Vor über drei Jahren waren wir mit einem Buch über rechte Filme an den Verlag Antaios herangetreten. Doch man wies uns ab und entschied: Lichtmesz übernimmt jetzt das Thema und damit waren wir raus. Jetzt ist es soweit: Wir halten das Buch in der Hand und nehmen es kritisch unter die Lupe.
Das Cover bleibt hinter dem Inhalt zurück
Ein Buch ist ein ganzheitliches Erlebnis und was einem als Erstes ins Gesicht springt, ist das Cover. Leider macht das Buch hier einen amateurhaften Eindruck, den wir sonst von Antaios nicht gewohnt sind. Es beißt sich mit der professionellen Aufmachung des Inhalts. Liegt es daran, dass wir mittlerweile von erstklassigen Aufmachungen verwöhnt sind und insbesondere der Jungeuropa Verlag sich ein ums andere Mal selbst übertrifft?
Was uns stört: Die Zeichnungen der Charaktere aus den Filmen sind ja nicht nur 1:1 von Fotos übernommen, sondern es fehlt hier eine stilsichere Hand, die richtigen Akzente zu setzen oder mit Schraffuren zu arbeiten. Gesichter zu zeichnen ist unglaublich schwer, weil sie in unserer menschlichen Wahrnehmung eine so zentrale Stelle einnehmen; das will ich an dieser Stelle nicht leugnen. Aber gerade deshalb sticht jeder Fehler umso stärker heraus. Die weißen Gesichter auf dem schwarzen Grund wirken wie kränkelnde Gespenster. (Keine Angst, ich verstehe schon, dass es das Licht eines Projektors zeigen soll.)
Auch bei Thymos müssen wir immer wieder Bilder zu den Filmbesprechungen erstellen, bei denen wir uns der Hilfe bei der von Lichtmesz so verhassten KI bedienen. Aber das heißt nicht, dass wir uns nicht auch Gedanken machen oder Bilder mehrfach nachbearbeiten, bis sie passen. Betrachten wir die Medea auf vom Cover, sehen wir dort wirklich Maria Callas mit ihrem markanten Gesicht? Bei unserem Vorschaubild hatte ich z.B. besonderen Wert darauf gelegt, dass ihre ausdrucksstarken Augen nicht verloren gehen:

Eine schwere Geburt?
Wir wissen, dass hinter dem Projekt mehr als drei Jahre Arbeit stecken und das merkt man ihm auch an. Doch dass bei der Veröffentlichung das Weihnachtsgeschäft verpasst wird, ist eine Schlappe, die Antaios normalerweise nicht passiert. Es deutet sich an, dass das Unterfangen von vorneherein nicht einfach gewesen ist. Besonders ins Auge ist mir dann aber der folgende Satz gesprungen:
„Insofern mag der metapolitische »Nutzen« dieses Buches viel geringer sein, als er noch vor fünfzehn Jahren gewesen wäre.“
Ich glaube kaum, dass für Lichtmesz der Nutzen eine Rolle spielt, sondern es ist ein Herzensprojekt. Daher klingt das viel eher wie ein Seitenhieb auf den Verleger! Wie viele Jahre musste Lichtmesz darauf warten, bis er endlich mit seinem Lieblingsthema loslegen durfte? Welche Anforderungen hat der Verlag an das Buch gestellt, die Lichtmesz umzusetzen hatte?
Aber genug der Spekulationen, tauchen wir tiefer ein. Freudig stellen wir fest, dass in Lichmesz’ Übersicht der Versuche, sich dem Thema Film von rechts zu nähern, Thymos an erster Stelle steht! Bis zu seinem Buch konnten wir nämlich stolz sagen: Nirgendwo sonst im deutschsprachigen Raum gibt es so viele Filmbesprechungen von rechts an einem Ort wie bei uns. Natürlich, die Amis bieten eine noch größere Auswahl, aber gerade die Inhalte der amerikanischen Rechten sind oft durchwachsen und sollten nicht 1:1 übernommen werden. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auf die Filmbesprechungen von Counter Currents hinweisen, die online gelesen werden können.
Was will der Filmführer leisten?
Zuerst sind wir gespannt, was der Ansatz des „Filmführers“ ist, denn das Thema Film ist extrem weitläufig und ein solches Projekt lässt sich ganz unterschiedlich aufziehen. Persönlich prägende Filme, Lieblingsfilme, Meilensteine der Filmgeschichte, Rechte Filme oder für rechte interessante Filme? Welche Zeitspanne und welche Schwerpunkte?
