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Er hat „Dresden im Feuersturm“ gezeichnet! – Interview mit Gerhard Schlegel (2/2)

Carsten Jung von Carsten Jung
29. Oktober 2026
in Literatur
0
Er hat „Dresden im Feuersturm“ gezeichnet! – Interview mit Gerhard Schlegel (2/2)
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Dies ist die Fortsetzung des Interviews Der mutigste Comiczeichner Deutschlands – Interview mit Gerhard Schlegel.

Viele dürften heute deine Arbeit für Hydra Comics kennen (z. B. „Die Befreiung von Nemmersdorf“), die du aber oft unter diversen Pseudonymen veröffentlicht hast, zuletzt unter Rango Wohlgemut. Jetzt hast du mit „Dresden – Im Feuersturm“ nachgelegt. Kannst du uns etwas über die Entstehung sagen?

Gerhard: Ich wollte immer mal einen Comic über die Vertreibung der Sudetendeutschen machen, am Beispiel meiner Familie. Das ging mir aber irgendwie selbst zu nahe, und ich habe es aufgegeben. Dann kam das Angebot für Nemmersdorf, und es gab ein Crowdfunding, was sehr gut lief. Der Comic wurde sogar in einem wichtigen mainsteam Comicmagazin von einem sehr renommierten Comicfachmann besprochen, der emfahl ihn in den Schulen zu behandeln, wofür er ebenfalls üble Anfeindungen bekam und Geld verloren hat.

Der Comic hatte aber keine richtigen Hauptfiguren. Er schilderte, wie Nemmersdorf für kurze Zeit zurückerobert wurde und was die Soldaten dort vorfanden.

Der Autor hat sich sehr intensiv damit auseinandergesetzt. Es gab sogar ein paar Filmschnipsel von der tatsächlichen Rückeroberung und Fotos von allen Gebäuden. Mit Google Earth kann man das heutige Nemmersdorf virtuell erkunden, und viele Häuser stehen noch wie vor 80 Jahren. Ich glaube, wir sind da relativ nahe am tatsächlichen Geschehen gewesen. „Dresden – Im Feuersturm“ ist da anders. Ich lernte einen Profiautor kennen, der das schreiben wollte. Wir brauchten eine Weile, um den richtigen Zugang zu finden.

Wir glauben, dass der Nemmersdorf-Comic das historisch interessierte Publikum gut angesprochen hat, aber wir wollten eine richtige Geschichte erzählen, mit Hauptfiguren, Anfang und Ende.

In Dresden beginnt ein normaler Tag – aus „Dresden im Feuersturm“

Wir wollten das Leben in Dresden am Tag der Bombardierung zeigen: die vielen Flüchtlinge, die die Stadt zum Bersten füllten, die Angst und die Hoffnung auf ein Ende des Krieges. Ich habe mich auch gefragt: Wie gut waren die Gottesdienste damals besucht? Jeder kannte die Geschichten von Nemmersdorf und wusste, wie es den Frauen und Mädchen dort ergangen war. Jeder hatte Söhne, Brüder, Väter, Ehemänner und Freunde, die unter großen Opfern noch die Front hielten, damit sich Nemmersdorf nicht auch in Dresden wiederholte. Ich denke, die Kirchen waren voll. Wir wollten Menschen zeigen, die freundlich sind, Probleme haben und Freundschaften schließen. Menschen, die sogar noch zusammen in den Zirkus gingen. Und Fasching war ja auch noch.

Ich musste wissen: Wie sah der Zirkus Sarrasani ’45 aus? Es gibt ein Foto vom Inneren, allerdings ohne Beleuchtung. Es gibt sogar eine Filmaufnahme des Clowns, der den Fliegeralarm verkündete. Wir haben viel reingepackt, aber alles ging halt nicht. Wir haben so gut recherchiert, wie es uns als Nichtdresdnern möglich war. Sicher werden wir trotzdem Fehler gemacht haben, die man uns hoffentlich verzeiht. Bei den Hydra-Heften zeichne ich meist eine Geschichte, in der Regel die erste, und natürlich einige Titelbilder. Außerdem koloriere und tusche ich die Arbeiten anderer Zeichner, damit sie nicht erkannt werden.

In Deutschland ist die Geschichte politisch umkämpft. Manche Opfer sollen nicht gezeigt werden. Du machst es trotzdem. Wieso?

