie.
Eine große Bandbreite
Natürlich werden auch die Unterarten und Verzweigungen des BM beachtet. Vom „atmosphärischen“, gesanglosen über einen „heidnischen“, vom „suizidalen“ BM bis zum hochpolitischen am „Nationalsozialismus“ orientierten „NSBM“ werden die wesentlichen genannt. Vom depressiven Grübler bis zum politischen Aktivisten wird ein breites Spektrum angesprochen. Die allermeisten Gruppen sind aber nach eigener Einschätzung nicht politisch. Dennoch kann man aus rechter Sicht eine durchgängig positive, metapolitische Relevanz bei fast allen konstatieren.
Die Autoren erklären die bei den meisten Bands vorhandene Abneigung gegen das Christentum. Es geht um die Frage, warum diese heftige Abwehrreaktion erfolgt und wie die Gegenposition aussieht. Das von vielen offen zur Schau getragene Elitebewusstsein, ein Anti-Humanismus und ein Anti-Egalitarismus bedürfen der Erklärung der Autoren des Buches.
Zu den verstörendsten Erscheinungen des BM gehört der zur Schau gestellte Satanismus. Das Buch erläutert genauso überzeugend dieses Phänomen, wie auch die Inhalte der neuheidnischen Vertreter des BMs, einschließlich deren Verhältnis zueinander.
Es steht zu erwarten, dass eine Musikrichtung mit zehntausenden Musikern und einer relativ großen Anhängerschaft trotz gewisser Abschottungstendenzen über die eigene Gemeinschaft ausstrahlt. Die muss aber auch ihre geistigen und musikalischen Quellen haben, aus denen sie schöpft und die inspirierend wirken. Ja, es kommt dabei tatsächlich zu einer Wechselwirkung mit vielerlei Elementen. Die Autoren machen dies am Beispiel von Tolkiens Wirkung auf den BM deutlich, die wiederum Auswirkungen auf die Rezeption des BM durch die Filmwirtschaft hat.
Weitere Besonderheiten, Widersprüche und Gegensätze
Es soll hier nicht auf alle im Buch genannten Aspekte des BM eingegangen werden. Die Themenvielfalt bildet, wenn auch teilweise sehr kurz, alles ab, was dazu wichtig ist. Der Leser kann sich anhand dessen einen guten Überblick verschaffen und selbst weiter recherchieren.
Die breite BM-Szene ist in jeglicher Hinsicht heterogen. Zu allem gibt es unterschiedliche Ansichten. Andererseits haben sich um Bands, Stilrichtungen und Inhalte homogene Fangruppen gebildet. Es liegt in der Natur der Sache, dass Männer im BM absolut dominant sind. Dies ist natürlich den Autoren nicht entgangen.
Wahrheit“ und „Reinheit“ haben in der BM-Szene genauso zu Auseinandersetzungen geführt, wie das Aufkommen dezidiert „christlicher“ oder „nationalsozialistischer“ BM-Gruppen. Die in der Gesellschaft unvermeidliche Spaltung in Links und Rechts spiegelt sich auch in der BM-Szene wider. Sie ist besonders da von Bedeutung, wo die Kommerzialisierung Bands korrumpiert und wo Personen und Medien versuchen mit den Thema Geld zu verdienen.
Bei aller Sympathie ist das Buch keine übertriebene Apologie des BM, vieles wird hinterfragt und auch kritisch gesehen.
Was nicht näher ausgeführt wird
Das aus Italien stammende Buch geht natürlich nicht speziell auf die deutschen BM-Bands, deren Geschichte und musikalische Werke näher ein. Die staatliche Repression gegen Bands wird genauso ausgespart, wie die Aktivitäten der Musik-, Medien- und Veranstaltungsbranchen zur politischen Zensur des BM.
Eine Erklärung, warum der BM eine rein weiße Kulturform ist, wird im Buch als Thema nicht eigens thematisiert – es allerdings auch kaum erläuterungsbedürftig: Die Antwort ergibt sich aus dem Inhalt, Musikstil und Anspruch des BMs.
Negative Aktivitäten von BM-Musikern und deren Anhängern, wie Morde oder Kirchen-Brandstiftungen, werden auch nur am Rande erwähnt. Wie man in der Szene mit einem schwulen Sänger umgeht oder wie man sich gegenseitig um Inhalte und Musik streitet, spielt dankenswerterweise auch keine Rolle.
Es geht also im Buch neben einem Gesamtüberblick um den inhaltlichen und musikalischen Kern des positiv zu verortenden Teils des BM und um den gelungenen Versuch, einen Bezug zur rechten Kulturwelt herzustellen. Der Mut zur Lücke hat sich dabei bewährt, sind doch viele Themen bereits in den alternativen und sogar bei den systemtreuen Medien ausgiebig dargestellt worden.
Letztlich muss auch die Frage offenbleiben, inwieweit der bloße Konsum radikaler Musik besonders junge Menschen von aktiver Politik abhält, destruktive Subkulturen fördert, ja zur Entpolitisierung in Traumwelten führen kann. Immerhin haben die Autoren jene positiven Ansätze des BM herausgearbeitet, die genau dies verhindern können.
Alex Kurtagic als ergänzende Empfehlung
Wer sich in noch kürzerer Form neben der Lektüre des Buches einen Einblick verschaffen und weitere Aspekte erfahren möchte, dem sei der Artikel „Black Metal — Die Konservative Revolution in der Populärkultur“ in dem Buch „Ja, Afrika muß zur Hölle gehen“ von Alex Kurtagic empfohlen. Eine ähnliche Fassung des Artikels ist auch im Netz unter „The Occidental Quarterly“ als pdf frei verfügbar.
Fazit:
Mit 112 Textseiten ist das Buch nicht gerade umfangreich, behandelt aber die angesprochenen Themen so, dass der Leser, ob Fachmann oder Laie, einen guten Über- und Einblick erhält. Das Buch ist ohne Einschränkung zu empfehlen, und eine absolute Leseempfehlung für Black-Metal-Anhänger. Die Rechte sollte auf jeden Fall auch diesem kulturpolitischen Feld mehr Beachtung schenken. Der Anfang ist gemacht.