Lichtmesz schreibt, dass es ihm nicht um einen Kanon der besten Filme geht, sondern um die politische Relevanz. Dabei möchte er ein breites Spektrum abdecken, wobei er den Schwerpunkt auf „weiße“ Filme, sprich, aus Europa und den USA, legt. Im Wortlaut heißt es:
„Wenn ich die nun folgenden Filme nach rechten Berührungsflächen abtaste, dann geschieht das auf der Grundlage einer sehr großzügigen »gesamtrechten« Auslegung, wie ich es schon in Mit Linken leben getan habe. Ob Neue Rechte, Liberalkonservative, Monarchisten, Faschisten, Libertäre, Katholiken, Sozialpatrioten, »rechte Anarchisten«, »Existentialisten« und so weiter – ich habe versucht, alle Blickwinkel zu berücksichtigen.“
Das ist natürlich ein anderer Ansatz als von unserem Buchprojekt damals mit dem Arbeitstitel „Filme von Rechts“, der sich auch bei Thymos wiederfindet. Uns ging es um die Identitätsfindung der Rechten in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Medium Film. Und das von einer dezidiert neurechten Perspektive aus. Ziel war es das ganze popkulturell aufzuziehen, breit aufzustellen und nicht zu ernst zu werden. Das ganze mit kreativen Rezensionen, die bewusst auch mal zum Schmunzeln anregen sollen.
Lichtmesz meint es ernst
Für Lichtmesz ist der Film kein Spaß, sondern ein ernstes Geschäft. Kulturarbeit, die im besten Fall bedeutungsschwer ist. Animationsfilme, Kinderfilme, Komödien oder auch Horror finden wir fast gar nicht. Wirklich poppig sind zum Teil Klassiker wie Matrix oder 300, an denen man thematisch schlecht vorbeikommt. Bei älteren Filmen finden wir noch ein paar mehr, z.B. Planet der Affen oder Jason und die Argonauten. Eine Ausnahme bilden hier Fight Club, Excalibur oder Sie leben, die Lichtmesz trotz ihrer poppigen Machart in sein Herz geschlossen hat.
Wohl fühlt sich Lichtmesz aber besonders bei Regisseuren wie Passolini, Syberberg, Bresson oder Dreyer. Also Kunstfilme, die nicht bloß unterhalten wollen, sondern auf experimentelle Weise das Medium ausreizen und dem Zuschauer auch unkonventionelle Darstellungen zumuten. Auch Kubrick und Tarkowski finden selbstredend ihren Platz.
Das Buch ist am stärksten, wenn Lichtmesz frei von der Leber weg seinen Gedanken Lauf lässt. Am schwächsten, wenn es in einen Lexikonstil mit langen Inhaltsangaben übergeht. Am Anfang des Buches macht Lichtmesz keinen Hehl daraus, dass fast alle Rezensionen Spoiler enthalten. Diese Entscheidung finde ich nicht gut. Meine Devise ist: So wenig Inhaltsangabe wie möglich und Spoiler nur, wenn sie für die Analyse unbedingt notwendig sind. Den Inhalt gibt es im Internet und meine Hoffnung ist immer, jemanden für einen Film begeistern zu können und ihn nicht zu spoilern. Denn was heißt spoilern auf Deutsch? Nichts anderes, als es ihm zu verderben.
400 Seiten dicht bepackt
Der Lichtspielführer ist in neun Kategorien unterteilt, die gut zu Schnellroda passen: Nationalismus, Religion, Reaktionäre Helden, Antihelden, Kulturpessimismus, Mythen und Sagen, Dystopie und schließlich Rassismus und Multikulturalismus. Zu jedem Kapitel gibt es eine Einführung und anschließend um die zehn Filmrezensionen. Lichtmesz bringt das nötige Fachwissen mit und es fällt ihm leicht, noch etliche Querverweise zu Regisseuren oder weiteren Filmen einzubauen. Müsste ich schätzen, würde ich sagen, dass während der Besprechungen noch einmal über hundert Filmtitel fallen gelassen werden.
Die Auswahl zu den einzelnen Themen ist fundiert. Bereits ein Blick auf den Buchrücken macht deutlich, dass es hier nicht um die „objektiv“ beste Auswahl (wie soll das möglich sein?) geht, sondern sie natürlich durch die Brille von Lichtmesz selbst erfolgt ist.
