Alex Kurtagic‚ („Warum Konservative immer verlieren“) Roman Angel ist ein interessantes Stück Literatur. Auf den ersten Blick ist es nicht leicht ihn zu kategorisieren. Ist es seichte Unterhaltung, Sittenbild, Parodie oder nur allzu nah an der Wirklichkeit? Der Anfang des Buches lässt den Leser befürchten, es sei einer der üblichen langweiligen, zeitgeistigen Beziehungsromane, die seit Jahrzehnten in Massen die Auslagen von Buchhandlungen bevölkern, lediglich garniert mit etwas schrägem Humor. Doch mit zunehmender Seitenzahl wird er merken, dass der Roman es in sich hat.
Das verpatzte Date
Es gibt Tage, da geht alles schief. Angel, der Held der Geschichte, will eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Sein Leben ist ohnehin eine einzige Abfolge von Katastrophen. Doch nun hat ihn seine Kommilitonin Amelia, die Einzige, die ihm in der Uni nahesteht, zu einem Besuch in einem Restaurant genötigt. Da Angel nie „nein“ sagen kann, muss er mit. Die Sache hat allerdings einen Haken: Angel ist pleite. Amelia kennt diesen Dauerzustand, doch da ihre kaum verborgene Liebe zu ihm grenzenlos ist, lädt sie ihn auf ihre Kosten ein. Angel bekommt nur die Aufgabe der Auswahl des Restaurants und der Reservierung. Damit beginnt ein sich überschlagendes, unglaubliches Desaster.
Ein totaler Versager
Was hier in diesem kleinen Ausschnitt des Buches als Komödie erscheint, ist in Wahrheit eine von vielen typischen Episoden in dieser trefflichen Satire. Alex Kurtagic, dem Verfasser von „Mister“, ist mit „Angel“ ein weiteres, kulturpolitisches Meisterwerk gelungen. Es spielt im universitären Milieu. Der „Held“ ist in Wahrheit das genaue Gegenteil eines Helden. Er ist ein totaler Versager, lebensuntauglich, parasitär und unfähig zu allem, was von ihm erwartet wird. Er durchlebt ausgerechnet auch noch eine Phase in seinem nutzlosen Dasein, der er überhaupt nicht gewachsen ist.
Das linke, woke Universitätsmilieu, das eigentlich dazu genutzt wird, die Kindheit zu verlängern, ist für ihn eine unüberwindliche Herausforderung. So taumelt er von Problem zu Problem. Kurtagic hat in diesen bitterbösen Roman alles reingepackt, was man heute als menschliche Degeneration und politisch-kulturelle Dekadenz beobachten kann. Angel steht für den Niedergang des Weißen Mannes: Einst mächtiger Beherrscher der Welt, ist er nur noch ein degenerierter Schatten seiner selbst. Doch zurück zur Handlung.
Unter Druck
Mit seinem Leben ist Angel überfordert. Er bekommt nichts auf die Reihe. Es klappt gar nichts. Jede Kleinigkeit wächst sich zum unüberwindlichen Problem aus. So auch die lächerliche Hürde der Restaurant-Reservierung. Er schafft es einfach nicht.
Ein dichtes Netz hält ihn umfangen, das alle seine Aktivitäten lähmt. Die einen wollen ihm an den Kragen, weil er einen Kommilitonen in einer wichtigen Angelegenheit hängen ließ, andere wegen zu bezahlender Schulden. Er verliert auf groteske Art und Weise nahezu seine ganze Garderobe, nicht zuletzt, weil er sogar im Waschsalon in kuriose Turbulenzen gerät. So hat er zu seiner Verabredung nicht einmal was Sauberes und Angemessenes anzuziehen.
Am besten unter dem Radar bleiben
Vegane und Klimaaktivisten, Woke und Feministen setzen ihm zu. Und da ist schließlich noch die jugendtypische Gewalt, die von einigen jungen Männern ausgeht. Angel ist das, was man auf migrantisch ein „Opfer“ nennt. Daher ist er ständig auf der Flucht. Am liebsten verbirgt er sich oder benutzt Schleichwege. Klar, dass er auch den Restaurantbesuch nicht wollte. Nur ein paar wenige Frauen haben Mitleid mit ihm, werden aber regelmäßig durch sein Verhalten zutiefst enttäuscht. Seine Isolation ist verhaltensbedingt und selbstgewählt.
Ein Date mit der falschen Frau?
