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Die Göttliche Natur – Wurzel Heidnischen Brauchtums

Spartabube von Spartabube
7. März 2026
in Natur, Persönlichkeit
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Es ist skurril, daß man als Deutscher in seiner Schulzeit viel über die griechisch-römische Götterwelt lernt, doch absolut nichts über jene seines eigenen Volkes. Denn auch wenn das Germanentum nie die Gelegenheit hatte, sich zu kanonischer Strahlkraft auszuprägen, wie sie noch heute vom Griechentum ausgeht, so ist es dennoch jene Religion, welche sich voralters auf deutscher Muttererde entwickelt hat. Aber vermutlich sollte man in Bildungseinrichtungen der BRD auch nicht erwarten, etwas über deutsche Kultur zu lernen.

Heidnisches Brauchtum wurzelt in der Natur

Das germanische Heidentum unterscheidet sich komplett und grundlegend von jener in der Bibel gelehrten Religion. Und auch vom Griechentum trennt sich deutlich, was in der Urlandschaft Mitteleuropas an Göttern herangewachsen ist. Während man in der Mythologie des lichtdurchfluteten Mittelmeerraums das Gefühl hat, die Natur sei nur eine Kulisse, ist sie im germanischen Heidentum integraler Bestandteil des Glaubens selbst. Feuer und Eis nehmen eine dominante Rolle in vielen Sagen ein. Schon die Welt entsteht aus diesem Gegensatzpaar, aber auch Brunhild wird von Wotan mit Feuer versiegelt, während der Allvater selbst bei König Geirröd acht Nächte zwischen zwei Feuern ausharren mußte, um etwas später in der Edda neun lange Nächte am „windigen Baum“ zu hängen. Die Atmosphäre ist eine völlig andere als in Griechenland, wo die Natur nur in Erscheinung tritt, wenn Poseidon das Meer aufpeitscht: Die Natur ist aktiver Teil der Erzählungen.

Denn in den dunklen Wäldern Germaniens, welche düstere und kalte Jahreszeiten mit Schneefall und Eis kennen, erfährt man die Natur sicher intensiver als im sonnigen Sizilien. Und diese täglich erfahrbare Naturerfahrung spiegelt sich im germanischen Brauchtum.

Die Probleme des germanischen Heidentums

Wäre es nach Wissenschaftlern gegangen, gäbe es vermutlich keinen Hermann den Cherusker und damit auch keinen deutschen Gründungsmythos; womöglich nicht einmal ein Deutschland. Und vermutlich auch kein germanisches Heidentum, da Wissenschaft den Wert von Mythen nicht anerkennt, und auch weil die Belege zu bruchstückhaft sind, um ganz ohne Spekulationen zu einem halbwegs plastischen Bild zu gelangen.

Einen solchen teils spekulativen, dafür aber anschaulichen und in sich schlüssigen Einblick ins germanische Heidentum liefert Iwobrand: „Urquellen germanischen Heidentums“ (2. Auflage, 2023), wo das germanische Brauchtum anhand des Jahreskreises ausführlich erörtert wird. Ich will mich deshalb in diesem Artikel daran orientieren. Die Zitate entstammen jenem Werk.

Allein schon aufgrund der Überlagerung mit dem Christentum wird sich nicht mehr alles eindeutig rekonstruieren lassen. Erschwerend kommt hinzu, daß es „einen Urzustand germanischen Glaubens als solchen [nicht gibt], denn das Heidentum des Frühmittelalters unterscheidet sich von den Ausprägungen, die es noch in der Eisen- oder gar Bronzezeit annahm. Die Nordgermanen in Skandinavien lebten und empfanden auch nicht ganz gleich wie die Germanen des Festlandes und der britischen Inseln.“ (S. 12)

Wie nah man der historischen Vergangenheit angesichts solcher Herausforderungen überhaupt kommen kann, ist fraglich. Doch die Rekonstruktion eines eindeutigen Katechismus ist meiner Meinung nach auch gar nicht nötig. Dieser Artikel soll vor allem ein Bewußtsein über die Mechanismen des germanischen Brauchtums als sinnstiftende Einheit wecken. Er will aufzeigen, daß monotheistische Theologie eben nicht das einzig denkbare ist und einen alternativen Entwurf dazu vorstellen.