Der Bombenterror beginnt – aus „Dresden im Feuersturm“

Gerhard: Man muss immer da hinschauen, wo es wehtut, wo es unangenehm ist. Man muss hinsehen, aber auch aufpassen, dass man sich nicht in der Opfermentalität suhlt, wie es die Linken und andere Gruppen machen. Wer sich als Opfer sieht, wird immer eins bleiben, und das wollen wir nicht. Ich mache auch die Süddeutsche Zeitung nicht für meine Probleme verantwortlich. Das war meine Entscheidung. Ich bin kein Opfer, ich bin meinen Weg gegangen. Im Nemmersdorf-Comic haben wir die Heldentat, den Ort zu befreien, in den Vordergrund gestellt und die Verbrechen dann in Rückblenden gezeigt. Mit dem Dresden-Comic wollten wir auch etwas Positives zeigen. Unsere Helden, ein junger Soldat und ein Flüchtlingsmädchen, genießen den friedlichen Tag und kämpfen sich zusammen durch die Bombennacht. Sie geben nicht auf und gehen immer weiter, egal, was kommt.

Du hast nicht nur für die AfD gezeichnet, sondern bist auch AfD-Mitglied. Oft hört man, dass Kunst nicht politisch werden darf, weil sie dann in den Bereich der Propaganda rückt. Wie siehst du das?

Gerhard: Ich trenne nicht zwischen Kunst und Propaganda. Ist ein Film wie „Easy Rider“ Kunst? Ja. Ist er linke Propaganda? Ja. Mehr oder weniger ist jede Art von Kunst auch politisch, bewusst oder unbewusst. Selbst Religion ist politisch, am Ende womöglich sogar der liebe Gott.

Die AfD ist oft … schwierig. Insbesondere, wenn es darum geht, über den Tellerrand hinauszublicken. Was erwartest du von der Partei? Wie soll sie mit Kunst und Künstlern umgehen?

Gerhard: AfD-Politiker sollen zuallererst mehr Videos von Outdoor Illner schauen und das Buch von Christian Illner lesen, dann wird’s schon klappen. Auch Benedikt Kaiser kann ich sehr empfehlen. Es gibt in der Partei gute Leute. Natürlich haben die meisten keine Ahnung von Kunst, aber einige sind offen und klasse. Ich wurde und werde auch immer wieder durch Aufträge unterstützt. Ich könnte da eine lange Liste erstellen und bedanke mich hier bei allen, die mich in den letzten Jahren unterstützt haben. Weitsichtige Politiker setzen auf die Unterstützung des Vorfelds (inkl. Kunst und Kultur). Das ist das Rückgrat der AfD und FPÖ, weil sie ein starkes Bindeglied zu den Wählern und Mitstreitern ist, abseits der Tagespolitik.

Im Internet wird immer mehr KI eingesetzt, um Grafiken zu generieren. Oft von Laien, die die Resultate gar nicht einschätzen können. Auch wir nutzen für unsere Thumbnails KI. Was ist deine Meinung zur künstlichen Intelligenz?

Gerhard: Die KI ist schon gut, aber nix für mich. Man kann KI-Bilder gut für Wegwerfprodukte verwenden, wie Internetkacheln, die morgen schon wieder nicht mehr aktuell sind. Auch auf Websites wirkt das oft professionell, wie bei euch.

Laien spielen halt gerne rum. Als die Computergrafik neu war, so Ende der 80er, gab es auch viele Laien, die totalen Mist produziert haben. So was wird’s immer geben. Ich bin da entspannt, vielleicht wächst man ja auch daran. Wir lernen zu unterscheiden, was KI ist und was echt. Auch wenn es schwer wird: Vielleicht erkennen wir dadurch, was echte Kunst ist, was das Handgemachte bedeutet und wie wertvoll sie ist. Die KI ist da und wird bleiben. Wir müssen misstrauisch sein und alles hinterfragen … Ich bin ein Kind der 80er, ich habe Terminator gesehen und weiß, was passieren kann. *lacht* Es ist eine große Herausforderung für alle, in allen Bereichen.

In der Vergangenheit hattest du für das Arcadi-Magazin „Outdoor Illner“-Comics gezeichnet. Leider hat Christian bekannt gegeben, sein Satire-Projekt nicht mehr fortzusetzen. Was hat dich an Outdoor Illner fasziniert?