Angel kann Amelia nicht sagen, dass er nicht mal die Reservierung geschafft hat. Und so trifft er sich notgedrungen ohne Reservierung und schicksalsergeben mit seiner ihn anhimmelnden Kommilitonin, der er die Lüge auftischt, alles wäre organisiert. Amelia hätte ihm auch dies verziehen, aber Angel will ja eigentlich gar kein Date mit ihr. Angel liebt eine andere. Seine US-amerikanische Flamme Madison lernte er zuvor für ein paar Monate kennen, doch nun ist sie zurück in den USA und wartet anscheinend dringend auf seinen Besuch.
Genau das ist aber das zentrale Problem für Angel. Da er nur auf diese Liebe und den geplanten Besuch fixiert ist, klappt nichts mehr. Während ihrer gemeinsamen Zeit hatte er sein gesamtes Geld für einen wahren Luxusrausch verprasst, um ihr zu imponieren, und ist dadurch auch noch verschuldet. Es reicht nicht mal für eine minimale Ernährung, von Kleidung oder den üblichen Freizeitaktivitäten ganz zu schweigen. Abgemagert, hungrig, schmutzig und übernächtigt, stets nur auf eine Nachricht von seiner Flamme Madison wartend, ist sein Leben völlig ruiniert.
Nicht mal sein lächerliches Literatur-Studium bleibt davon unberührt, weil er keine Zeit zum Lesen hat und ihm wegen nicht rechtzeitig zurückgegebener Bücher ein Hausverbot in der unverzichtbaren Uni-Bibliothek droht. Er verplempert seine Zeit mit dem Checken des Handys, Grübeln, Tagträumen und dem Versuch sich vor allen zu verbergen. Selbst in der Unikantine gibt es ständig Ärger, der natürlich durch seine Tollpatschigkeit ausgelöst wird. Wie sollte es da mit einem Restaurantbesuch klappen?

Die Katastrophe
Es kommt, wie es kommen musste: Angel und Amelia werden wegen fehlender Reservierung abgewiesen. Ob Amelia ahnt, dass Angel sie angelogen hat? Die ihn kurioserweise vergötternde Amelia ist blind für alle offensichtlichen Schwächen dieser Null. Nach mehreren vergeblichen Versuchen der Suche nach einem Ersatzrestaurant, das sie einlässt, landen sie schließlich erschöpft und enttäuscht in einem McDonalds und fahren danach direkt wieder nachhause.
Was alles noch unterwegs an Katastrophen erlebt wurde, sei hier ausgespart. Der Leser wird es ahnen. Angel hat es wieder einmal in jeglicher Hinsicht versaut, so wie immer. Das Desaster ist perfekt. Amelie taumelt schlussendlich alleine in ihr Studentenzimmer, heulend, entnervt, mit Blessuren am Körper, zerrissener Kleidung, halb erfroren und durchnässt. Und es war nicht das erste Mal, dass es so ablief. Angel ist eben ein totaler Versager.
Hoffnungslos überfordert
Diese Episode ist eine von vielen in Kurtagics bitterböser Satire. Wenn eine Jugend von klein auf verwöhnt wird, wenn man sie von allem Bösen fernhält und nie fordert, muss sie versagen. Angel ist nicht der einzige, dessen Verhalten so ist. Mit dem Verliebtsein kann man keineswegs Angels Fehlverhalten entschuldigen. Sein fortgeschrittener Zustand der Degeneration ist allerdings eine bewusste satirische Überspitzung, die uns im Rahmen einer beängstigenden gesellschaftlichen Dekadenz einen Spiegel der Zeit vorhält.
Die Handlung des Buches besteht aus einer Kette von eigentlich banalen, täglichen Routineverrichtungen, die für jeden normalen Menschen kein Problem darstellen, außer für degenerierte Typen wie Angel. Schon seine Unfähigkeit zu einer normalen Konversation durch ein verängstigtes Stottern oder schwächliches, fast unhörbares Piepsen, und seine Angst überhaupt etwas zu äußern, führt zu Situationen, in denen er einfach absichtlich oder unabsichtlich übersehen wird. Angel stellt nichts dar. Er versteckt sich hinter seinen langen Haaren, damit man sein Gesicht nicht sieht und er nichts sehen muss, was er nicht ertragen kann. Man schubst ihn rum, amüsiert sich über ihn oder ignoriert ihn demonstrativ. Ständig kommen ihm die Tränen.
