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Gauner in den eigenen Reihen – Wenn aus Widerstand ein Geschäftsmodel wird

Richard von Richard
24. September 2026
in Neue Rechte
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Gauner in den eigenen Reihen – Wenn aus Widerstand ein Geschäftsmodel wird
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Seit der Corona-Zeit hat die Zahl der „Nicht-Normies“ oder kritischer denkenden Menschen deutlich zugenommen. Man mag sie nennen, wie man will — Schwurbler, Alternative, Rechte oder sonst wie –, sie eint in jedem Fall, dass sie eine Skepsis oder gar Ablehnung gegenüber der Regierung und der aktuellen Gesellschaftsentwicklung aufweisen.

Parallel dazu ist auch das Angebot an alternativen Medienformaten stark gewachsen. Besonders auf Telegram, aber auch auf YouTube und X entstehen immer mehr Kanäle, die politische Einordnungen vornehmen, Sachverhalte „erklären“ oder vorgeben, Journalismus zu betreiben. In Ermangelung eines passenderen Begriffs werden diese Medien im Weiteren als alternative Medien bezeichnet. Ebenso wird im Folgenden widerwillig der Begriff Influencer verwendet, um den Mediendarsteller mit Masseneinfluss zu beschreiben.

Fehlendes kritisches Denken auf allen Seiten

Viele Medienbürger folgen der veröffentlichten Meinung der ÖRR-Medien, von Funk und linken Streamern bedingungslos. Genauso glauben viele Anhänger der alternativen Medien ihren Quellen oft kritiklos. Auf beiden Seiten werden die präsentierten „Fakten“ von den meisten Zuschauern kaum hinterfragt oder geprüft. Memes gelten als Argumente, werden ungeprüft geteilt und ihr Inhalt als Wahrheit akzeptiert. Diese Eigenschaft ist unabhängig von der politischen Einstellung und rührt vermutlich aus dem Wunsch nach (fähiger) Führung. Vielleicht ist es einfach das Denken des Untertanen — ein Denken, das vom Mittelalter und weit davor bis heute weitervererbt wurde. Der Wunsch danach, dass einer über einem selbst sagt, wie man zu denken und zu fühlen hat.

Doch das bedingungslose Vertrauen, welches die geistigen Untertanen ihrem Influencer-Führer entgegenbringen, leitet sie nur von den mächtigen Gaunern der Massenmedien und Politiker zu den weniger mächtigen Gaunern der alternativen Medien.

Unterhaltung statt Aufklärung

Neben den eher aufrichtigen Medienmachern gibt es jedoch auch reine Entertainer. Sie wollen nicht primär informieren oder aufklären, sondern Ereignisse als Sensation und Unterhaltung verkaufen. Die Akteure des YouTube-Kanals „Konsequent Frei“ bezeichnen diese Entertainer — oder eigentlich generell diese Art der Medien — treffend als „Political Cinematic Universe“ (PCU). Ziel dieses „Universums“, also der Szene, ist Unterhaltung durch politische Beiträge, nicht primär die eigentliche Verbreitung von Information und Wissen.

Übertriebene Titel und Titelbilder (Thumbnails) ziehen Zuschauer an, spektakuläre Shows und Emotionen halten diese. Schaut man sich den Beitrag an, wird er zusätzlich unnötig in die Länge gezogen, nur um am Ende folgende Frage offen zu lassen:

„Was ist nun so wichtig?“ Die Überschrift, wie man es auch von der Klatschpresse kennt, ist übertrieben hochgespielt, der Inhalt wertlos.

Nach den Spenden zum niederen Werbeartikel

Wenn der Spendenfluss nicht mehr ausreicht oder erkannt wird, dass speziell Boomer und Gen X bereit sind, ihr Geld auch für Werbeartikel auszugeben, um ihre politische Gesinnung und Influencer-Vergötterung ganz öffentlich und ohne Scham zur Schau zu stellen, erfolgt der logische Schritt dahin, eigene Werbeartikel (englisch: Merchandise) zu vermarkten. Sei es ein (unstylischer) Modeartikel mit politischem Gesinnungsspruch oder der Aufdruck des eigenen Kanals auf Shirts, Caps und Tassen.

Dabei erinnert das tatsächliche Tragen der Kleidung eher an Kinder und Jugendliche, die ihren Freunden zeigen und beweisen wollen, dass sie dazugehören, dass sie diese oder jene Musikband, diesen Sänger, diese Sportmannschaft oder das neueste künstlich aufgebauschte Computerspiel verehren.

