1844 platzte dem Dichter Ferdinand Freiligrath (1810 – 1876) endgültig der Kragen. Seit dem Sieg über Napoleon dümpelte das deutsche Land vor sich hin: Die Rechte des Volkes missachtet, dazu ein trostloses Elend der unteren Schichten. Wofür hatte das Volk 1813-15 gekämpft? Dafür etwa, dass die Fürsten ihre Macht ausbauen und die Verfechter der Volksrechte in die Kerker wandern? Ganz bestimmt nicht. Die Lage war unerträglich geworden. Nur eine Revolution schien noch Abhilfe zu schaffen!
„Das Volk hat Nichts zu beißen mehr! Durch seine Lumpen pfeift der Wind! Wo nimmt es Brot und Kleider her?“ („Ça ira“)
Die Generation der Nationaldichter
Epochenbrüche fordern heraus. Ob man nun mit dem Epochenbruch geht und sich in die reißenden Fahrwasser stürzt oder verzweifelt gegen den Strom anzuschwimmen versucht, es ist eine Chance sich zu beweisen und selbst Teil dieser großen Geschichte zu sein. Wer will schon feststellen, dass er geschlafen hat, während die Geschichte an die Tür klopfte, um Epoche zu machen?
Es ist kein Wunder, dass Künstler hier besonders angesprochen sind: Das Außergewöhnliche, das Zeitgeschichtliche, die extremsten Erfahrungen des menschlichen Daseins lassen sich in solchen Zeiten beobachten, beeinflussen und für die Generationen danach festhalten. Und deshalb erlebte die politische Dichtung in Deutschland wohl auch im Vormärz ihren Höhepunkt:
Hoffmann von Fallersleben widmete seine Dichtung der jungen Nationalbewegung, Ludwig Uhland ging als Dichter in die Politik und der Jungdichter Theodor Körner suchte sein persönliches Heldentum im Befreiungskrieg um Deutschland … und verlor dort sein Leben. Das Leben des Dichters Ferdinand Freiligrath reiht sich nahtlos ein zwischen denen jener anderen, die für Deutschland schrieben, kämpften und starben.
Anders als Körner war Freiligrath nur der Fluch einer späten Geburt vergönnt. Zu jung, um in den Befreiungskriegen zu kämpfen, aber alt genug um die bleierne Phase der Restauration in seinen jungen, idealistischen Mannesjahren erdulden zu müssen. Ein halbes Menschenleben würde es für Freiligrath dauern, seine Chance darauf zu erhalten, sich in der deutschen Frage engagieren zu können. Der Vormärz begann, an sein Ende zu kommen.
Bruch mit den Herrschern
1844 veröffentlichte Freiligrath den politischen Gedichtband „Ein Glaubensbekenntnis“, der auch eine persönliche Zäsur darstellte. Er war nicht korrumpierbar und verzichtete auf eine (bitter benötigte) Ehrenpension Preußens. Zugleich positionierte er sich öffentlich auf der Seite des oppositionellen Volkes. Die Reaktion war offen herausgefordert.
Es drohte die Verhaftung. Freiligrath floh ins Ausland.
„Wohl soll der Gedanke siegen – nicht des Stoffes rohe Kraft!
Doch man band ihn, man zertrat ihn, doch man warf ihn schnöd in Haft! („Ça ira“)
Seine Wut stieg und trieb ihn zu den Radikalsten. Damit war sein Dichterleben auf absehbare Zeit so gut wie vorbei, musste er nun darum kämpfen, seinen Lebensunterhalt für seine Familie verdienen zu können. Zweimal floh er ins Exil: 1844/45-1848 über Belgien und die Schweiz nach London, später von 1851 bis 1868 erneut nach London.
Die Revolution kommt
Die Revolution kam im März 1848 tatsächlich und stand unter dem Banner schwarz-rot-gold, aber auch unter einigen roten Fahnen. Freiligrath wählte diejenige radikalste Oppositionsgruppe, die am entschlossensten wirkte – die Kommunisten.
Aus dem Exil zurück, wurde er kurzzeitig von Oktober 1848 bis Mai 1849 Mitarbeiter der „Neuen Rheinischen Zeitung“ unter Karl Marx. Unter dem Eindruck der 1848er Revolution trat Freiligrath dem „Bund der Kommunisten“ bei. Diese insgesamt kurze Phase dauerte von 1848-1853.
Wie nahe stand er den Kommunisten wirklich?