Der germanische Jahreskreis

Im Christentum dreht sich das Brauchtum vor allem darum, die biblische Heilsgeschichte durchzuspielen. Alle Jahre wieder werden Geburt, Kreuztod und Auferstehung Jesu gefeiert, und auch alles übrige Brauchtum läßt bis ins letzte Detail auf die Verehrung des Allerhöchsten zurückführen. An dessen Existenz muß man aber erst einmal glauben, um dieses Brauchtum authentisch zu erfahren. Ansonsten wird man den Kirchgang als eine Theateraufführung wie „Die Vögel“ von Aristophanes begreifen. Da das Christentum aber keine zeitgenössischen Beweise für die Existenz dieses Allerhöchsten liefert, ist es wenig verwunderlich, daß die Kirchen zusehends leer bleiben.

Das Heidentum dagegen liefert seinen Zeitzeugen direkt selbst: Mutter Natur. Wer wollte sie leugnen?

Statt jährlich dasselbe Ereignis der Vergangenheit zu feiern, ist der germanische Jahreskreis am Kreislauf der Jahreszeiten ausgerichtet, und schraubt sich wie ein Baum von Jahr zu Jahr weiter in die Höhe. Die Phasen gehen ineinander über und erfüllen feste Aufgaben, anders als etwa das christliche Weihnachten, welches im Grunde nur zufällig auf das Datum fällt, an dem es gefeiert wird.

Mond- und Sonnenzyklen

Die Feste im germanischen Jahreskreis werden nach astronomischen Sonnen- und Mondständen bestimmt. Der genaue Zeitpunkt kann sich also von Jahr zu Jahr unterscheiden. – Was die Natur vorgibt, bestimmt den Jahreskreis, und kein menschgemachter Kalender.

Stark mit den geographischen Bedingungen des Lebensraums verbunden, orientiert sich der germanische Jahreskreis an den Frühlings- und Herbsttagundnachtgleichen, sowie an der Sommer- und Wintersonnenwende. Diese kosmisch bedingten Wendepunkte der Natur kann man schlecht leugnen, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht.

Wie die Festlichkeiten unserer Ahnen genau aussahen, wird vielleicht ewig im Dunkel bleiben, doch denke ich, kann man mit den folgenden Schilderungen immerhin ein Gefühl entwickeln für „eine uns mehr oder weniger fremd gewordene Welt“ (S. 12).

Die Göttin Ostara

Auffällig ist die starke Übereinstimmung des christlichen Kalenders mit dem germanischen Jahreskreis. Denn schon das Erwachen des neuen Jahres zum Sonntag nach dem Vollmond nach der Frühlingstagundnachtgleiche ist auffällig.

„Die Festlegung auf einen Sonntag ist christlich… Wie sich zeigt, feierten schon die heidnischen Germanen ein Osterfest zum Frühlingsvollmond und auch bei ihnen waren Mondlauf und Sonnenjahr aneinander gebunden.“ (S.125)

Fast schon satirisch wird das christliche Osterfest, wenn man bedenkt, daß es womöglich nach der germanischen Frühlingsgöttin Ostara benannt ist. Bei den ebenfalls germanischen Angelsachsen hieß diese Göttin derweil Eostre, was nur noch knapp an der griechischen Eos, der Göttin der Morgenröte, vorbeischrammt. Für meinen Geschmack ist das zu stimmig, um nur Zufall zu sein. Denn plötzlich ergibt das Datum des germanischen Osterfestes auch tieferen Sinn, da im Osten „zur Frühlingstagundnachtgleiche die Sonne erstrahlt und obsiegt.“ (S. 141)

Daß Ostern nach Markus, 16:2 benannt sein soll, halte ich für reichlich konstruiert, zumal beispielsweise Italienisch oder Französisch das Osterfest nach dem hebräischen Passahfest benannt haben, was auch deutlich schlüssiger erscheint, als eine Tageszeit, die in der Bibel nur beiläufig erwähnt wird.