Outdoor Illner trifft auf Zombies! – Auszug aus dem Arcadi-Magazin

Gerhard: Ja, da muss ich eine Lanze für Yannick Noé und sein Arcadi-Magazin brechen, das war ein guter Ansatz. Ein junges rechtes Lifestyle-Magazin hätte halt ein deutlich höheres Budget gebraucht, um erfolgreich zu sein.

Durch Arcadi ist einiges ins Rollen gebracht worden. Du hast Thymos gegründet, wo ja Arcadi-Autoren wie Thunderbernd schreiben, den ich sehr, sehr cool finde. Die Comics mit Outdoor Illner habe ich vorgeschlagen und Christian Illner darauf angesprochen. Er ist einfach toll, witzig, und er verarscht sich auch selber. Rechter Humor ist ja oft nicht so spannend. Wir lachen halt immer über die doofen Linken, aber eben selten über uns selber. Wenn man sich unter Rechten trifft, macht man sich ja auch übereinander lustig. Der Humor ist also da, aber er dringt nicht nach außen. Outdoor Illner ist der rechte Antiheld. Nebenbei: Nikolai Binner ist schon auch toll, aber eben etwas gefälliger, was auch gut ist.

Auch Illners philosophische Gedanken gefallen mir. Christian hat eine Menge Outdoor-Videos gemacht. Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören. Jetzt zieht er weiter, das ist in Ordnung, und wir sollten es auch so tun, in der Gefährtenschaft. Er will das rechte Lager qualitativ verbessern. Und ja, wir müssen an uns arbeiten. Wir sind die Besseren und müssen uns auch so verhalten – eben richtig verhalten. Trotzdem hoffe ich, noch weitere Comics mit Illner zusammen zu machen. Er hat sein Aussehen verändert und unterscheidet sich nun auch optisch von seiner Kunstfigur Outdoor Illner. Dadurch kann er keine Outdoor Illner-Videos mehr machen, aber Comics oder Romane mit der Figur könnte er schreiben. Seine witzige Seite ist nicht zu unterschätzen. Es gibt zu wenig rechte Unterhaltung. Ernsthafte rechte Autoren gibt es viele, aber so extremwitzig und gleichzeitig tiefsinnig ist nur er. Ich werde mit ihm auf der „Seitenwechsel“-Messe mal reden, falls ich ihn treffen sollte, in der Zukunft ist alles möglich.

Möchtest du uns abschließend noch etwas sagen?


Gezeichnete Cover von Gerhard Schlegel

Gerhard: Ja, egal, wie viele Tiefschläge wir einstecken: Sie machen uns nur noch besser. Durch mein Outing in der Süddeutschen Zeitung bin ich sozusagen ins kalte Wasser gestoßen worden. Dadurch konnte ich mich menschlich und künstlerisch enorm weiterentwickeln. Auch wirtschaftlich komme ich klar, dank vieler Unterstützung. Wir sind auf dem richtigen Weg, im Vorfeld etwas aufzubauen. Durch mich haben sich dann auch andere Künstler getraut, zum Beispiel bei Hydra Comics mitzumachen. Ich hatte auch einen gewissen Einfluss auf die Gründung des Kinderbuchverlags Klein & Ehrlich. Die Strategie der Linken ist dabei nicht aufgegangen.

Heute zeichne ich Titelbilder für Vorfeldmagazine, für Comics, für Verlage und wirke an zahlreichen Projekten mit. Ich konnte sogar schon ganze Ausstellungen gestalten. Wir haben viele tolle Leute in unseren Reihen, und es macht richtig Spaß, mit denen zusammenzuarbeiten. Ich bin total gespannt, was noch alles kommen wird und welchen Einfluss wir auf die Kultur in diesem Land haben werden.

Wer meine Comics kennenlernen will, kann auf der Messe „Seitenwechsel“ in Halle zum Hydra-Stand kommen. Dort werde ich wieder zeichnen und signieren.

Vielen Dank für das Interview!

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Carsten Jung

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"Warum stürzen sich so viele Autoren immer auf die Tagespolitik, wenn wir dabei die Gelegenheit verpassen, unsere eigene Kultur zu schaffen?"

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