Freiligrath wird fälschlicherweise von den Linken vereinnahmt. Dies, obwohl seine Verbindungen lediglich temporär, weniger ideologisch als kämpferisch waren. Weder seinen Gedichtband aus 1844 noch seine oft zitierte Gedichtesammlung „Ça ira“ aus dem Jahr 1846 kann man als kommunistische Prosa einordnen. Seine Artikel in der „Neuen Rheinischen Zeitung“ geben auch nicht viel her.
Die publizistische Zusammenarbeit mit Karl Marx offenbarte ziemlich schnell den fundamentalen weltanschaulichen Unterschied zwischen beiden. Freiligrath, der sich auf Volk und Nation bezog, stand schnell im Gegensatz zu den Träumen von einem internationalen Proletariat, das angeblich nichts außer seinen Ketten zu verlieren habe.
Klassenkampf, Ökonomische Großtheorien und der wissenschaftliche Kommunismus waren seine Sachen nicht. Die Freiheit war sein großes Anliegen, ein Volk, das einig ist und das für und über sich selbst bestimmt. Sein Herz, wie das vieler Zeitgenossen wie Fallersleben, hing an der Republik, denn der Monarchie war auf dem Weg zum deutschen Volksstaat aus Sicht des jüngeren Freiligrath nicht über den Weg zu trauen.
Der Weg zum Kommunismus war also nicht sein Weg. Die Trennung von Marx und Genossen war folgerichtig. Nach dem zwangsläufig erfolgten Bruch erneuerte Freiligrath in einem Brief vom 28.2.1860 an Karl Marx seine finale Absage an sie:
„Ich will die Freiheit! Ich will die Unabhängigkeit!“
Dies gilt übrigens genauso für seinen Eintritt in die Freimaurerei, in der er bereits ab 1842 vergeblich eine echte politische Opposition suchte. Nichts ließ er aus, um sich überall nach Gleichgesinnten umzusehen.
Der wahre Geist der 48er
Auszug aus dem Gedicht „Schwarz-Rot-Gold“ (1848):
„In Kümmernis und Dunkelheit,
Da mußten wir sie bergen!
Nun haben wir sie doch befreit,
Befreit aus ihren Särgen!
Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt!
Hurra, du Schwarz, du Rot, du Gold!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!
Das ist das alte Reichspanier,
Das sind die alten Farben!
Darunter haun und holen wir
Uns bald wohl junge Narben!
Denn erst der Anfang ist gemacht,
Noch steht bevor die letzte Schlacht!
….
Das ist noch lang die Freiheit nicht,
Wenn man, statt mit Patronen,
Mit keiner andern Waffe ficht,
Als mit Petitionen!
Du lieber Gott: – Petitioniert!
Parlamentiert, illuminiert!
…
Das ist noch lang die Freiheit nicht,
Sein Recht als Gnade nehmen
Von Buben, die zu Recht und Pflicht
Aus Furcht nur sich bequemen!
Auch nicht: daß, die ihr gründlich haßt,
Ihr dennoch auf den Thronen laßt!
…
Die Freiheit ist die Nation,
Ist aller gleich Gebieten!
Die Freiheit ist die Auktion
Von dreißig Fürstenhüten!
Die Freiheit ist die Republik!
Und abermals: die Republik!
…
Die eine deutsche Republik,
Die mußt du noch erfliegen!
Mußt jeden Strick und Galgenstrick
Dreifarbig noch besiegen!
Das ist der große letzte Strauß –
Flieg aus, du deutsch Panier, flieg aus!
…“
Die Reaktion lebt
Es gibt Tage, da ahnt man nicht, welche Folgen sie haben könnten. Ein solcher Tag war der 1. August 1848 in Düsseldorf, noch im Schatten der gescheiterten März-Revolution, an der er selbst nicht teilnehmen konnte, weil er im Ausland war. Für den Dichter Ferdinand Freiligrath wurde er zu einem Schicksalstag. Als ob er nicht schon genug Schwierigkeiten gehabt hätte.
Dabei ging es nur um das öffentliche Vortragen des von ihm verfassten Gedichts „Die Todten an die Lebenden“ als wütende Nachbetrachtung zur Niederschlagung des Pariser Juni-Aufstandes. Es erscheint uns heute recht harmlos, doch zu den damaligen Zeiten, kurz nach dem unrühmlichen Scheitern der 48er Revolution und unter den Bedingungen zunehmender politischer Repression mit einer scharfen Zensur, war es durch Freiligrath eine Provokation. Nicht zum ersten Mal beschäftigten sich die Behörden mit dem politisierten Dichter.