– Daß „das christliche Auferstehungsfest ausgerechnet nur in germanischen Ländern mit einem Wort für Osten benannt wird“ (S. 140), paßt perfekt zur Geographie unserer Breitengrade: Es scheint nur natürlich, ja logisch notwendig, in einem Land, dessen Tage im Winter zu zwei Dritteln in kalter Finsternis versinken, die Rückkehr der lebensbejahenden Sonne mit einem Fest zu begehen. Gefeiert wird Ostara, nicht Jesus.

Das Notfeuerbohren

Während Ostara eher auf starken Plausibilitätsargumenten beruht, finden sich für das Notfeuerbohren zur Sommersonnenwende immerhin zahlreiche handfeste Belege aus dem 16. bis 20. Jahrhundert. „Das altsächsische Wort nodfyr hängt wohl weniger mit dem Wort Not im Sinne von Übel zusammen, als vielmehr mit dem althochdeutschen hniotan (reiben).“ (S. 229)

Zum Notfeuerbohren werden alle Herdfeuer im Dorf gelöscht, und an einem besonderem Ort durch reine Muskelkraft – durch Reibung, also ohne Feuerstein und -stahl – das Notfeuer entfacht, mit dem die Herdfeuer neu erleuchtet werden. Vorgeblicher Zweck ist ein Fruchtbarkeitszauber, sowie der Schutz des Viehs vor Seuchen, welches drei mal durch die heruntergebrannte Glut getrieben wird.

„Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit des Notfeuers zu bringen, fällt freilich schwer.“ (S. 230) – Jedenfalls wohl kaum schwerer, als daß jemand Wasser in Wein verwandelt hat.

Daß sich ein ganzes Dorf diese Mühe trotzdem macht, ist sicher kein Zeichen von Dummheit.

Das Herdfeuer als Urflamme

Leicht läßt sich die die Atmosphäre vorstellen, welche in jenen Stunden herrschen muß, in denen die beiden Alken als göttliche Zwillingssöhne am Seil ziehen, um die Stange im Bohrloch zum Rotieren zu bringen. In einer modernen Gesellschaft, wo man immer nur kurz die Heizung aufdrehen muß, um Wärme im Zimmer zu haben; nur schnell den Schalter am Herd umlegen, damit das Fleisch in der Pfanne brutzelt – kann man sich wohl kaum ausmalen, mit welcher Spannung das Dorf dem Feuerbohren gefolgt sein muß.

Denn hier geht es durchaus um etwas: Alle Herdfeuer sind gelöscht, und wenn es den Alken nicht gelingt, das Notfeuer zu entfachen, bleibt der Herd kalt.

Der Natur wird unter persönlichem Risiko das Lebensnotwendige abgerungen.

Man kann das Aufatmen der Kinder geradezu hören, wenn die ersten Funken fliegen, das Feuer zu schwelen beginnt, und die Existenz des Dorfs gerettet ist.

Auch wenn die Erfolgsrate beim Notfeuerbohren hoch gewesen sein dürfte, ist dies ein nicht unwesentliches Ritual, um Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit auszudrücken. Eine ähnlich zentrale Rolle nahm der Vesta-Kult im antiken Rom ein.

Zur Sommersonnenwenden, wenn die Sonne am höchsten steht; „am Höhepunkt der Lebenskräfte“, wird das von der ganzen Dorfgemeinschaft „neu entfachte Urfeuer“ in die erkalteten Langhäuser der einzelnen Sippen getragen. Der Einzelne empfängt das ihn nährende Herdfeuer aus den Händen der Gemeinschaft.

Natürlich hätte er auch einfach Feuerstahl verwenden, oder das Herdfeuer gar nicht erst auslöschen können – doch das ist der Materialismus des modernen Menschen, und so haben die damals Beteiligten sicher nicht gefühlt.

Erntedank

„Der Herbstbeginn ist die Zeit, in der bäuerliche Gesellschaften die den Sommer über gereifte und eingefahrene Ernte auf Märkten zum Tausch oder Kauf anbieten.“ (S. 308)

Nicht zufällig fällt die Erntezeit auf die Herbsttagundnachtgleiche – auch das ist in unseren Breitengraden schlichtweg astronomisch vorgegeben. Die Bräuche hierzu scheinen lokal sehr heterogen gewesen zu sein, vom Dreschflegeltanz, dem salzburgischen Kettentanz, über Schlachtfeste, die Kirwasau, Bärentreiben, Baumschälen, bis hin zu musikalischen Umzügen. Doch im wesentlichen wird die von Mutter Natur geschenkte Ernte in Form von Kirweih und unter Einbezug der Mythologie als Erntedank gefeiert.