Der Leser kann so keinerlei Sympathie, geschweige denn Mitleid, entwickeln. Man hätte es wohl gerne, wenn der strahlende Held mit der Faust auf den Tisch hauen und sich anschicken würde, den Saustall auszumisten oder wenigstens sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Den Gefallen tut uns Kurtagic nicht. Er lässt mit jeder Seite den Leser mehr leiden und wütender werden.
Die Stimmung des Lesers kippt endgültig
Es ist wohl ein absichtlicher Kunstgriff von Kurtagic, dass er in seinen Lesern Erwartungshaltungen aufkommen lässt, wie aus Angel endlich ein ganzer Kerl wird und die Handlung ins Positive kippt. Stattdessen: Soll der Leser sich doch selbst ausmalen, wie Angel in den jeweiligen Situationen endlich seinen Mann stehen müsste, wie man die ganzen Linken, Woken und Halbstarken aktiv konfrontiert. Der politisch desinteressierte Angel jedenfalls zeigt keine positive Entwicklung. So muss der Leser sehen, wie er mit dieser tragischen Figur über die 1000 Seiten kommt. Die teilweise endlos nervigen Dialoge der sich endlos hinziehenden Desaster haben anscheinend das Ziel, beim Leser zunehmend Verachtung und Wut auf Angel zu entwickeln. Kurtagic wird sich bei dieser Vorstellung wohl vergnügt die Hände reiben.
Die dauerhaft provokative Gleichförmigkeit im Geschehen mit immer neuen Katastrophen, macht allerdings auch einen gewissen Reiz beim Lesen aus. Es ist ein Stilmittel, um die Spannung bis zum Schluss zu halten. Eigentlich passiert bis dahin gar nichts. Dabei steigert sich die Handlung immer wieder bis zu einem zwangsläufigen Endpunkt. Doch nicht mal ein Happy End, kein neuerstandener Held. Man ist versucht das Buch nach der Lektüre an die Wand zu werfen – wäre da nicht der gesellschaftlich-politische Rahmen, ja der Spannungsbogen zwischen Degeneration und Dekadenz. Kurtagic ist ein feiner Beobachter, der Zustände gut beschreiben kann. Minutiös werden kleinste Kleinigkeiten geschildert und dabei ist es für den Leser, als ob man einen Salzstreuer langsam und sorgfältig in eine Wunde schüttet.
Mittels einer Satire lässt sich dies alles gut ausdrücken. Neben dem beim Leser zum Widerspruch herausfordernden Versager Angel steht eine im Niedergang begriffene Welt, die letztlich solche Typen produziert, die das Männliche systematisch eliminiert und aus Männern Männchen und aus Frauen Feministinnen macht, wie diesen Angel und seine Flamme Madison. Angel ist nämlich nicht der einzige degenerierte Unsympath. Ihm gegenüber stehen etliche, kaum bessere Männer und Frauen: Hedonisten, Dummstarke, Klimaspinner, Linke und Woke.
Madison, seine unzerstörbare und einzige Liebe
Jene amerikanische Gaststudentin Madison spielt die große Hauptrolle in Angels verträumter Gedankenwelt. Er verliebt sich in einem schon kaum noch beschreibbaren Maße in sie. Dabei projiziert er sein eigenes romantisches Traumbild von einer idealen Frau in sie, obwohl sie das genaue Gegenteil davon ist: Ein parasitärer, egomanischer Haufen Scheiße. Madison nimmt Angel nach Strich und Faden aus. Teures Essen, teurer Wein, Veranstaltungen und Ausflüge in dichter Folge. Angel, der hyperromantische Obertrottel, bemerkt gar nicht, wie sie sein Leben zu zerstören begonnen hat.
Nach ihrer Rückkehr in die USA dreht sich für Angel alles nur noch um ein Wiedersehen, dabei entgeht ihm, dass Madisons Interesse an ihm immer mehr erlischt. Der Kontakt via Handy zu ihr ist zunehmend einseitig und unerfreulich, zumal Madison sich parallel zu Angel auf dem absteigenden Ast befindet. Die wenigen Fotos, die sie schickt, zeigen den totalen Abstieg in ein wokes, degeneriertes Dasein als feministische Bitch mit Piercings, grünen Dreadlocks und dem perversen Bestreben fett zu werden. Kurios: Angel will Madison vor dem Abstieg bewahren, dabei geht er selbst den Bach runter.
