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Mit Rühmann ins Kaiserreich – Der Hauptmann von Köpenick (1956)

Carsten Jung von Carsten Jung
10. Februar 2026
in Film
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Nichts ist schlimmer, als wenn unsere ahistorischen Bundesbürger meinen, moralische Überlegenheit zu demonstrieren, indem sie auf das alte Deutschland nachtreten. In ihrem beschränkten Horizont können sie sich nicht vorstellen, dass die Menschen einmal ganz andere Werte hatten und auch ihre Postmoderne nur ein Durchgangsstadium ist. Nein, solche überheblichen Versuche gilt es gekonnt zu ignorieren und sich stattdessen direkt an der Quelle zu informieren.

Zuckmayer: Soldat und Dichter

Eine dieser Quellen ist Carl Zuckmayer, der Autor des dem Film zugrundeliegenden Theaterstücks. Er stammt aus der Zeit, über die er schreibt. Baujahr 1896, hat er keine Wahl, als das Kaiserreich mit der Muttermilch aufzunehmen. 1914 meldet er sich als Freiwilliger und zieht für sein Vaterland in den Krieg. In den kommenden Jahren verdient er sich mehrere Abzeichen, darunter das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse. Machen wir es kurz: Er weiß, wovon er schreibt.

Darüber hinaus lehnt sich die Geschichte des Stücks an eine wahre und skurrile Begebenheit an, die damals tatsächlich so stattgefunden hat und für viel Aufsehen sorgte. Zuckmayer schmückte die Begebenheit aus, um daraus eine gesellschaftskritische Tragikomödie zu formen. Ich hatte das Glück, dass wir den Hauptmann von Köpenick in der Mittelstufe gelesen und ausführlich besprochen haben. Denn welcher Jugendlicher ist schon mit den Umgangsformen und der Sprache aus dem Berlin der Kaiserzeit vertraut? Aber erst nach einer Eingewöhnung kann sich die identitätsstiftende Wirkung auch wirklich entfalten.

In den Mühlen der Bürokratie

Nun zum Inhalt: Schuster Wilhelm Voigt ist nach einem langen Gefängnisaufenthalt wieder auf freiem Fuß. Endlich will er ein ehrliches Leben beginnen. Aber er hat die deutsche Bürokratie unterschätzt! Um Arbeit zu finden, braucht er eine Aufenthaltsgenehmigung, für die er wiederum einen Arbeitsplatz benötigt. So quält er sich von Behörde zu Behörde, ohne je an die Papiere zu gelangen, die er braucht. Na, wen erinnert das an den Passierschein A38?

Es handelt sich um eine beißende Kritik an einem realitätsfernen, bürokratischen Apparat, der nicht mehr dem Menschen dient, sondern sich verselbstständigt hat. Darüber hinaus nimmt Zuckmayer einen übersteigerten Militarismus ins Visier, der oberflächlich bleibt und den Menschen auf seinen Dienstgrad reduziert. Berühmt ist die Szene, in der Voigt den Beamten nach Arbeit fragt und direkt angebellt wird: „Ham’se jedient?!“. Als Voigt erwidert, er sei in Maschinenarbeit ausgebildet worden, erntet er nur Unverständnis. Das, worauf es ankommt, ist doch das Militär!

Uniformen machen Leute

Auf originelle Weise wird in einem zweiten Handlungsstrang die Geschichte einer Hauptmannsuniform erzählt, als wäre sie eine eigene Persönlichkeit. Im Finale kreuzen sich schließlich die Wege: Voigt erwirbt in einem Gebrauchtwarenladen die Uniform. Mit einem Schlag wird aus dem verlotterten Herumtreiber eine hochgeachtete Führungsperson! Voigt nutzt sogleich seine neu gewonnene Autorität, spricht die erstbeste Patrouille an, die er trifft, nimmt mit ihnen das Rathaus in Köpenick in Beschlag und setzt den Bürgermeister fest, um sich endlich Papiere ausstellen zu lassen.