Die Rauhnächte

Die Weihnachtszeit von Heiligabend bis zu den Heiligen drei Königen (welche in der Bibel nirgendwo als 3 angegeben werden, und namentlich schon gleich gar nicht), deckt sich nahezu mit der Wintersonnenwende und den daran anschließenden Rauhnächten aus dem germanischen Brauchtum.

„Die Rauhnächte sind eine Zwischenzeit, in der Altes verbrennt und sich doch aus der Asche bereits Neues ahnen lässt.“ (S. 477)

Denn jede der zwölf magischen Nächte steht für einen Monat im folgenden Jahr.

Und gerade hier regt sich mit Wilder Jagd bzw. wildem Heer und Perchtenbrauch die deutsche Seele am stärksten. Bei den widerwärtigen Fratzen der Schiechperchten muß das Christentum instinktiv an Dämonen und das personifizierte Böse denken. Doch auch wenn die Perchten durchaus rauh und wild sind, sind sie keineswegs bösartig. Sie sind vielmehr das personifizierte Gegenstück zur mitteleuropäischen Natur jener Jahreszeit. Der Germane kann die Perchten ansehen und seine Gedanken in Unschuld waschen – das Niedere ist seiner Seele fremd.

Abb. 1 Perchtenlauf in Klagenfurt, Kärnten

 

„Solange die Tore zur Anderswelt geöffnet sind, halten die Toten Gemeinschaft mit den Lebenden, sehen mit strengem Blick nach dem Rechten und feiern die Weitergabe ihres Erbes an die neue Jugend.“ (S. 482)

Auch wenn das wilde Heer sich recht frei an den Vorräten jener bedient, die es besucht, kann man daher schlecht von Plünderungen sprechen. Vielmehr ist das eben der zivile Umgang, den man von Toten erwarten kann – denn jene verkörpert das wilde Heer, wenn es durch die Winternächte streift. Mit dem Abzug dieser Toten zum Ende der Rauhnächte wird ein Neubeginn eingeläutet: Das neue Jahr beginnt, und die Fruchtbarkeit des Frühlings wird wieder möglich. Im germanischen Jahreskreis greifen die Dinge ineinander, und eins bedingt das andere mit der schicksalshaften Notwendigkeit der kosmischen Gesetze.

Daß die Teilnehmer an Perchtenläufen und Wilder Jagd die seelische Transformation zur Verkörperung der Ahnen wahrscheinlich authentisch gefühlt haben, kann sich der moderne, atomisierte Mensch, umgeben von flackernden Bildschirmen in einer gut beheizten Wohnung, vermutlich gar nicht vorstellen. Das ist dann aber eher eine Degenerationserscheinung seiner Psyche, die in einem unnatürlichen Leben begründet liegt und sich vom Boden der Ahnen längst entkoppelt hat – es gibt Menschen, die drehen die Heizung so auf, daß es auch im Winter 30° in der Bude hat. Sie kriegen vom germanischen Jahreskreis und einer rauhen Natur, welche unsere Ahnen groß gemacht hat, praktisch nichts mehr mit und führen ein bequemes Haustierdasein, von dem sie selbst ganz genau wissen, wie nichtig es ist.

Geht raus in die Natur!

Im Christentum steht der unbedingte innere Glaube an erster Stelle – Personen wie König David hatten praktisch den Freifahrtschein zur Sünde, weil sie diese nachher ernsthaft und ehrlich bereut haben. Das will ich auch gar nicht kritisieren, denn die ehrliche Reue wäre auch, woran ich Vergebung knüpfe.

Doch wer nicht wahrhaft an einen Gott glauben und sein Herz dessen Geboten unterwerfen kann, ist mit dem Christentum schlecht bedient. – Er kommt direkt in die ewige Vernichtung, völlig egal, ob er zu Weihnachten in eine Messe geht, an deren Inhalt er ohnehin nicht glaubt.