Das corpus delicti
Man kann aus der Kraft der Zeilen erahnen, warum dieser Text so manch reaktionärem Zeitgenossen unschön unter die Haut ging und doch sprach der nicht mehr junge, verhinderte Befreiungskämpfer Freiligrath noch einmal den Ingrimm einer Jugend an, der eine Chance in den Schoß gelegt worden war, für ihre Ideale auf die Barrikaden zu steigen:
„Die Todten an die Lebenden“ (Auszüge)
„…Oh, wär’ der Grimm, der rote Grimm, im Lande so geblieben!
Und doch, er blieb! Es ist ein Trost im Schelten uns gekommen:
Zuviel schon hattet ihr erreicht, zuviel ward euch genommen!
Zuviel des Hohns, zuviel der Schmach wird täglich euch geboten:
Euch muß der Grimm geblieben sein – oh, glaubt es uns, den Toten!
Er blieb euch! ja, und er erwacht! er wird und muß erwachen!
Die halbe Revolution zur ganzen wird er machen!
Er wartet nur des Augenblicks: dann springt er auf allmächtig,
Gehobnen Armes, wehnden Haars da steht er wild und prächtig!
Die rost’ge Büchse legt er an, mit Fensterblei geladen:
Die rote Fahne läßt er wehn hoch auf den Barrikaden!
Sie fliegt voran der Bürgerwehr, sie fliegt voran dem Heere –
Die Throne gehn in Flammen auf, die Fürsten fliehn zum Meere!
Die Adler fliehn; die Löwen fliehn; – die Klauen und die Zähne! –
Und seine Zukunft bildet selbst das Volk, das souveräne!
…
So weit es Barrikaden gab, der Druck auf Schrift und Rede;
Mit der Versammlung freiem Recht die täglich frechre Fehde;
Der Kerkerthore dumpf Geknarr im Norden und im Süden;
Für Jeden, der zum Volke steht, das alte Kettenschmieden;
…
Da lägen wir und sagten aus: Eh’ wir verfaulen konnten,
Ist eure Freiheit schon verfault, ihr trefflichen Archonten!
Schon fiel das Korn, das keimend stand, als wir im Märze starben:
Der Freiheit Märzsaat ward gemäht noch vor den andern Garben!
Ein Mohn im Felde hier und dort entging der Sense Hieben –
O, wär’ der Grimm, der rothe Grimm im Lande so geblieben!
Und doch, er blieb! Es ist ein Trost im Schelten uns gekommen:
Zu viel schon hattet ihr erreicht, zu viel ward euch genommen!
Zu viel des Hohns, zu viel der Schmach wird täglich euch geboten:
Euch muß der Grimm geblieben sein – o, glaubt es uns, den Todten!
Er blieb euch! ja, und er erwacht! er wird und muß erwachen!
Die halbe Revolution zur ganzen wird er machen!
Er wartet nur des Augenblicks, dann springt er auf allmächtig;
Gehobnen Armes, weh’nden Haars dasteht er wild und prächtig!
Die rost’ge Büchse legt er an, mit Fensterblei geladen;
Die rothe Fahne läßt er wehn hoch auf den Barrikaden!
Sie fliegt voran der Bürgerwehr, sie fliegt voran dem Heere –
Die Throne gehn in Flammen auf, die Fürsten fliehn zum Meere!
Die Adler fliehn, die Löwen fliehn; die Klauen und die Zähne! –
Und seine Zukunft bildet selbst das Volk, das souveräne!“
Denunziert und verhaftet
Dieses im Juli 1848 erschienene Gedicht rief die Lebenden auf, im Sinne der gescheiterten Revolution von 1848 weiterzumachen. Am 29. August 1848 erfolgte auf Initiative des Denunzianten Karl Schnaase wegen „Aufreizung zu hochverrätherischen Unternehmungen“ die Verhaftung.
Schnaase schrieb bereits am 4. August 1848 an die Behörden:
„Dasselbe enthält eine directe Aufreizung der Bürger, die Regierung umzustürzen und zu verändern – und sich gegen die königliche Gewalt zu bewaffnen…“
Am 3. Oktober 1848 fand die Verhandlung in Düsseldorf statt. Freiligrath wurde durch das Geschworenengericht freigesprochen. Mit einem großen Festzug feierte die Bevölkerung das Urteil.