Dieser Teil ist nicht erfunden! Wilhelm Voigt hat tatsächlich 1906 als Hauptmann verkleidet das Rathaus von Köpenick besetzt. Der Tenor auf die historische Tat war einhellig: „Das kann es nur in Deutschland geben!“. Es folgte ein großes Presseecho und schließlich wird Voigt sogar von Kaiser Wilhelm II. begnadigt und frühzeitig aus der Haft entlassen.

Nach 70 Jahren hinter dem Raketenschild der USA kann sich in unserem wohlstandsverwahrlosten „Buntland“ niemand mehr vorstellen, welch hohes Ansehen das eigene Militär einst genossen hat. Doch eins lässt sich nicht ausrotten: Der typisch deutsche Untertanengeist. Spätestens bei den Coronamaßnahmen haben wir Deutschen wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, dass wir alles mit uns machen lassen, wenn es bloß von einer Autorität kommt.

Charmante Verfilmung und starker Rühmann

Bei der Verfilmung bestand Helmut Käutner darauf, dass Heinz Rühmann die tragische Rolle des Wilhelm Voigts übernimmt. Und Rühmann nutzte die Gelegenheit, um unter Beweis zu stellen, was für ein vielseitiger Schauspieler er ist. Als kleiner, älterer Herr mit knarziger, gepresster Stimme und zerzaustem Haar wandert er durch Berlin. In seinem zerknirschten Gesicht spiegelt sich das Schicksal Voigts glaubwürdig wider.

Der Film punktet mit seinen Figuren, die alle eine charmante, ihrer Schicht und Herkunft entsprechende Wortwahl pflegen und den dazugehörigen Dialekt sprechen. Überwiegend handelt es sich dabei um die Berliner Mundart, aber es gibt auch Ausnahmen, so spricht ein Soldat den ausgestorbenen Dialekt der Ostpreußen. („Nejn, das kann ich nicht lejden!“) Dazu kommt der sympathische Grundton eines 50er Jahre Films und urige Kulissen, die uns glaubhaft in das Jahr 1908 zurückversetzen.

Die Figuren sind, wie es sich für eine Komödie gehört, humoristisch überzeichnet. Und doch wirken sie nie plump oder unsympathisch. Das führt zu vielen kuriosen und lustigen Momenten, die aber nie das tragische Schicksal Voigts überdecken. Den Film durchziehen somit eine Ernsthaftigkeit und Bodenständigkeit, die den deutschen Charakter ausmachen. All das ist eine erholsame Abwechslung zu den aufdringlichen und kitschigen Filmen, wie wir sie aus Hollywood kennen. Und im Gegensatz zu zeitgenössischen Produktionen aus der Bundesrepublik kommt er auch ganz ohne den arroganten moralischen Zeigefinger aus.

Fazit

Die Gesellschaftskritik bleibt so aktuell wie nie. Der Film zeigt das Ringen mit einer technisierten, bürokratischen Welt, in der nicht zählt, wer du bist, sondern was in den Akten vermerkt wurde. Voigt bringt es auf den Punkt, als er klagt: „Wo isse denn, die Heimat? Im Polizeirevier? Oder hier im Papier? Ick seh ja keene Heimat mehr vor lauter Bezirke.“ Übertragen auf unsere Zeit ist dies die Kritik an einer verbreiteten Denkweise, nach der angeblich ein Pass genügt, um die Zugehörigkeit von Menschen zu einer auf Abstammung und Kultur basierenden Schicksalsgemeinschaft zu bestimmen.

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Wenn du die Fassung bereits kennst, dann lohnt es sich, einen Blick auf die Verfilmung aus dem Jahr 1930 zu werfen. Als früher Tonfilm etwas kälter und ernster, kann er mit eigenen Akzenten überzeugen.

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Carsten Jung

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