In diesem Zusammenhang gibt es dann noch besonders gewiefte Medien, die den Kunden vermeintliche Wertgüter zur Sammlung und Anlage verkaufen: so als Beispiel der Höcke-Taler oder die Alice-Weidel-Kanzlermedaille von Compact oder AUF1. Der Geschmacklosigkeit sind hier keine Grenzen gesetzt.

Das schnelle Geld

Noch problematischer wird es jedoch, wenn Influencer „Get-rich-fast“-Produkte anpreisen.

Man kennt es zuhauf von YouTube: Man möchte ein Video anschauen und muss sich zunächst mindestens 20 Sekunden anhören, wie der Protagonist der Werbung ein Interesse daran habe, dass man schnell reich werde. „Höre auf meine fünf Schritte, die es heute zum Sonderpreis gibt, und du wirst schnell reich werden.“ Nun, diese Masche ist bekannt und vielfach thematisiert. Selten werden die Produkte kritisiert, die grundsätzlich denselben Charakter aufweisen wie YouTube-Werbevideos, jedoch aus der eigenen Blase beworben werden.

Ein derartiges Produkt möchte ich hier exemplarisch vorstellen.

ProfitWallet

ProfitWallet startete als Kryptoprojekt im Frühjahr 2022. Die Grundidee bestand darin, auch Kleinanlegern einen vergleichsweise einfachen Zugang zum damals stark wachsenden Kryptomarkt zu ermöglichen. Anstatt selbst einzelne Kryptowährungen, NFTs oder Mining-Projekte auszuwählen und separat in diese zu investieren, sollte ProfitWallet das Kapital der Teilnehmer über verschiedene Bereiche des digitalen Anlageuniversums verteilen — ähnlich wie bei ETFs.

Der Zugang zum Konto und zu Informationen erfolgte zunächst nicht über eine klassische Investmentplattform, sondern im Wesentlichen über einen Telegram-Bot. Ja, richtig: einen Telegram-Bot. Dort konnten Einzahlungen, Guthaben, Reinvestitionen und Auszahlungen verwaltet werden. Und eigentlich hätte die Erzählung hier enden können, denn wer nutzt einen Telegram-Bot für Investitionsvorhaben? Ein Portal, welches damit wirbt und zu der Zeit noch massiv vorgegeben hat, nicht mit Behörden zu kooperieren und maximale Anonymität zu wahren. Wie sollte man daher sicher sein, dass der Bot wirklich das macht, was er soll, und dass das Geld wirklich an jene geht, an die es gehen soll? Es ist reines Vertrauen, Kontrolle ausgeschlossen.

In verschiedenen Darstellungen wurde mit täglichen Renditen von ungefähr 0,1 % geworben. Das entspricht bei einer einfachen Hochrechnung etwa 36,5 % pro Jahr.

Zur Einordnung: ETFs oder gezielte Standard-Aktiensparpläne versprechen in der Regel Renditen von ca. 4–7 % pro Jahr. Der Vermögensaufbau zieht sich hiermit über Jahrzehnte. Mit einem deutschen Durchschnittseinkommen bis zum Standard-Ingenieursgehalt und gewöhnlichem Sparplan sind damit keine Millionen zur Rente der Boomer oder Gen X in Sicht, aber dennoch ein gutes Startkapital für die Nachkommen.

Wurde der Telegram-Bot noch nicht als Warnung verstanden, so hätten die hohen Renditeversprechen Skepsis wecken sollen. Jedoch nicht bei den „kritischen“ Journalisten und Truthern wie Oliver Janich, dem Digitalen Chronisten oder Oliver Flesch. In gewohnter Arroganz berichten sie über die großen Chancen, gepaart mit dem nunmehr seit Jahrzehnten garantierten Totalabsturz Deutschlands, Europas und der Welt. Nur Krypto im Allgemeinen und ProfitWallet im Speziellen könnten den eigenen Wohlstand sichern und die Freiheit bewahren.

Es ist hier nicht zu verheimlichen, dass auch die genannten Influencer auf mögliche Totalausfallrisiken hingewiesen haben — sonst wäre es strafrechtlich relevant gewesen. Doch reicht es aus, auf der einen Seite in einigen Nebensätzen die Risiken zu benennen, um jeden Skeptiker als Idioten zu brandmarken, den Wirtschaftscrash herbeizureden und zu erklären, dass die Skeptiker Krypto wegen ihres geringen IQs nur nicht verstanden hätten? Nun, das soll der Leser entscheiden.

ProfitWallet heute

ProfitWallet zahlt angeblich nun seit ungefähr einem Jahr die Investoren aus und scheint umfirmiert bzw. umbenannt worden zu sein in ProfitWorld.

