Dr. Axel Stoll liebte ja bekanntlich Katastrophen. Verständlich – liefern sie im Nachhinein doch stets Stoff für epische Erzählungen. So auch der Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahre 1986, der die Saat für ein ganz neues Genre postapokalyptischer Epen legte: die coolen Computerspielserien Metro, Fallout und natürlich S.T.A.L.K.E.R., dazu Romane, Filme und Dokumentationen zuhauf – und als Krone all dessen die wundervoll düster-atmosphärisch inszenierte Miniserie „Chernobyl“, die das Geschehen rund um die Nuklearkatastrophe mit zwar nicht perfekter, aber doch erstaunlicher Akkuratesse rekonstruiert.
„Chernobyl“ gilt als eine der besten Serien überhaupt, belegt in der IMDB-Liste der 250 besten Serien Platz fünf – und soll dem Leser heute nachdrücklich anempfohlen werden!
Oookay. Meine russische Freundin Lana schrieb mir zwar damals über die Serie:
„I havent seen no one part. But according my Facebook Russians and Ukrainians do not like this serial. Things What they did were more great!“
Und es mag auch wirklich sein, dass die damaligen Sowjetbürger noch viel spektakulärere Großtaten vollbrachten, um der Katastrophe Herr zu werden, als die Serie darzustellen vermag – und trotzdem begeistert mich vor allem … das authentische Heldentum, dessen Zeuge sie uns werden lässt!
Heldentum schlägt Superheldentum
Während Linke gerne Opfer in den Mittelpunkt stellen, favorisieren wir Rechte Helden. Linke mögen Helden eher nicht – straft doch ihre Existenz das linke Ideal von Gleichheit Lügen. Kein Wunder also, dass Helden in der von Linken dominierten Filmbranche immer seltener werden. Bestes Beispiel ist Game of Thrones, in dem es zwar um „Ritter“ geht, welche sich aber komplett unritterlich verhalten und höchstens noch als Antihelden durchgehen.
„Superhelden“ sind ebenfalls keine Helden. Es sind irgendwelche Leute, die zufällig Zauberkräfte und de-facto-Unsterblichkeit geschenkt bekommen, und dann einfach eine Lifestyle-Entscheidung treffen:
„Wow. Ich bin jetzt also unverwundbar und kann Laser aus den Augen schießen! Na dann … jag ich jetzt wohl mal Verbrecher, wie? Für irgendwas … muss das ja gut sein!“
Ulkigstes Beispiel ist natürlich „Hulk“, der sogar Superheld wider Willen ist. Dr. Bruce Banner möchte eigentlich nur sein langweiliges Spießerleben mit Eigenheim und Doppelgarage führen. Doch sobald er sich aufregt, bekommt er einen fulminanten Thymos-Schub und mutiert zum Rachemonster. Wofür er sich im Nachhinein dann unsagbar schämt.
Sorry, aber Heldentum ist etwas ganz anderes. Zufällig erhaltene Zauberkräfte machen keinen Helden – sondern dessen Haltung! Ein Held wartet nicht darauf, dass ihm ein schiefgegangenes Laborexperiment eine Superkraft und somit einen enormen Vorteil verschafft, sondern handelt unter Lebensgefahr mit begrenzten Mitteln entgegen widrigsten Umständen. Ein Held ist per Definition anti-nihilistisch: Für ihn gibt es eine Sache, die größer und wichtiger ist als er selbst, und für die es lohnt, sich zu opfern.
Angesichts dieser um Heroen schlecht bestellten Fernsehlandschaft war es umso erfrischender, als HBO 2019 mit der linken Tradition der Helden-Dekonstruktion brach und mit „Chernobyl“ eine Produktion vorlegte, die vor Heldentum geradezu strotzt!
Legassow – der Mann der Tat
Der Held, um den es sich hauptsächlich dreht, ist der Wissenschaftler Waleri Alexejewitsch Legassow. Ein einfacher Mann, ein rechtschaffener Mann, ein Arbeiter. Er führt ein beschauliches und bescheidenes Leben – und im nächsten Moment muss er plötzlich die wohl größte menschgemachte Umweltkatastrophe der Geschichte managen! Er könnte kneifen, tut er nicht. Im Gegenteil, er setzt sich voll ein, kämpft wie ein Löwe darum, die tumben und begriffsstutzigen Mitglieder des obersten Sowjets (oder wie auch immer die Apparatschiks um Gorbatschow hießen) von der gewaltigen Gefahr zu überzeugen.
Danach fliegt er direkt nach Tschernobyl, nimmt das Heft des Handelns in die Hand. Wohl wissend, dass er sich damit einer potenziell lebensverkürzenden Verstrahlung aussetzen kann. Während andere sich auf Berichte verlassen, will er um der Sache willen verlässliche Daten und Eindrücke und die kriegt er nur mit eigenen Augen: Graphit-Trümmer auf dem Dach oder eine Geigerzählermessung, die das wirkliche Ausmaß der austretenden Strahlung offenbart, die in Chernobyl auf die Einsatzkräfte wirkt: 15.000 Roentgen statt der drei Roentgen aus den geschönten Berichten.
Er verhindert, dass aus dem Reaktorunglück eine noch viel größere, globale Katastrophe wird. Legassow ist ein Mann, der tut, was getan werden muss und der bereit ist, den höchsten Preis zu zahlen. Eben ein echter Held. Gegen ihn und seine Mitstreiter wirkt Superman wie ein Clown.