Madison gibt Angel den Rest
Nachdem seine Eltern Angel zwangsweise wegen dessen totalem Versagen von der Uni nahmen, gewähren sie ihm seinen größten Wunsch nach einer Reise zu Madison in der Hoffnung, diese würde ihn von Madison kurieren. Mit gutem Instinkt und auf Anhieb haben sie natürlich Madison als Angels Untergang ausgemacht und hoffen, dass Angel dies auch erkennt.
Was Angel Haarsträubendes in den USA bei Madison erlebt, mag der Leser selbst nachlesen. Es lohnt sich und steht den vorherigen Katastrophen in nichts nach. Jedenfalls kehrt er endlich in dem Bewusstsein zurück, dass seine Madison für ihn erledigt ist. Die Hoffnung seiner Eltern hat sich erfüllt. Man kann sich vorstellen, was diese Einsicht für so einen träumerischen Idioten wie Angel bedeutet hat. Nachdem Angel im Flugzeug den Rückweg antritt, wird wohl mancher Leser wieder mal aus Erschöpfung und Frust das Buch zuklappen und sich erleichtert zur Beruhigung ein Bier aus dem Kühlschrank gönnen.
Und Amelia?
Die ihn vergötternde, ihn über alles liebende und über alle seine „Schwächen“ großzügig hinwegsehende Kommilitonin Amelia dringt schließlich doch in sein Bewusstsein als liebenswerte, intelligente und attraktive junge Frau ein, die er mehr als mies behandelt hat. Angel will alles wieder gut machen und fängt nach seinen traumatischen Erlebnissen mit Madison an sie zu lieben. Seine überraschende selbstkritische Reflektion wird allerdings schnell wieder überlagert von seinen elitären Tagträumen eines realitätsfremden, für ihn unerreichbaren romantischen Luxuslebens.
Doch auch dies endet natürlich in einer Katastrophe, die jedoch in der Form nicht zu erwarten war. Es wäre ein schönes Happy-End mit Amelia gewesen, doch Kurtagic kennt keine Gnade. Ein unerwartetes Ereignis setzt einen letzten tragischen Akzent in dieser genialen Satire. Der Leser wird nicht umhinkönnen, es auch noch als passend anerkennen zu müssen. Ein anderer Ausgang wäre Kitsch gewesen.
Abgesehen davon stellt sich natürlich die Frage, was man mit so einer „perfekten“ Frau, wie Amelia, anfangen könnte. Sie ist eine Art Gutmensch, die überall nur das Gute sieht, die alles versteht, verzeiht und immer gut drauf ist. Ihr Bestreben ist absurderweise nur darauf ausgerichtet, diesen Versager zum Freund zu bekommen. Wirkliche Ansprüche stellt sie an ihn keine. Ihr Profil ist im Grunde langweilig und fade.
Bezeichnend ist auch die Wahl eines sinnlosen, natürlich besonders für bestimmte Frauen attraktiven Laberstudiums. Politisch unbedarft und uninteressiert nimmt sie alles kritiklos hin, was ihr von der Gesellschaft und dem Staat geboten wird. Für alles sieht sie gute Gründe. Warum wird sie eigentlich nicht auch eine Linke oder Woke? Gut, man wird phantastische Kinder mit ihr haben, aber wo soll da die eine Beziehung ausmachende Spannung herkommen? Warum wäscht sie Angel nicht den Kopf, warum lässt sie sich bis zum Schluss alles bieten?
Die moderne Gesellschaft als Albtraum
Das vermeintliche Paradies der behütenden Uni, in der die Anforderungen auf Kinderniveau reduziert sind, ist eigentlich eine woke Hölle. Sie produziert immer mehr lebensunfähige Typen, die im Studium antriebslos, nichts können müssen, um langsam zu degenerieren. Mit ihren maßlos sich überschätzenden Fähigkeiten und einer dummdreisten, peinlichen Arroganz, die diese nichtsnutzigen Nullexistenzen erlaubt, sich vorgaukeln zu lassen, Elite oder Avantgarde zu sein, stehen sie im krassen Gegensatz zur Realität.
Das fängt an mit der Wahl von Geschwätzwissenschaften oder Fächern, die man zu den brotlosen Künsten zählen muss. Fast alle haben Schwierigkeiten, selbst die einfachsten Aufgaben zu erfüllen. Sie sind zum größten Teil faul, relativ dumm und ohne die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion. Das Niveau ist derart gesenkt, dass diese Nullen überhaupt nichts für ein normales Arbeitsleben lernen. Es endet oft mit politischem Extremismus, weil man das eigene Versagen, die eigene Unfähigkeit auf das „System“ schiebt. Risikoloser Aktivismus als kindlicher Ersatz für den Ernst des Lebens.