Die meisten (kleinen) YouTuber, die ProfitWallet anfangs noch massiv beworben haben und vermutlich vom Pyramidenschema profitieren wollten, indem sie ahnungslose Opfer fanden, haben ihre Kanäle gelöscht. Der ProfitWallet-YouTube-Kanal ist ebenfalls verschwunden, und auch die „Gründer“ scheinen öffentliche Präsenz zu vermeiden. Wenn es nur ein schlecht verlaufenes Projekt war — ist das dann nötig?

Während der Digitale Chronist nach einer heftigen Kritik seiner eigenen Fans die Bewerbung dieses Produkts bereits zeitig einstellte, hatten Janich und Flesch noch lange dafür geworben. Flesch hat nun allerdings ebenfalls derartige Beiträge auf Telegram gelöscht. Janich jedoch nicht. Unter dem YouTube-Video von „Mad in Germany„, der sich über mehrere Videos mit dem Thema beschäftigte und auch auf andere Beiträge verweist, verteidigt Janich ProfitWallet und weist alle Vorwürfe von sich — inklusive der indirekten Androhung rechtlicher Konsequenzen, sollte man von „Betrug“ reden. Die Auszahlungen würden laufen und es sei von vornherein klar gewesen, dass es ein riskantes Projekt sei. Es sei nie als Ponzi-Schema angedacht gewesen noch sei es dies je gewesen.

Nun, wer den Janich-Lebenslauf verfolgt, wird hier die eine oder andere Finanzwerbung finden, die für die Kleinanleger nicht ideal gelaufen ist — aber dieses Muster ist schließlich nur Zufall und auch er nur Opfer der Täter und natürlich des Staates.

Wie dem auch sei: Die Größe der Influencer verschafft ihnen natürlich einen gewissen Schutz. Die Boomer-Fans werden weiterzahlen und weiter investieren, sobald die nächste Investitionsmöglichkeit ansteht. Die übrigen Kanäle und Influencer profitieren durch gegenseitige Bewerbung natürlich von der Reichweite untereinander und vermeiden daher derartige Themen. Man will auf die Bösen außerhalb der Blase zeigen und nicht aufzeigen, dass sich die eigene Blase gar nicht anders verhält.

Wie schadet das alles der Neurechten?

Nun, auf der einen Seite könnte einem das Schicksal der Anleger und Käufer auch egal sein — es betrifft schließlich nur wenige Bürger, die aus Scham auch nicht weiter darüber reden werden.

Ob es schadet oder nicht, ist eine Frage des Ziels. Was will man als Neurechter? Ist das Ziel begrenzt auf Remigration und kurzfristige politische Gestaltung? Dann sollte man die größeren Kanäle ihre Geschäfte so durchziehen lassen. Man sollte Compact nicht dafür kritisieren, dass es billige fanatische Produkte an Fans verkauft, und auch Akteure wie Oliver Janich sollte man nicht kritisieren, wenn erneut ein Investment, welches er innig beworben hat, baden gegangen ist.

Sofern man als Neurechter, als neurechter Influencer oder neurechtes Medium eher den gesellschaftlichen Wandel hin zu Exzellenz anstrebt, so sind die oben dargestellten Methoden und die damit verbundenen Influencer natürlich zu kritisieren und auszuschließen.

Lösung

Der Fokus von Influencern sollte auf der Förderung und Hervorhebung besonderer Kulturgüter liegen sowie auf dem Verbreiten von Wissen — philosophisch, aber auch allgemein naturwissenschaftlich — bzw. darauf, selbst Wissen zu vermitteln und zu „influencen“.

Gleichzeitig muss parteiseitig wie auch unter den bürgerlichen Anhängern eine finanziell förderlichere Haltung entstehen, die es den Influencern ermöglicht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Influencer, die unabhängig von Spenden leben können (etwa durch Sponsoring), sollten Spendenaufrufe einstellen und die Annahme von Spenden ablehnen.

Der Fokus auf Influencer-Reichtum durch die Bespielung der rechten Massen ist nicht akzeptabel. Es bedarf einer gewissen Disziplin und Ernsthaftigkeit — sofern dasselbe Ziel und nicht ausschließlich das eigene verfolgt wird.

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Richard

Richard

Ingenieur aus Niedersachsen. Ich beschäftige mich in meiner Freizeit mehr mit Technik als mit Politik oder Gesellschaftsthemen, dennoch ist es mir ab und an ein Anliegen, meine Gesellschaftskritik niederzuschreiben.

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