Während des Prozesses gelang es der Verteidigung erfolgreich das Gedicht als dichterische, nicht als direkte politische Aufreizung darzustellen. So wurde die heikle Passage im Gedicht „die rothe Fahne läßt er weh’n“ in der Verteidigungsrede von Anwalt Meyer laut stenografischem Bericht (Auszug) so interpretiert:
„Was sagt der Dichter? Du Bürgerwehr folge der rothen Fahne? Hat er gesagt: Schließ dich der Revolution an?! Nein.
Die gefallenen Barrikadenkämpfer sehen wir im Traume einen zweiten Krieg in der Zukunft, auf den sie hinweisen. Wie kann hierin eine Aufforderung liegen. Ich kann zu Gewaltthat auffordern, wenn sie für die ferne Zukunft sei, das würde eine lächerliche Aufforderung sein. Die Barrikadenhelden sagen, daß es noch zu früh sei; die Zukunft werde das erfüllen, was unser Herz erfüllt; sie rufen: haltet euch wach. Conspiriren kann man nur für die Zukunft, Aufreizen nur für die Gegenwart.
Ich könnte Sie an Prophezeiungen erinnern, die der Dichter, der hier auf der Anklagebank sitzt, vor 2 Jahren verkündet und die heute eingetroffen sind. Ich möchte Sie warnen, darüber nicht den Stab zu brechen, damit die Zukunft nicht richte über diesen Spruch.“
Meyer weiter: Das Gedicht bewege sich auf revolutionärem Boden, aber in einem provisorischen Zustand. Jeder habe das Recht, Idealen nachzustreben, ohne dass von einem strafbaren Umsturz die Rede sei. Das Gedicht sei Poesie und bildhafte Sprache, keine direkte Aufforderung zur Tat. Das Gedicht richte sich gegen die Reaktion, wirke aber nur durch moralische Einwirkung, nicht durch direkte Aufreizung.
Freiligrath fasst es in eigenen Worten zusammen:
„Es hat das Gedicht die Absicht, gegen die Reaction zu arbeiten, aber nur durch moralische Einwirkung. Was die Form des Gedichtes anbelangt, so mag mir beim Niederschreiben desselben der Pegasus durchgegangen sein; es ist dies Nichts, als poetische Licenz.“
Die Verteidiger betonten, dass das „Vortragen“ eines Gedichts keine „Rede“ im juristischen Sinne sei und kein Erfolg einer Aufreizung nachweisbar sei. Andere Dichter seien für ähnliche Werke nicht bestraft worden. Das Gedicht müsse als künstlerischer Ausdruck der Stimmung der Zeit verstanden werden und wäre daher auch nicht strafbar.
Die Unterscheidung zwischen poetischer Freiheit und direkter Aufreizung war in den damaligen Prozessen gegen angebliche Revolutionsaktivisten ein zentrales Thema.
Freiligrath – einer von uns?
Man kann nicht leugnen, dass es eine kurze, radikale sozialrevolutionäre Phase im Leben von Freiligrath gegeben hat. Sein ganzes Leben war allerdings ein Entwicklungsprozess, der von der Linken gerne auf jene Phase reduziert wird. Auch ein Jürgen Elsässer, ein Bernd Rabehl oder ein Reinhold Oberlercher hatten sie.
Was zählt, ist letztlich die Abkehr von falschen Zielen sowie das folgende Leben eines sich Weiterentwickelns – allerdings unter berechtigter Beibehaltung einer starken sozialen Grundeinstellung.
Freiligrath war kein Atheist, sondern Christ. Er wollte schon immer einen deutschen Staat und keinen utopischen internationalen Kommunismus ohne Staat. Für ihn war bei aller Solidarität mit dem Freiheitskampf anderer Völker das eigene Volk die Bezugsgröße, kein internationales Proletariat. Er stand damit ganz in der Tradition der jungen Nationalbewegung, die nur in sich hart um die richtige Lösung für den zukünftigen deutschen Staat kämpfte.
Man kann Freiligrath zwar kaum für die Alte Rechte reklamieren, in vielem steht er aber der heutigen Neuen Rechten nahe, wie sie etwa durch den wegweisenden Benedikt Kaiser mit seinem Sozialpatriotismus vertreten wird.
Mittlerweile ist die AfD die Partei der Arbeiter und der kleinen Leute geworden und man kann mit Sicherheit die Frage beantworten, wo Freiligrath heute stehen würde: Bestimmt nicht bei der neuen Reaktion, die dem Volk die freie Meinungsäußerung verweigern will, nicht bei den roten, grünen oder woken Spinnern und erst recht nicht bei denen, die das Deutsche Volk auszutauschen begonnen haben.