Kurtagic hat in seiner genialen Satire einer Welt den Spiegel vorgehalten, die sich bereits unübersehbar zwischen Degeneration und Dekadenz aufzulösen beginnt. Wäre Angel ein ganzer Mann geworden, hätte er diese linken und woken Gestalten aktiv bekämpft, wäre sicher, dass er vom Ergebnis her vor noch größere Herausforderungen gestellt worden wäre, lebt er doch in einem alles beherrschenden, durchaus repressiven System.
Bezeichnend für den Grad des fortgeschrittenen Niederganges ist, dass Kurtagic diese traurige Figur statt eines Helden geschaffen hat. Die Politische Korrektheit sowie die Cancel Culture dieser heruntergekommenen Gesellschaft in einem verkommenen Staat hat in der Tat schon lange begonnen, alles Positive im Keim zu ersticken. Der Niedergang erreicht ein Ausmaß, das biologisch und soziologisch messbar ist. Ganz zum Schluss des Buches tritt dann doch ein alles klärendes Ereignis ein, das in seiner Radikalität die ganze Hoffnungslosigkeit der Lage widerspiegelt.
Hierin zeigt sich dann auch die primäre Kritik, die man Kurtagic‘ Roman vorwerfen kann: Auch wenn über weite Strecken unterhaltsam zu verfolgen, einem Autounfall nicht unähnlich, von dem man einfach den Blick nicht abwenden kann, gibt es für den rechten Leser neben der Bestätigung der eigenen pessimistischen Gesellschaftsdiagnose keinen wirklich kathartischen Moment.
Es lässt einen nach der Lektüre nicht mehr los
So lässt Kurtagic den Leser im Regen stehen. Mag er selbst entscheiden, ob es in einer solchen Albtraumwelt überhaupt noch sinnvoll wäre, Widerstand zu leisten oder ob man sich dem Schicksal ergeben sollte. Auf jeden Fall hat er damit erreicht, dass man das Buch nicht einfach nur wieder ins Regal stellt und sich anderem zuwendet. Kurtagic pflanzt nämlich einen Wurm ins Hirn des Lesers, der sich aus dem Unbehagen an der Figur des Angels und einer Realität nährt, die inakzeptabel destruktiv ist. Es lässt einen dann eine ganze Weile nicht mehr los.
Die 1000 Seiten Umfang sollten niemanden schrecken. Das Buch kann man erstaunlich schnell durchlesen. Es ist flüssig und in leicht verständlichem Englisch geschrieben, ohne dass die literarische Qualität darunter leiden würde.
Kurtagic, ein Meister der Metapolitik
Mit „Mister“ und „Angel“ hat Kurtagic zwei absolut empfehlenswerte Romane mit klarer politischer Botschaft gegen den Niedergang der Weißen Welt verfasst. Metapolitisch vielfältig aktiv, veröffentlichte er im Antaios-Verlag ein Büchlein in der Reihe „Kaplaken“ auf Deutsch, das zeigt, wie der Kampf zu führen ist und rät keinesfalls zur Resignation. Vielmehr liefert er in diesem nach wie vor relativ große Beachtung findenden „Warum Konservative immer verlieren“ einen profunden Ansatz für den rechten Kulturkampf. Als Dichter, Politiker, Maler und Musiker steht er in der vordersten Reihe und zeigt, wie man erfolgreich Metapolitik macht.
Fazit
Kurtagic hat mit seinem Roman „Angel“ eine passende Antwort auf die Frage geliefert, wie man den fortschreitenden gesellschaftlichen Niedergang des Westens am eindringlichsten beschreiben kann. Es ist die Geschichte eines degenerierten Studenten, der eine selbstverschuldete Katastrophe nach der anderen erlebt und an seinen Unzulänglichkeiten scheitert. Er ist ein Kind seiner Zeit, die aus Männern Männchen macht, die zwischen Degenration und Dekadenz ihrem Untergang zustrebt. Der Roman fordert und provoziert den Leser, bietet ihm aber einen unvergleichlichen Lesegenuss. Kurtagics Satire ist stellenweise lustig wie ein Dick-und-Doof-Film, macht zugleich tieftraurig und wütend. Spannend geschrieben, ist er in jeder Beziehung eine absolute Leseempfehlung.
„Angel“ erschien im digitalen Selbstverlag und kann in englischer Sprache bei Amazon als Ebook erworben werden