Denn zu sagen „Ich kann nicht an Gott glauben“, ist im Christentum keine Option. Dann ist man komplett raus aus der Religion, deren gesamtes Brauchtum sich allein um Huldigung für diesen Gott dreht: Das Christentum steht und fällt mit der ehrlichen Überzeugung, daß Gott existiert. Doch wer kann heute noch ehrlich sagen, daß er den Glauben an Gott im Herzen trägt?

Natürlich hat in unserer Zeit auch das Germanentum eine leichte Achillesverse: Wie ein Kirchengebäude sperrt auch eine gut beheizte Wohnung die Natur aus.

Der abgeschnittene Stadtmensch

Zu Hause am Rechner, mit heruntergelassenem Rollo und elektrischem Licht an der Decke, am besten noch wohnhaft in einer Großstadt, wird es durchaus schwer, die Natur als Zeugnis germanischen Brauchtums zu vernehmen. Da glaubt man dann ganz schnell an gar nichts mehr als an das Geld auf dem Konto. Doch Naturerfahrung liegt, anders als der Glaube an einen Schöpfergott, durchaus in der Macht jedes Einzelnen. Es steht ihm frei, jederzeit sein Haus zu verlassen und in Wiesen und Wäldern den jährlichen Kreislauf von Erblühen und Absterben der Knospen leibhaftig zu bezeugen.

Um schließlich an den germanischen Bräuchen teilzunehmen und von ihrer gemeinschaftsstiftenden Wirkung zu profitieren, muß man auch nicht an Odin oder Thor glauben. Das Notfeuerbohren wird zur Gemeinschaftsaktivität, nur daß sie eben nicht beliebig ist, wie es der Besuch einer Diskothek wäre, und deshalb an Intensität gewinnt. Allein aufgrund dieser Ambivalenz zur inneren Einstellung hat eine an der Natur orientierte Weltanschauung ein enormes Potential, dem modernen Menschen eine Antwort auf seine Sinnsuche zu geben.

Er braucht dann keinen Priester, der ihm die Bibel erklärt und mit pathetischer Stimme das Jüngste Gericht beschwört: Er kann selbst mitverfolgen, wie die Blätter welken, die Tage kürzer werden, und schließlich die ersten Schneeflocken durch die Lüfte tanzen. Diesem Gefühl kann man sich nicht entziehen: Jedes Jahr zum ersten Schnee rennen Kinder begeistert ans Fenster, um den Flockenfall zu bezeugen. In vielen Erwachsenen ist diese Naivität weitestgehend abgestorben, doch auch ihrem Leben wäre es gewißlich eine Bereicherung, Dankbarkeit zu empfinden für die Naturschönheit, in der sie Laufen lernten.

Ob die  daraus erwachsende Religion am Ende das germanische Heidentum ist, oder etwas Neues, ist sekundär, wenn als Ausdruck unseres natürlichen Lebensraums authentisch gelebt werden kann.

Was spricht den Deutschen instinktiv an?

Bei den Römern bekam man zur Volljährigkeit eine Toga umgelegt. Die germanische Weihe vom Jüngling zum Mann fand um die Wintersonnenwende statt und sah folgendermaßen aus:

„Für diese Einweihung werden die Jungen vom Stamm und Sitte getrennt, sie leben in einer Art Gegengesellschaft, oft in der Wildnis, in Höhlen oder abgeschiedenen Orten. … In der Tat werden die Prüflinge in dieser Zeit vom Stamm als tot betrachtet, ihr veränderter Geisteszustand und ihre Verwahrlosung gibt ihnen den Anschein wandelnder Leichen. … Hierzu muss wohl ein Zustand erreicht worden sein, in dem die menschliche Seele zu tiefgreifenden Wandlungen fähig ist. Kindische Eigenschaften werden abgelegt, der Erwachsene wird geboren.“ (S. 390f)

Welcher Deutsche fühlt sich davon nicht instinktiv mehr angesprochen als von Fußwaschungen fremder Männer?

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Abb. 1: Perchtenlauf, Klagenfurt:
Wikimedia (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Perchten4.jpg?uselang=de). Urheber: Klafubra. Lizenz: „CC BY-SA 3.0: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported“ (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de). Keine Änderung.

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