Und dabei haben diese Helden nicht einmal einen Gegenspieler! Es gibt keine Schurken, keinen Strippenzieher im Hintergrund. Der Gegner ist die Katastrophe selbst – und natürlich das Sowjetsystem, das dem Desaster kräftig Vorschub leistet, indem es in den entscheidenden Momenten versagt. Nicht zuletzt, weil es Funktionäre nach oben spült, die in heiklen Situationen geflissentlich wegsehen und Verantwortung einfach delegieren.
Einen solchen lernen wir in der zweitwichtigsten Figur der Serie kennen: Boris Schtscherbina (Stellan Skarsgård). Ein ranghoher Beamter, tief im Apparat verankert, der jedoch durch die Zusammenarbeit mit Legassow gezwungen wird, sich der Realität zu stellen – und damit selbst in die Mühlen des Systems gerät. Denn verantwortungsvolles Handeln ist dem Sowjetstaat suspekt.
Sowjetische Wahrheitssysteme
Chernobyl würdigt aber nicht nur echtes Heldentum. Chernobyl enthält auch ein starkes Statement gegen Politische Korrektheit. Und damit meine ich nicht die Tatsache, dass zum Entsetzen einiger Linker keine Schwarzen, Moslems, LGBTQ-Personen und ähnliche Minderheiten mit Opferstatus in die Handlung geschummelt wurden. Was ich meine, ist die deutliche Kritik an der Political Correctness innerhalb der Serie, am Beispiel der UdSSR. In der Sowjetunion war der Zwang, nur Dinge zu äußern, die den Mächtigen genehm waren (nichts anderes ist Political Correctness), extrem – und er war sogar die Ursache für den GAU!
Der Konstruktionsfehler, der zur Explosion des Reaktors führte, war nämlich lange vor dem Unfall bekannt und dokumentiert – aber er wurde geheim gehalten! Es wurden sogar die Seiten aus der Bedienungsanleitung des Kernkraftwerks, in welchen auf diesen Fehler aufmerksam gemacht wurde … entfernt! Die Politische Korrektheit – in diesem Fall: den schönen Schein von der Unfehlbarkeit des Sowjetsystems und seiner Technik zu wahren – war wichtiger als die Sicherheit der Sowjetbürger.
Anderes Beispiel: Die Sowjetregierung informierte die Bewohner der Stadt Prypjat – nur ein bis zwei Kilometer vom Unglücksreaktor entfernt – selbst dann noch nicht über die radioaktive Verseuchung, als in Westeuropa wegen des Fallouts schon Ausgehverbote verhängt wurden. Tatsächlich ließ man in Prypjat noch die Kleinkinder unbekümmert draußen im Sandkasten buddeln, während man in Westdeutschland schon panisch Jodtabletten schluckte – und wieder war das Einhalten der Politischen Korrektheit (bloß keinen Fehler des Regimes zugeben) wichtiger als Menschenleben. Im Sowjetstaat kann einfach nicht sein, was nicht sein darf.
Letale linke Lügen
Aber was soll eigentlich dieses ganze todesgefährliche Verschweigen und Lügen? Die Antwort auf diese Frage finden wir in der linken Psyche. Linke halten nämlich nicht das Problem für das Problem, sondern nur dessen öffentliche Wahrnehmung. Man hat die Wahrheit gepachtet. Alles andere ist ein Problem des richtigen Blickwinkels. Aber selbst dann, wenn man Probleme auch selbst einsieht, kann man sie nicht lösen.
Linke sind von der langfristigen Richtigkeit und Gerechtigkeit ihres Tuns überzeugt. Ihre Systeme dürfen nicht scheitern, um dem vermeintlich Schlechten und Bösen keine Möglichkeit zu geben, das Vertrauen in linke Systeme und Utopien zu untergraben und zu zerstören. Wer Probleme anspricht, ist im besten Fall ein naiver, gefährlicher Idiot; im schlimmsten Fall ein Saboteur und Staatsfeind.
Risse in ihrem System werden daher nicht geklebt, sondern dick mit Farbe übertüncht – für sie ist jedes Problem durch richtiges Framing lösbar. Die zunehmende Abkopplung von der Realität ist nicht nur Begleiterscheinung sondern Überlebensmechanismus realer linker Systeme.
Preis der Wahrheit
Darum wanzen sich Linke in allen meinungsbildenden Institutionen fest, darum investieren sie Abermilliarden in Propaganda- und Bespitzelungsapparate. Darum gab es die Stasi, darum haben wir jetzt unsere Hassredegesetze. Und darum ist Tschernobyl explodiert. Linke sind – und wir dürfen uns durch ihre teilweise lächerlichen und Harmlosigkeit heuchelnden Erscheinungsformen nicht darüber hinwegtäuschen lassen – saugefährlich.
Der Höhepunkt der Miniserie ist Legassows Rede am Ende, in der er öffentlich die Wahrheit ausspricht und das Lügengebäude des Sowjetsystems scharf kritisiert. Weil aber „Wahrheit aussprechen“ der schlimmste Fauxpas ist, den man sich in einem sozialistischen Staat leisten kann, wurde Legassow dafür nicht als Held gewürdigt, sondern … nun, das muss der Leser selber herausfinden.
Im Abspann der letzten Folge heißt es, manche Historiker betrachteten das Tschernobyl-Desaster und den damit einhergehenden Vertrauensverlust in den Staat als eigentlichen Anfang vom Ende der UdSSR. Und ja: Linke Lügen verursachten die Katastrophe, linke Lügen konnten sie nicht in den Griff bekommen. Dafür brauchte es gesunden Menschenverstand, Mut zur Wahrheit und ehrliche, rechtschaffene Menschen, die über sich hinauswuchsen, ihr Leben aufs Spiel setzten – und zu Helden wurden.