Mögen die Linken über diese Einschätzung entsetzt sein, Freiligrath hat sich aber letztlich doch von ihnen getrennt.
Realistisch und pragmatisch
Mit zunehmendem Alter sah Freiligrath die Chance von „Oben“ die wesentlichen Ziele des Deutschen Volkes zu erreichen. Ein wachsendes Bewusstsein auf der Seite der Herrschenden dafür, dass es ohne einen sozialen Ausgleich und eine Mitsprache im Politischen kein einiges Volk geben könne, führte ihn zu einer pragmatischen Versöhnung mit der einst bekämpften Herrschaft.
Er erkannte: Keine Internationale würde die Deutschen retten, war doch Deutschland auf sich gestellt und seit jeher von Feinden umgeben. Ein großer, starker National- und Sozialstaat war die Lösung.
Spätestens der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 zeigte, dass der Primat der Politik zunächst in einer nationalen Außenpolitik zu liegen habe:
„Hurra, Germania!“ vom 25.7.1870 (Auszug):
„Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania!
…
Das deutsche Volk ist eins!
Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania! Schwaben und Preußen Hand in Hand;
Der Nord, der Süd ein Heer!
Was ist des Deutschen Vaterland –
Wir fragen’s heut nicht mehr!
Ein Geist, ein Arm, ein einz’ger Leib,
Ein Wille sind wir heut!
Hurra, Germania, stolzes Weib!
Hurra, du große Zeit!
Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania! Mag kommen nun, was kommen mag:
Fest steht Germania!
Dies ist All-Deutschlands Ehrentag:
Nun weh dir, Gallia!
…
Für deutsches Recht, für deutsches Wort,
Für deutsche Sitt’ und Art –
Für jeden heil’gen deutschen Hort,
Hurra! zur Kriegesfahrt!
Hurra, hurra, hurra!
Hurra, Germania! Auf, Deutschland, auf, und Gott mit dir!
Ins Feld! Der Würfel klirrt!
Wohl schnürt’s die Brust uns, denken wir
Des Bluts, das fließen wird!
Dennoch das Auge kühn empor!
Denn siegen wirst du ja:
Groß, herrlich, frei, wie nie zuvor!
Hurra, Germania!
Hurra, Viktoria!
Hurra, Germania!“
Ein bewegtes Leben kommt zur Ruhe
Erst 1868 war Freiligrath nach turbulenten Zeiten mit finanzieller Unterstützung durch eine erfolgreiche Spendensammlung der „Gartenlaube“ nach Deutschland zurückgekehrt:
„Wir brauchen unseren Lesern nicht erst die Versicherung zu geben, daß Freiligrath trotz Verbannung und Lebenssorgen den Bestrebungen des deutschen Volks und des Fortschritts keinen Augenblick untreu geworden, daß er es endlich verdient hat, daß am nahenden Lebensabend mit dieser Anerkennung auch das Glück der Sorgenruhe ihn erfreue.“ (Heft 19/1867)
Die preußische Amnestie von 1861 und 1866 hatte ihn ausgeschlossen, weil er noch immer gerichtlich verfolgt war und nur ein Gnadengesuch ihm Straffreiheit gewährt hätte, was er abgelehnt hatte. So ließ er sich in Cannstatt nieder, das außerhalb der preußischen Rechtshoheit lag. 1876 ist Freiligrath gestorben.
Ein roter Patriot?
Ferdinand Freiligrath war noch zu jung, um am Freiheitskampf gegen Napoleon teilzunehmen. Dafür spürte und teilte er die wachsende Unruhe im Volk angesichts verweigerter Rechte und einer sichtbaren Verelendung von Teilen des Volkes. Dies führte ihn auf die Seite der Volksopposition. Dort engagierte er sich, besonders um das Jahr 1848 herum, rücksichtslos gegen sich selbst, bei den radikalsten Kräften der Volksoppositon. Doch stets blieb er sich treu und brach mit der Linken. Im Alter vertrat er die Einheit von Volk, Staat und Nation. Fälschlicherweise von den Linken bis heute für sich reklamiert, blieb Freiligrath ein sozial eingestellter Patriot. Er mahnt bis heute die neue deutsche Rechte, den sozialen Bereich nicht der Linken zu überlassen.