Es finden sich einige Filme wieder, zu denen bereits bei Thymos Rezensionen erschienen sind: Master and Commander, Medea, Kolberg, Die Damen aus Boston, Wut oder Withnail & I. Auf etliche weitere Filme bin ich bei den Nachforschungen für unser Buchprojekt gestoßen (z.B. 1. April 2000, Colonel Blimp, Der Tschekist) oder wir haben sie damals intensiv diskutiert (Gran Torino, Sie Leben). Es zeigt sich also, dass es Filme gibt, über die man immer wieder stolpert, wenn man sich dem Thema von rechts nähert.
Filme, die in meinen Augen eine Besprechung verdient hätten
Mein einziger Kontakt mit Lichtmesz beschränkt sich auf kurze Wortwechsel im Internet und bei der Gelegenheit haben wir uns in der Regel über Filme gestritten. Dann ging es um die fehlenden positiven rechten Bezüge in Fight Club oder dass Ingmar Bergmans Fanny und Alexander für mich ein linker Film ist. Darum möchte ich hier die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, auf Filme hinzuweisen, die ich im Buch vermisse.
Stilistisch passend zu Lichtmesz:
- Krieg und Frieden (1966) – Passend zu der Kategorie Nationalismus ist der vierteilige russische Monumentalfilm, bei dem man Hollywood übertrumpfen und dem russischen Nationalepos ein Denkmal setzen wollte. Erwachsener als Hollywood und trotz seiner gigantischen Dimensionen experimentierfreudig. Sollte man einmal im Leben gesehen haben.
- Der Fuhrmann des Todes (1921) – Der schwedische Stummfilm ist ein schauriges Meisterwerk, der Mythos und Soziale Frage vermengt und eine starke Kritik an der Aufopferung für undankbare Fremde ist.
- Danton (1983) – Es hat nicht alles mit dem Kommunismus angefangen. Basierend auf dem polnischen Theaterstück und besetzt mit Gérard Depardieu zeigt er die Terrorherrschaft der Jakobiner: Guillotine, Standgerichte und die ständige Suche nach Konterrevolutionären.
Rechte Klassiker:
- Falling Down – Zwischen Taxi Driver, Fight Club und Gran Torino bleibt die Tragikomödie doch mein persönlicher Favorit, weil sie weder nihilistisch wird noch eine Staffelweitergabe zelebriert, bei der die Weißen ihr Erbe an Ausländer abdrücken sollen.
- Starship Troopers – Das Meisterwerk des Unterhaltungskinos mixt Amerikanismus und Faschismus zu einem wilden Ritt in den Weltraum. Genau das richtige für junge Männer. Wer ihn nicht mag, der muss mit Brainbugs sympathisieren!
- Blade Runner – Der Klassiker besticht durch seine geniale Ästhetik und ist aus gutem Grund bei Rechten beliebt.
- Das Boot – Ein Wunder: Nicht nur, dass in der BRD noch einmal ein so guter Film gedreht wurde, sondern überhaupt einmal in die Perspektive von deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg eintauchen und mitfiebern dürfen.
Leider noch zu unbekannt:
- Sexmission – Nun gut, es überrascht mich überhaupt nicht, dass es diese lustige und käsige Scifi-Dystopie nicht in das Buch geschafft hat. Ich halte es jedoch für eine Illusion, dass Filme intellektuell sein müssen, sondern sie sind dann groß, wenn sie eine tiefere Wahrheit erfahrbar machen. In seiner Bejahung des Menschen in einer durchideologisierten Technikwelt hat mich Sexmission auf eine Weise berührt, wie es dem hochgefeierten Kubrick nie gelungen ist.
Fazit
Auf Cineasten will ich an dieser Stelle gar nicht eingehen, für sie ist es sowieso ein Pflichtkauf. Wer den Sprung vom Unterhaltungsfilm in den Kunstfilm wagen möchte oder historische Klassiker sucht, der bekommt hier etliche wertvolle Tipps. Darüber hinaus werden einige sehenswerte Historienfilme genannt, was sowieso das rechte Filmgenre schlechthin ist.
Wer Filme wegen der Unterhaltung schaut oder auf der Suche nach Inspiration ist, was er mit seinen Freunden gemeinsam bei ein paar Bierchen angucken kann, für den wird die Auswahl eher enttäuschend sein. So haben es nur wenige der ikonischen und lebensbejahenden 80er-Jahre-Filme in das Buch geschafft. Dem bleibt nur zu hoffen, dass bei Thymos in Zukunft noch ein paar weitere Rezensionen erscheinen.
Der Lichtspielführer Lichtmesz kann direkt beim Verlag Antaios erworben werden.











